Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Bieneninstitut Kirchhain

Arbeiten für eine bessere Bienen-Zukunft

Kirchhain. Die diesjährige Vortragsveranstaltung des Bieneninstituts Kirchhain mit Unterstützung durch den Verein „Freunde des Bieneninstitut Kirchhain“ traf auf großes Interesse bei den Imkern.

Der thematische Schwerpunkt lag in diesem Jahr auf Forschungsergebnissen zur Bestimmung Varroa resistenter Bienen über SMR und Recapping, sowie der Zuchtvielfalt bei Honigbienen. Praktische Informationen boten außerdem die Vorträge über Bienenwachs und die Zusammenarbeit mit Landwirten.

Vielfalt europäischer Honigbienen

In der Imkerei unterscheidet man zwischen zahlreichen unterschiedlichen Bienenarten, die sich im Laufe der Zeit in den verschiedenen Lebensräumen und Regionen entwickelt haben. Diese Bienen haben einen sprichwörtlichen Standortvorteil, da sie an die Umweltbedingungen wie Klima, Vegetation, Krankheitserreger sowie Parasiten besser angepasst sind, als die teilweise von den Imkern gezüchteten oder importierten Arten. Mit der Entwicklung der Imkerei, vom Ausbeuten zum Bewirtschaften der Bienen, bildeten sich bestimmte Zuchtlinien heraus, die dem Interesse der Imker nach hohem Honigertrag am meisten entsprachen. Dieses berechtigte Interesse führte jedoch in Folge nicht reguliertem Imports und fehlender Strukturen für eine koordinierte Zucht,
zu einer Verdrängung ursprünglich heimischer Honigbienen und somit zu einem Verlust biologischer Vielfalt. Das „Smart Bees“ Forschungsprojekt aus 16 Partnern aus Universitäten, Forschungseinrichtungen und Unternehmern wirkt diese Entwicklung entgegen und fördert durch seine Arbeit die Zucht von lokalen, Varroa resistenten Bienenpopulationen. Unter dem Motto „Schutz durch Nutzung“ trägt die koordinierte Zucht dazu bei, mit Hilfe von Zuchtwertschätzung und Leistungsprüfungen, eine höhere Akzeptanz der lokal anpassten Bienen bei den Imkern zu erzeugen.

Partner im Sinne der Bienen

Imker und Landwirte sind gleichermaßen von den Leistungen der Bienen abhängig. Der gewonnene Honig und die dabei erfolgte Bestäubung erarbeiten Bienen freiwillig und kostenlos. Im Umkehrschluss muss den Bienen dafür ein ausreichendes und vor allem kontinuierliches Nahrungsangebot von Frühjahr bis Herbst geboten werden. Nach der Obst- und Rapsblüte steht Bienen jedoch immer seltener eine ausreichende Tracht zur Verfügung, weshalb die Zusammenarbeit von Imkern und Landwirten zunehmend wichtiger wird. Martina Behrens vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) zeigt auf, welche Möglichkeiten bestehen, um blühende Flächen zur Verbesserung des Nahrungsangebots für Bienen zu schaffen. Die Biodiversitätsberatung veranschaulicht hierbei kostenneutrale Umsetzungsmöglichkeiten und auch Finanzierungswege zur Kompensation. Betriebsindividuell sind unterschiedliche Maßnahmen empfehlenswert. Einige Landwirte legen Jagdschneisen mit niedrigwachsenden Blühpflanzen an, andere säen Blühmischungen auf unwirtschaftlich geschnittenen oder ertragsschwachen Teilflächen. Bei Problemen mit Unkräutern ermöglichen feinsämige Leguminosen eine Pflege der Bestände, die Steuerung des Blühzeitraums und Anrechnung als ökologische Vorrangfläche. Im Rahmen des Greenings bestehen vielseitige Möglichkeiten blütenreiche Bestände zu etablieren. Besonders attraktiv zeigt sich hier eine neue Variante in Form der sogenannten Honigbrache, insbesondere da hier ein hoher Anrechnungsfaktor von 1,5 gilt und bis zum 31. Mai ein langer Zeitraum zur Aussaat zur Verfügung steht. Sinnvoll kann auch die Anlage von Pufferstreifen auf Flächen sein, auf denen bei der Pflanzenschutzmittelanwendung Abstände (z.B. zu Gewässern oder Siedlungen) eingehalten werden müssen. Für Blühflächen und Streifen, die nicht als Greeningflächen angerechnet werden, können zum Kostenausgleich Mittel aus dem Hessischen Agrarumweltprogramm (HALM) beantragt werden. Abhängig von den Absatz- bzw. Verwertungsmöglichkeit sind auch bienenfreundliche Kulturen wie Leguminosen, Silphie als Energiepflanze oder Heilkräuter wie z.B. Fenchel integrierbar.

Resistenzforschung unterstützt Varroa Bekämpfung

Die Varroa-Milbe Varroa destructor ist der wichtigste Parasit der Honigbienen und weltweit für Völkerverluste verantwortlich. Honigbienen können sich jedoch gegen den Blutsauger wehren, was einige resistente Bienenpopulationen in Südfrankreich, Schweden oder den USA gezeigt haben. Die Eigenschaft von Bienen gezielt Milben aus der Bienenbrut auszuputzen konnte bei bestimmten Bienen im Erbgut nachgewiesen werden und wird als Varroa sensitive Hygiene (VSH) bezeichnet. Ein weiterer möglicher Resistenz-Mechanismus ist das Recapping. Darunter versteht man das Öffnen und spätere Wiederverschließen von verdeckelten Brutzellen, in denen sich die Milben vermehren. Das Recapping stört die feinabgestimmten Vermehrungsprozesse der Milben und trägt dadurch zu eingeschränkter Milbenvermehrung (SMR) und erhöhter Milbenresistenz der Bienenvölker bei. In mehreren Versuchen von 2014 – 2016 konnte am Bieneninstitut in Kirchhain nachgewiesen werden, dass das Merkmal Recapping züchterisch beeinflussbar ist. Die Ergebnisse zeigten aber auch, dass „Gute Recapper“ nicht zwingend hohe SMR-Werte aufwiesen, was zeigt, dass die beiden Merkmale nicht im direkten Zusammenhang miteinander vererbt werden.  Weitere Forschungsaktivitäten sollen das Wissen um diese hilfreichen Resistenzeigenschaften ausweiten, um den Parasit weiter zurück zu drängen.

Bienen mögen keine Mischung beim Wachs

Eine Gefahr für Bienenvölker besteht auch bei der Verwendung von Mittelwänden, die aus verfälschtem Wachs hergestellt wurden. Im Fall der Beimengung von Paraffin kommt es durch den reduzierten Schmelzpunkt zu zerstörten Waben. Der Zusatz von bereits 15 % Stearin führt zu etwa 50% Abtötung der Brutzellen. Das gepanschte Bienenwachs stammt meist aus chinesischer Herstellung. Die Gründe für diese Situation liegen neben Gewinnstreben oder Preissensibilität, in der fehlenden Definition zu Bienenwachs für Imkerzwecke. Derzeit existieren nur gesetzliche Regelungen für die Kerzenindustrie, im Lebensmittelbuch und dem Arzneibuch. Imker sollten deshalb beim Kauf von Mittelwänden einen Nachweis über die Inhaltsstoffe einfordern und Rückstellmuster aufbewahren. Über das Länderinstitut für Bienenkunde in Hohen Neuendorf besteht die Möglichkeit für 20 Euro eine Überprüfung auf Wachsverfälschung vorzunehmen. Eine andere Möglichkeit dem Problem zu entgehen besteht im Aufbau eines eigenen Wachskreislaufes. Das Einschmelzen und anschließende Pressen von Mittelwänden ist mit Technik aus dem Handel einfach möglich. Werden Leerwände erst ab August in die Kästen gehängt, kann der Imker auch auf den Naturbau der Bienen zurückgreifen. Das beschriebene Vorgehen trägt dazu bei Brutausfälle zu vermeiden und ein sauberes Endprodukt zu erhalten.

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