Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Bieneninstitut Kirchhain

Neonicotinoide Insektizide schwächen die Immunabwehr von Bienenköniginnen

Für die Gesundheit der Honigbienen ist es entscheidend, dass sie Krankheitserreger und Pa­rasiten erfolgreich bekämpfen können. Sind die Abwehrkräfte durch Umweltein­flüsse geschwächt, können die Bienen An­griffen von Parasiten wie der Varroa-Milbe und Krankheitserregern weniger gut wi­derstehen.

Die einzelne Biene, sowie das gesamte Bienenvolk müssen sich gegen zahlreiche Viren, Bakterien, Pilze, Käfer und gegen die parasitische Varroa-Milbe verteidigen. Zugleich sind die Honigbienen mit Pflanzenschutzmitteln aus der Landwirtschaft konfrontiert. Durch den Eintrag von Nektar und Pollen kommen auch Stockbienen, Brut, die männlichen Drohnen sowie die Königin mit Pflanzenschutzmittel in Kontakt. Insbesondere die Gesundheit der Bienenkönigin ist entscheidend für das Überleben und die Leistungsfähigkeit eines Bienenvolkes. Allein die Königin legt Eier – bis zu 200.000 im Jahr. Ein Volk mit kranker Königin wird schwach; ohne Königin geht das Bienenvolk ein.

Versuche zur Wirkung von Neonicotinoiden

Wie in vorangehenden Untersuchungen gezeigt werden konnte, schwächen Pflanzenschutzmittel aus der Gruppe der Neonicotinoide das Immunsystem von Arbeitsbienen (Brandt et al. 2016, J Insect Physiol). Über die Wirkung von Neonicotinoiden auf das Immunsystem von Bienenköniginnen war bislang nichts bekannt. Deshalb wurden in diesem Jahr umfangreiche Versuche zur Wirkung von Neonicotinoiden auf die Immunabwehr von Königinnen durchgeführt.

Anwendung von praxisrelevanten Konzentrationen bei den Versuchen

Junge Königinnen wurden mit Begleitbienen in Versuchskäfige gesetzt und eine Woche mit Zuckerlösung, der die Neonicotinoide Thiacloprid und Clothianidin beigemischt waren, gefüttert (Abb. 1). Wir haben dabei praxisrelevante Konzentrationen verwendet, wie sie schon in Bienenvölkern vorgefunden wurden. Anschließend wurde den Königinnen Hämolymphe abgenommen, eine blutähnliche Körper-Flüssigkeit der Bienen, welche die Immunzellen und Abwehrstoffe enthält. Beide Neonicotinoide verringern die Zahl der Immunzellen der Königinnen (Abb. 2A). Insbesondere die fresszellenartigen Granulozyten sind betroffen (Abb. 2B). Diese Gruppe der Immunzellen ist für die Beseitigung von Krankheitserregern und befallenen Zellen zuständig. Zudem verringern die Neonicotinoide die antimikrobielle Aktivität der Hämolymphe. Wenn ein Parasit oder ein Bakterium in den Körper eindringt, kapselt die Biene den Eindringling mit Melanin ein und verschließt die Wunde mit schwarzem Wundschorf. Um die Wundheilungsfähigkeit zu testen, wurden durchsichtige Angelschnurstückchen in den Hinterleib der Königinnen implantiert (Abb. 3A). Nach vier Stunden wurde die Schwarzfärbung (Melanisierung) gemessen. Neonicotinoid-behandelte Königinnen haben eine deutlich reduzierte Wundheilung (Abb. 3B).

Neonicotinoide beeinträchtigen Immunsystem

Unsere Ergebnisse zeigen, dass Neonicotinoide wesentliche Funktionen des Immunsystems von Königinnen beeinträchtigen. Mit Hilfe dieses von der EU und dem Land Hessen finanzierten Projekts wird es möglich sein, die Folgen einer Neonicotinoidbelastung auf die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Honigbienen besser abzuschätzen. Die Ergebnisse unserer Arbeit fließen unmittelbar in die Beratung der hessischen Imker, der Politik, sowie der nationalen und internationalen Zulassungsbehörden ein.

Die Gesamtergebnisse wurden in einem Artikel in der Zeitschrift Scinentific Reports dargestellt.