Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Boden & Düngung

Beschränkung der N-Düngung im Herbst

Die Düngeverordnung ist Anfang Juni in Kraft getreten. Damit hat ein mehrjähriger Geburtsvorgang sein Ende gefunden. Diese gesetzgeberische Schwerstgeburt ist bereits an vielen Stellen dargestellt worden.

Im Folgenden soll nun der Versuch unternommen werden, die Regularien darzustellen und näher zu erläutern, welche die Düngung im Herbst beeinflussen. Hierzu gehören natürlich unbedingt die Definitionen des Nährstoff- sowie darauf aufbauend des Düngebedarfs, da diese die möglichen Herbstapplikationen bestimmen.

Nährstoffbedarf und Düngebedarf

Der Gesetzgeber hat bei der Erarbeitung der Düngeverordnung die bedarfsgerechte Düngung in den Mittelpunkt gerückt. Es ist jedoch zunächst zwischen Nährstoffbedarf und Düngebedarf verschiedener Kulturen zu differenzieren. Der Nährstoffbedarf einer Kultur kann durch unterschiedliche Nährstoffquellen abgedeckt werden. Insbesondere bei Stickstoff zählt der Anteil des Bodenstickstoffes mit hinzu, der in Abhängigkeit von Witterung, Vorfrucht, Bodenbearbeitung, langjähriger organischer Düngung, Verbleib von Ernteresten etc. sehr unterschiedlich in der Höhe aber auch vom Zeitpunkt der Mineralisierung sein kann.

Der Düngebedarf hingegen ist die Nährstoffmenge, die nach Abzug aller aus den verschiedenen Quellen gelieferten Nährstoffen zum Ausgleich des Nährstoffbedarfs notwendig ist.

Dem Aspekt des zu ermittelnden und aufzuzeichnenden Düngebedarfs für die verschiedenen Kulturen muss zukünftig verstärkt Rechnung getragen werden, natürlich auch bei der nur noch eingeschränkt zulässigen Herbstdüngung.. War bisher nur eine Auseinandersetzung mit der Düngebedarfsermittlung vorgeschrieben, so hat sie nun mit der Pflicht zur Dokumentation eine neue Dimension erreicht. Dies gilt nicht nur für wirtschaftseigene, sondern auch für mineralische Düngemittel (wesentlicher Stickstoffgehalt von mehr als 1,5 % Gesamtstickstoff in der TM, §6 Absatz 8 und §6 Absatz 9). Die folgende Tabelle 1 soll hierzu einen Überblick geben. In dieser Tabelle sind die Festmiste von Huf- und Klauentieren nicht enthalten, da für diese in dem neuen Gesetzestext die Mengenbeschränkungen nicht durch den § 6 Absatz 9, sondern nur durch den allgemeinen Verweis auf den Pflanzenbedarf gegeben wird.

Tabelle 1: Nährstoffgehalt organischer Düngemittel

Tabelle 1 Nährstoffgehalt organischer Düngemittel

Wie hoch ist aber der Düngebedarf der Kulturen Winterraps, Wintergerste beziehungsweise jener von diversen Zwischenfrüchten? Dieses sind nämlich die Kulturen, die laut novellierter DüV noch im Herbst gedüngt werden dürfen, sofern ein Düngebedarf nachgewiesen werden kann. Aktuell ist noch nicht letztgültig sicher geklärt, wie der Gesetzgeber diese Düngedürftigkeit im Detail auslegt und wann eine solche gegeben ist beziehungsweise worin eine Begründung für selbige sicher zu suchen sein wird. Es gibt allenfalls Hinweise von fachlichen Institutionen, wie zum Beispiel dem Verband der Landwirtschaftskammern (VLK), die eine Empfehlung zur Herbstdüngung abgegeben haben. Diese sind in der Tabelle 2 aufgeführt.

Tabelle 2: Empfehlung des VLK zur Herbstdüngung: Kulturen mit einem Düngebedarf

Kultur1) Vorfrucht2) langjährige organische Düngung Erntereste der Vorfrucht Empfehlung
kg N/ha Bemerkung
Winterraps ja keine N-Düngung notwendig
nein abgefahren 40
verblieben 60
60 bei Mulch oder Direktsaat, unabhängig von Vorfrucht, org. Düngung oder Verbleib von Ernteresten
Wintergerste Getreide ja keine N-Düngung notwendig
nein abgefahren 20
verblieben 40
Wintergerste alle anderen Vorfrüchte keine N-Düngung notwendig
Ackergras ja Keine Düngung notwendig bei Aussaat nach dem 15.09.
nein Nutzung im Anbaujahr: N-Düngung nach Bedarf, Einschränkungen zur Düngung nach der Ernte der Hauptfrucht gelten nicht
40 – 60 Nutzung im Folgejahr: Aussaat bis 30.08
30 – 40 Nutzung im Folgejahr: Aussaat vom 01.9. bis 15.09.
Zwischenfrüchte o. Leguminosen) nein 40 – 60
Zwischenfrüchte (100% Leguminosen) nein keine N-Düngung notwendig

1) eine Zwischenfrucht nach Ernte und vor einer Winterung im Aussaatjahr der Zwischenfrucht entwickelt i.d.R. keinen Düngebedarf
2)ein Düngebedarf im Herbst nach den Hauptkulturen Mais, Raps, Zuckerrüben, Kartoffeln, Feldgemüse und Leguminosen besteht grundsätzlich nicht

Bei diesen Empfehlungen handelt es sich um Mengenangaben, die von einem tatsächlichen Bedarf ausgehen. Der Landwirt muss daher entscheiden, ob zum Beispiel eine spät gesäte Zwischenfrucht noch einen wesentlichen Düngebedarf vor Winter entwickeln kann oder nicht. Im letzten Anbaujahr war dieser Düngebedarf bei der ausgeprägten Trockenheit und den daraus resultierenden Auflauf- und Wachstumsproblemen spät gesäter Zwischenfrüchte sicherlich nicht gegeben. Dabei ist natürlich auch der Umstand zu berücksichtigen, dass die begrenzten Mengen, ob nun aus dem ermittelten Düngebedarf oder den Mengenbeschränkung auf 30 kg NH4-N beziehungsweise 60 kg Gesamt-N resultierend, rein verfahrenstechnisch aufgrund der niedrigen entsprechenden Düngermengen kaum auszubringen sein werden.

Düngebedarfsermittlung (DBE)

Im § 3 Absatz 2 findet sich die Formulierung, dass vor dem Ausbringen wesentlicher Nährstoffmengen der Düngebedarf festzustellen ist. Wesentliche Nährstoffmengen sind nach der novellierten DÜV mehr als 50 kg Stickstoff oder/und 30 kg Phosphat (P2O5) pro Hektar und Jahr. Aus dieser Formulierung ergibt sich die Notwendigkeit einer Düngebedarfsberechnung für die im Herbst ausgesäten Winterkulturen, zu denen die Düngeverordnung eine Düngung erlaubt. In den Bundesländern werden von den entsprechenden Länderdienststellen bereits Formulare zum Download oder zum Online-Ausfüllen angeboten. Es fällt auf, dass je nach Bundesland andere Angaben für die Düngebedarfsberechnung eingefordert werden. Es herrscht bei den landwirtschaftlichen Betrieben große Unsicherheit in Bezug darauf, was, wann und in welcher Form zu dokumentieren ist.

Für Hessen wird daher innerhalb der nächsten Wochen von allen beteiligten Institutionen  (RP, LLH, Ministerium) ein abgestimmter Entwurf zur Düngebedarfsermittlung im Herbst vorgelegt werden.

Dieser Entwurf wird dann auch die Bedarfsermittlung für Grünland mit einbeziehen. Es kann aber schon jetzt davon ausgegangen werden, dass bei der Grünlandwerbung nicht für jede einzelne Nutzung eine Bedarfsermittlung anzufertigen ist, also nicht bei einer dreimaligen Nutzung jeweils eine gesonderte Berechnung durchzuführen sein wird. Damit wäre für ein Anbaujahr einmalig der Düngebedarf zu ermitteln, die Nutzungshäufigkeit sollte dabei dem langjährigen Mittel entsprechen.

Maximal zulässige Ausbringmenge

Für die anstehende „Nacherntezeit“, die traditionell genutzt wird, um wirtschaftseigene Dünger auszubringen, gibt es eine Vielzahl zu beachtender Regelungen in der neuen Düngeverordnung. Diese beziehen sich sowohl auf die verschiedenen Kulturen, nach deren Ernte die Dünger ausgebracht werden können, wie auch auf den spezifischen Dünger selbst, aber auch auf die Einarbeitungszeit et cetera. Die Tabelle 3 soll einen Überblick darüber verschaffen, welche organischen Dünger mit welchen Nährstoffmengen im Herbst noch maximal ausgebracht werden dürfen, wobei der ermittelte Düngebedarf bereits unterhalb der Obergrenze begrenzend sein kann! Während für Festmiste von Huf- und Klauentieren nur eine durch den Bedarf bestimmte Mengenbeschränkung gilt, unterliegen alle übrigen Düngemittel mit wesentlichem Nährstoffgehalt der Mengenbeschränkung nach § 6 Absatz. 9.

Tabelle 3: Maximal zulässige Mengen NH4-N und Gesamt N nach Ernte der letzten Hauptfrucht je Hektar (§ 6 (9))

Kultur mineralischer Dünger Organischer Dünger
Stallmist von Huf und Klauentieren Güllen Geflügelmist Komposte* Klärschlamm
Gerste (Getreidevorfrucht) 30 kg NH4-N 60 kg Ges.-N k.V. 30 kg NH4-N 60 kg Ges.-N 30 kg NH4-N 60 kg Ges.-N k.V. 30 kg NH4-N 60 kg Ges.-N
Winterraps 30 kg NH4-N 60 kg Ges.-N k.V. 30 kg NH4-N 60 kg Ges.-N 30 kg NH4-N 60 kg Ges.-N k.V. 30 kg NH4-N 60 kg Ges.-N
mehrj. Feldfutterbau (Aussaat bis 15.05) k.V. k.V. k.V. k.V.0 k.V.
Feldfutterbau (Aussaat zwischen 15.05. und 15.09.) 30 kg NH4-N

60 kg Ges.-N

k.V. 30 kg NH4-N

60 kg Ges.-N

30 kg NH4-N

60 kg Ges.-N

k.V.
Zwischenfrucht 30 kg NH4-N 60 kg Ges.-N k.V. 30 kg NH4-N 60 kg Ges.-N 30 kg NH4-N 60 kg Ges.-N k.V. 30 kg NH4-N 60 kg Ges.-N
Grünland/Dauergrünland k.V. k.V. k.V. k.V. k.V.

* =  510kg N/ha = Gesamtmenge für drei Jahre
– = keine Anwendung zulässig
k.V. = keine Vorgaben durch die § 6 Absatz 9, außer der Mengenbeschränkung durch ermittelten und aufgezeichneten Düngebedarf

Verbotszeiträume für die Aufbringung

Bei den zurückliegenden Diskussionen um eine neue Düngeverordnung standen die von der Europäischen Kommission geforderten, massiv ausgeweiteten Sperrfristen im Zentrum. Für Ackerland erstreckt sich nun die Kernsperrfrist von der Ernte der Hauptfrucht bis zum 31. Januar des Folgejahres, allerdings gibt es Ausnahmen. Hierzu gehören Winterraps, Zwischenfrüchte und Wintergerste (nur bei Vorfrucht Getreide). Bei diesen Ackerbaukulturen wird davon ausgegangen, dass noch ein Düngebedarf bestehen könnte. Für alle anderen Kulturen wird generell kein Düngebedarf gesehen.

Für Grünland, Dauergrünland und mehrjährigen Feldfutterbau auf Ackerland (bei einer Aussaat bis zum 15. Mai) gilt eine Sperrfrist vom 1. November bis zum Ablauf des 31. Januar.

Neu ist die, ebenfalls von der Europäischen Kommission massiv eingeforderte Sperrfrist für Festmist, die nun für Festmist von Huf- und Klauentieren sowie Kompost (jedweder Art) in der Zeit vom 15. Dezember bis zum Ablauf des 15. Januar gilt.

Eine Übersicht über die Kernsperrfristen gibt die Tabelle 4. Hier werden nicht nur die wichtigsten landwirtschaftlichen Kulturen, sondern auch eine Reihe von organischen Düngern aufgeführt.

Tabelle 4: Verbotszeiträume für die Aufbringung für ausgewählter N-haltige Düngemittel und Kulturen nach Ernte der Hauptfrucht (§ 6 (8))

x = keine Düngung zulässig

Kultur mineralischer Dünger organisches Düngemittel
Stallmist von Huf und Klauentieren Güllen Geflügelmist Komposte Klärschlamme
Weizen x 15.12. – 15.01 x x 15.12. – 15.01. x
Gerste (Getreidevorfrucht) 01.10. – 31.01. 15.12. – 15.01 01.10. – 31.01 01.10. – 31.01 15.12. – 15.01. 01.10. – 31.01..
Gerste sonstige Vorfrüchte x 15.12. – 15.01 x x 15.12. – 15.01. x
Roggen x 15.12. – 15.01 x x 15.12. – 15.01. x
Triticale x 15.12. – 15.01 x x 15.12. – 15.01. x
Winterraps 01.10. – 31.01. 15.12. – 15.01 01.10. – 31.01 01.10. – 31.01 15.12. – 15.01. 01.10. – 31.01.
mehrj. Feldfutterbau

(Aussaat bis 15.05)

01.11. – 31.01. 15.12. – 15.01 01.11. – 31.01. 01.11. – 31.01. 15.12. – 15.01. x
Feldfutterbau (Aussaat zwischen 15.05. und 15.09.) 01.10. – 31.01. 15.12. – 15.01 01.10. – 31.01. 01.10. – 31.01. 15.12. – 15.01. x
Zwischenfrucht* 01.10. – 31.01. 15.12. – 15.01 01.10. – 31.01. 01.10. – 31.01. 15.12. – 15.01. 01.10. – 31.01.
Grünland/Dauergrünland 01.11. – 31.01. 15.12. – 15.01 01.11. – 31.01. 01.11. – 31.01. 15.12. – 15.01.

* = Ausnahme: Wenn als zweite Hauptfrucht  für eine Futternutzung im Anbaujahr geplant ist, gilt der Verbotszeitraum erst ab der Ernte.

Viele Betriebe müssen seit dem Inkrafttreten der novellierten Verordnung ihr bisheriges Handeln hinterfragen und in einigen Punkten auch ändern. Dies betrifft das massiv eingeschränkte Zeitfenster, in denen Wirtschaftsdünger ausgebracht werden dürfen. Gleichzeitig müssen die Ausbringmengen neu berechnet und angepasst werden, genauso muss die Kulturfläche, zu der im Herbst ausgebracht werden kann, abermals geprüft werden. Viele Betriebe müssen daher bereits in diesem Herbst intensiver als bisher kalkulieren, wo, wann und wie viel beispielsweise Gülle noch ausgebracht werden kann. Denn mit der im Herbst ausbringbaren Menge legt ein Betrieb fest, über welche Lagerkapazitäten er tatsächlich verfügen muss, um die Zeit bis zum Frühjahr zu überbrücken, unabhängig von den generell bereits seit zehn Jahren geforderten sechs Monaten Mindestlagerkapazität..

Auch diejenigen Betriebe, die ihre Tiere auf Stroh halten, müssen sich umstellen. Eine nach dem Agrarzahlungen-Verpflichtungenrecht unter Beachtung bestimmter Standortvoraussetzungen mögliche Feldrandlagerung darf erst dann erfolgen, wenn die Vorrotte auf einer festen und wasserundurchlässigen Fläche abgeschlossen ist (ab 2020). Durch das erwähnte einmonatige Aufbringverbot gilt faktisch eine einmonatige Mindestlagerkapazität auf der Betriebsstätte.

Fazit

Die neue Düngeverordnung sieht einige einschneidende Regelungen für die landwirtschaftliche Praxis vor. Da die neue Düngeverordnung am 02.06.2017 in Kraft getreten ist, gelten deren Regelungen – mit Ausnahme der wenigen mit einer Übergangsvorschrift versehenen – auch für alle in diesem Herbst durchzuführenden Düngungsmaßnahmen. Dies betrifft im Wesentlichen

  • Kulturen, die einen Düngebedarf vor Winter haben und bei denen eine begrenzte Düngung zulässig ist,
  • die neuen Kernsperrfristen
  • sowie die maximalen Düngermengen, die ausgebracht werden dürfen.

Die in diesem Artikel dargestellten Tabellen sollen den Landwirt in die Lage versetzen, die für ihn geltenden Regelungen und Einschränkungen zu identifizieren. Da die novellierte Düngeverordnung noch nicht vollständig in die Verwaltungspraxis umgesetzt ist und viele Details bisher nur zum Teil zwischen allen beteiligten Institutionen abgestimmt wurden, können bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht alle auftretenden Fragen hinreichend beantwortet werden. Dies betrifft insbesondere die Art und Weise, wie eine Düngebedarfsermittlung für diesen Herbst anzufertigen sein wird.

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