Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Boden & Düngung

Hoch, höher, am höchsten! – Aktuelle Nmin-Werte

Nachdem schon die Analysenergebnisse aus dem letzten Jahr zu Vegetationsende hohe Stickstoffwerte im Boden auswiesen, wurden diese nun durch die ersten Probennahmen im Jahr 2017 erneut bestätigt.

Wurden in den letzten zwei Jahren fast historische Stickstofftiefststände im Boden zu Vegetationsbeginn gemessen, so scheinen wir uns in diesem Jahr in einer Parallelwelt zu bewegen. Diese Situation hat vielfach Verwunderung hervorgerufen. Landwirte müssen aufgrund dieser Werte ihre bisherige Düngepraxis hinterfragen und womöglich anpassen. In Regionen mit historisch hohen Nitratwerten wurde bereits auf die Gefahr der Auswaschung von Stickstoff in das Grundwasser hingewiesen.

Es drängt sich die Frage auf, worin die Ursache für dieses aktuelle markante Jahresphänomen begründet liegen könnte? Eine mögliche Antwort hierauf ist im Kontext eines Rückblicks auf die letzten Monate zu finden. So sind im letzten Halbjahr deutlichunterdurchschnittliche Niederschlagsmengen zu verzeichnen gewesen. In Verbindung mit hohen Temperaturen führte dies beispielsweise im September zu erheblichen Problemen in einigen Rapsbeständen.

Höhere Nitratwerte durch Witterung

Die nutzbare Feldkapazität (pflanzenverfügbarer Wasseranteil im Boden) war entsprechend auf vielen Standorten zum Teil sehr gering. Vielen Landwirten wurde dies unmittelbar augenscheinlich durch nicht laufende Drainagen. In der Lysimeterstation Kassel (siehe Abbildung 1) werden seit mehr als 20 Jahren Sickerwassermengen gemessen und aufgezeichnet. In der diesjährigen Sickerwasserperiode  (2016/2017) konnte bisher noch gar kein Sickerwasser in 1,50m unter Flur aufgefangen werden. Dies ist bisher erst in drei der letzten 20 Messjahre der Fall gewesen. So ist es nachvollziehbar, dass die Witterungsereignisse in der letzten Jahreshälfte 2016 relativ hohe Nitratwerte in der durchwurzelbaren Schicht hinterlassen hat, die aufgrund der trockenen Verhältnisse im Boden im Frühjahr 2017 in der Schicht bis 90cm wiedergefunden und gemessen werden konnte. Die ersten Analysenergebnisse Anfang Februar deuten darauf hin, dass die höchsten  Werte in der Schicht 0 bis 30 vorzufinden sind, die im Verlaufe der letzten vier Wochen in die darunterliegende Schicht verlagert wurden.

Der Landwirt steht nun vor der schwierigen Entscheidung die Frühjahrsdüngung zu gestalten. Insbesondere bei Winterweizen lagen die Nmin-Werte in Bereichen von zum Teil 120 kg/ha, sodass die Frage, ob überhaupt eine Andüngung vorgenommen werden sollte, aufgekommen ist (die Werte werden wöchentlich aktualisiert auf der Homepage des Landesbetriebes Landwirtschaft Hessen und hier unter der Rubrik Pflanzenproduktion veröffentlicht). Auf eine Andüngung sollte im Hinblick auf die Steuerung des Bestandes nicht verzichtet werden, jedoch müssen die hohen Stickstoffmengen im Boden bei der Düngung Berücksichtigung finden. Die Pflanzenbauberater des Landesbetriebes Landwirtschaft empfehlen daher eine am Pflanzenbestand ausgerichtete reduzierte Andüngung. Für alle weiteren Düngergaben sollten neben der Berücksichtigung des Bestandes und der aktuellen Witterung, die wahrscheinlich weiterhin hohen Bodengehalte im Auge behalten werden. Denn eine Stickstoffverlagerung unterhalb der durchwurzelbaren Zone ist zum jetzigen Zeitpunkt nur auf leichten Standorten zu befürchten. Bei ausreichender Feuchtigkeit und ansteigenden (Boden-)Temperaturen ist mit einer zusätzlichen Stickstoffmineralisierung zu rechnen.

In der Tabelle 1 wird anhand verschiedener Fallbeispiele die Möglichkeit aufgezeigt, die hohen Nmin-Werte dieses Jahres in der gesamten Düngerplanung bis zur Ährengabe hin zu berücksichtigen. Dieses Vorgehen ignoriert in gewisser Weise die Tatsache, dass der jetzt gemessene Nmin-Wert nur für die Düngungsmaßnahmen zu Vegetationsbeginn, maximal noch zum Zeitpunkt des Schossens, heranzuziehen ist. Allerdings wird mit dieser Betrachtungsweise berücksichtigt, dass wir aller Voraussicht nach auch weiterhin hohe Nmin-Wert haben werden.

Tabelle 1: Standardempfehlung, Nmin-Werte 2017 und Düngeempfehlung

Tabelle 1: Standardempfehlung, Nmin-Werte 2017 und Düngeempfehlung

Beim Winterweizen wird bei der Düngeempfehlung die Erzielung des ökonomisch optimalen Ertrages angestrebt. Ein Sollwert von 230 kg Stickstoff pro Hektar, inklusive des im Boden verfügbaren N-Anteils, sollte jedoch nicht überschritten werden sollte. Die Empfehlung zu Winterraps berücksichtigt den Sachverhalt, dass unterschiedliche Stickstoffmengen zu Vegetationsbeginn im Pflanzenbestand enthalten sein können, die vom Sollwert abgezogen werden können.

Abbildung 1: Lysimeteranlage Kassel – Niederschläge und Sickerwassermenge Monatsmittel 1995 bis 2016 und aktuelle Werte

Abbildung 1: Lysimeteranlage Kassel - Niederschläge und Sickerwassermenge Monatsmittel 1995 bis 2016 und aktuelle Werte

Wie anhand der Abbildung 2 zu erkennen ist, wurden Mitte März Bodentemperaturen von 5 bis 10°C im Mittel der letzten drei Jahre bei der DWD Wetterstation in Schauenburg erreicht. In diesen Temperaturbereichen ist in Verbindung mit entsprechender Feuchtigkeit mit einer wesentlichen Mineralisierung an Stickstoff zu rechnen.

Abbildung 2: DWD Wetterstation Schauenburg: Mittlere Niederschläge und Bodentemperatur, Februar, März April 2014 bis 2016

Abbildung 2: DWD Wetterstation Schauenburg: Mittlere Niederschläge und Bodentemperatur, Februar, März April 2014 bis 2016

Der Tabelle 2 sind die aktuellen Nmin-Werte (Stand 27.02.2017) zu entnehmen, die sie für ihre Düngebedarfsberechnung zu Grunde legen sollten. Diese Tabelle ist ebenso zur Dokumentation gedacht, um den Anforderungen der Düngeverordnung nachzukommen. In der Spalte mit den aktuellen Werten aus 2017 sind nur dann Werte eingetragen, wenn eine bestimmte Anzahl an Einzelproben und deren Ergebnisse vorhanden sind. Die Werte liegen bei Winterweizen zum Teil erheblich über den langjährigen Mittelwerten. Unter der Wintergerste werden Nitratwerte gemessen, die circa 30 kg/ha über den langjährigen Werten liegen. Das gleiche ist auf den Winterrapsflächen zu verzeichnen.

In der Tabelle 2 sind auch die Sommerkulturen aufgeführt. An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass die Nmin-Werte eine Zeitpunktbetrachtung darstellt. Bei sich verändernden Witterungsverhältnissen verändert sich auch das Mineralisierungsvermögen eines Standortes. Das heißt die Nmin-Werte werden in ein bis zwei Wochen auf den gleichen Flächen vollkommen andere sein, als dieses zum jetzigen Zeitpunkt der Fall ist. Für eine Düngung zu Mais oder Zuckerrüben im April/Mai sollten die Nmin-Werte herangezogen werden, die zu diesem Zeitpunkt auf der Hompage des Landesbetriebes veröffentlicht sein werden (www.llh.hessen.de).

Tabelle 2: Nmin Werte der wichtigsten Kulturen in verschiedenen Kategorien langjährig und 2017

Tabelle 2: Nmin Werte der wichtigsten Kulturen in verschiedenen Kategorien langjährig und 2017

Tabelle 2: Nmin Werte der wichtigsten Kulturen in verschiedenen Kategorien langjährig und 2017 (Teil 2)