Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Eiweißinitiative

2. Hessischer Leguminosentag des LLH: Ein voller Erfolg

Am 20.09.2016 fand auf dem Landwirtschaftszentrum Eichhof des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen (LLH) der 2. Hessische Leguminosentag unter dem Motto „Reserven in Grünland und Feldfutter nutzen“ statt.
Der Fokus lag auf Anbau, Konservierung und Verwertung von Feinleguminosen im Grünland, als Reinsaat oder als Mischung wie zum Beispiel als Zwischenfrucht.

Großes Potenzial feinkörniger Futterleguminosen

Ein abwechslungsreicher Tag hielt aus Theorie und Praxis viele anwendbare Erkenntnisse für den Praktiker bereit. Ein umfangreiches Programm aus hochkarätigen Vorträgen, Feldversuchen unter verschiedensten Düngevarianten, Wurzelkästen, Anbautelegrammen und einer Posterausstellung zu neun verschiedenen Themen rundete die gelungene Veranstaltung bei herrlichem Wetter ab.

Staatssekretärin Dr. Beatrix Tappeser eröffnete den spannenden und interessanten Theorie-und Praxistag. Sie ging auf die sinnhafte Verknüpfung von Forschung und Praxis beim LLH ein, um „angepasste Sorten mit angemessenen Versuchen zu ermitteln und damit das Betriebsmanagement des Landwirts vor Ort zu unterstützen.“ Zugleich spannte sie einen weiten Bogen zur großen Politik. So ist doch am 25. September 2015 auf dem UN-Gipfel in New York die „Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung“ verabschiedet worden mit 17 Nachhaltigkeitszielen der UN-Agenda. „Hier stellt der Leguminosentag einen unmittelbaren, wichtigen lokalen und vor allem praktischen Bezug her, gibt doch eine verringerte Einfuhr von Sojaprodukten nach Deutschland den Erzeugerstaaten der südlichen Halbkugel, verstärkt die Möglichkeit, eine lokal angepasste Landwirtschaft zu entwickeln, die weg von Monokulturen geht und die Artenvielfalt als Folge erhöht.“

Hessische Eiweißpotentiale besser ausschöpfen

LLH-Direktor Andreas Sandhäger begrüßte den interdisziplinären Beratungsansatz des umfassenden Konzepts zur stärkeren Nutzung der heimischen Eiweißpotenziale. „Im Rahmen des „Hessischen Aktionsprogramms zur Förderung des Anbaus und des Einsatzes heimischer Eiweißfuttermittel sind wir sehr gut aufgestellt. Seit Juni 2014 setzen wir zahlreiche Maßnahmen um, damit die vorhandenen Eiweißpotenziale in Hessen besser ausgeschöpft und neue Potenziale eröffnet werden – auch und gerade für konventionell arbeitende Betriebe“, führte Sandhäger aus.

Initiative Gentechnikfreies Futter (Hessische Eiweißinitiative)

„Die hessische Landesregierung hat mit dem Ökoaktionsplan nachhaltige Konzepte für eine zukunftsfähige Landwirtschaft aufgestellt. Die Maßnahmen zur „Initiative Gentechnikfreies Futter“ werden als Teil des Ökoaktionsplans über das Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz gefördert“, führte die Staatssekretärin aus.

Um das Thema für Landwirte und Verbraucher entsprechend aufzugreifen und umzusetzen ist am LLH in Kassel die Koordination der „Initiative Gentechnikfreies Futter“ (auch Hessische Eiweißinitiative genannt) angesiedelt, für die Brigitte Köhler zuständig ist. Dazu ist anzumerken, dass die Verbraucher immer stärker die Versorgung mit gentechnikfreien Lebensmitteln fordern. Dies führt dazu, dass sich die Landwirtschaft Gedanken machen muss, wie sie diese Nachfrage erfüllen kann.

Gentechnikfreie Landwirtschaft als gesellschaftliches Ziel

Als Mitglied der Landesregierung setzte Dr. Tappeser auf eine gentechnikfreie Landwirtschaft mit einer Vielzahl an Maßnahmen zur Umsetzung zum Beispiel einer gentechnikfreien Fütterung. So sei Hessen bereits 2014 dem europäischen Netzwerk gentechnikfreier Regionen beigetreten. „Damit unterstützen wir die Vermarktungsmöglichkeiten für regionale gentechnikfreie Produkte. Und wir möchten auch, dass die hessischen Landwirte unabhängig werden von importierten, gentechnisch veränderten Futtermitteln“, so die promovierte Biologin. Im Wesentlichen werde mit der Eiweißpflanzenstrategie des Bundes und den Eiweißinitiativen der Länder das Ziel verfolgt, den Bedarf an Eiweißimporten von Eiweißfuttermitteln zu verringern. Dies könne in der Praxis umgesetzt werden, in dem die heimischen Eiweißpotenziale besser genutzt werden. Tappeser verwies vor allem im Bereich der Rinderfütterung auf ein hohes Potenzial, die heimische Eiweißversorgung durch eine verbesserte Grobfutterqualität zu erhöhen. Hier komme dem Grünland mit einem Flächenanteil von 38 Prozent an der landwirtschaftlichen Nutzfläche Hessens eine besondere Bedeutung zu. Feinkörnige Leguminosen in Rein- und Mischbeständen werden auf rund 1,4 Prozent der landwirtschaftlichen Ackerfläche in Hessen angebaut.

Aber sie wisse auch, „dass der Leguminosenanbau nicht einfach ist. So ist er leider nicht gefeit vor Pflanzenschutzproblemen“, erläuterte die Politikerin. So sei in diesem Jahr erstmals bei den Körnerleguminosen ein Befall mit Nanoviren bei Körnererbsen und Ackerbohnen bundesweit aufgetreten. Auch sei der Leguminosenanbau zwar kein Allheilmittel für die unterschiedlichen Bedürfnisse der Betriebe, aber der Klimawandel komme ihm entgegen, beispielsweise beim Sojaanbau. Durch entsprechende Sortenwahl und einem standortangepassten Anbau sowie  einem sorgfältigen Management könne manchem Problem aus dem Weg gegangen werden. Ihr Fazit: „Insgesamt werden durch den Leguminosenanbau die Erzeugung heimischer Eiweißfuttermittel gestärkt, die Bodenqualität mit Stickstoff verbessert, ökologische Futter- und Lebensmittel erzeugt, der Verbraucherwunsch nach regionalen Produkte befriedigt und nicht zuletzt die Biodiversität erhöht.“

Win-Win-Situation: Optimierung des Ernte- und Lagerungsprozesses spart Futterkosten

Sandhäger schloss sich der positiven Bewertung an: „Erst das Zusammenspiel vieler Maßnahmen führt schlussendlich zu dem gemeinsamen Ziel“, resümierte er. Hier leiste der Feldfutterbau mit den feinkörnigen Leguminosen in Reinsaat, aber auch als Partner im Grünland und im Gemengeanbau, einen wichtigen Beitrag, so Sandhäger. „Bei entsprechender Etablierung kann somit von den wirtschaftseigenen Futterflächen der Rohproteinertrag erhöht werden“, prognostizierte er. Wichtig ist dabei im Ernte- und Lagerungsprozess die Eiweißqualität zu erhalten, um entsprechende Grobfutterqualitäten zu erzeugen. Er ergänzte, dass „eine Erhöhung der Eiweißversorgung aus dem Grundfutter und die Umsetzung einer effizienten Fütterung direkt Einsparungen an Eiweißfuttermitteln bedeuten.“ Diese müssten sonst zugekauft werden. „Somit werden zusätzlich Futterkosten gespart“, was sich ebenfalls positiv auf der Habenseite im Betrieb auswirke.

Unabdingbar: Angepasste Düngung zur nachhaltigen Förderung von Leguminosen

Prof. Dr. Harald Laser von der Fachhochschule Südwestfalen erläuterte die geeigneten Maßnahmen zur Steigerung der Leguminosenanteile im Grünland. So sieht er in einer für Leguminosen angepassten Düngung eine sehr wichtige Maßnahme. Dafür seien die „Stickstoff-Gaben auf das nötigste zu reduzieren, „wobei gleichzeitig die Phosphor- und Kali-Gaben nicht zu vernachlässigen sind.“ Gegebenenfalls könne eine unterschiedliche Stickstoff-Düngung durch die Anlage von Leguminosen in Streifen – also getrennt von den Gräsern – umgesetzt werden. Weiter sei auf eine Leguminosen-gerechte Schwefelversorgung zu achten.

Frässaat mit leguminosenfördernden Maßnahmen erhöhen Leguminosenanteile

Sein wissenschaftlicher Mitarbeiter, M. Sc. Marc Wolf, stellte Ergebnisse aus Grünlandversuchen zur Erhöhung der Proteinerträge von Grünland vor. Dabei wurde u. a. untersucht, ob sich mittels einer Frässaat in Kombination mit Leguminosenfördernden Maßnahmen, wie Rhizobien-, Selen- und Schwefelgaben, Leguminosenanteile jeweils mit Ackerrotklee, Luzerne oder Hornklee in einer Grünland-Altnarbe etablieren lassen, was sich im Ergebnis positiv bestätigte. „Mit dem Verfahren lassen sich feinkörnige Leguminosen in Grünland-Altnarben etablieren. Sie leisten somit einen wertvollen Beitrag zu Erhöhung der Proteinerträge vom Grünland“, so das Fazit von Wolf.

Optimale Nutzung leguminosenreicher Aufwüchse führt zu mehr Geld im Portemonnaie

Um das Einsparpotenzial bei einer optimalen Nutzung von Leguminosen-reichem Futter zu verdeutlichen, stellte Prof. Laser einen Vergleich zum theoretisch nutzbaren Proteinertrag von verschiedenen Eiweißfutterpflanzen auf. Dabei sieht er das größte Problem im Kopf, denn: „Es fehlen die realen Preise bei einem Vergleich.“ Aus seinen Vergleichen berechnete er, dass „das höchste Flächenpotenzial im Vergleich von Ackerbohne, Grünland und Luzerne mit 1,8 Tonnen nutzbarem Rohprotein pro Hektar die Luzerne zeigt.“ Er stellte diesen Wert dem Marktpreis von Sojaextraktionsschrot und entsprechend der vergleichbaren Menge von sechs Tonnen gegenüber und kam zu dem Ergebnis: „So müsste die Luzerne einen annähernden Marktwert nach der Berechnung von 2.461 Euro erzielen.“ Dies verdeutliche die viel zu geringe Wertschätzung für das wertvolle Futter vom Grünland und Futterbau. Bei optimaler Nutzung liege seines Erachtens darin ein erhebliches Einsparpotenzial für die Futterbaubetriebe vor.

Ganzheitlicher Ansatz: Beratung und Prozesskette optimieren

Aber für den Erhalt der Masse und der Qualität sei es unabdingbar, „die Bröckelverluste bei der Trocknung möglichst gering zu halten. Dazu sind alle Maßnahmen entlang der Prozesskette zu berücksichtigen.“ Laser wies darauf hin, dass sich über eine technische Trocknung die Konservierungsverluste deutlich verringern ließen, ggf. könne dies für manche Betriebe ein alternatives Verfahren sein. Laser stellte sehr anschaulich dar, dass für einen optimalen Ablauf der Konservierung Leguminosen-reichen Materials entscheidend sei, „die gesamte Prozesskette im Blick zu behalten. Damit vermeiden Sie mögliche Schwachstellen und halten die Verluste gering.“ Seinem Fazit ist nichts hinzuzufügen: „Einzelmaßnahmen machen keinen Sinn, ein Gesamtkonzept ist die Lösung. Daher ist eine gute Beratung unabdingbar und die Inanspruchnahme durch die Landwirte folgerichtig hinsichtlich einer Systemoptimierung.“

Klee und Luzerne in der Rinderfütterung: Machbar und sinnvoll

Praxisorientiert stellte  Dr. Martin Pries von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen die Ausgangssituation für die Rinderfütterung dar: Die zunehmenden Diskussion der GVO*-Freiheit (* Gentechnisch veränderte Organismen) in der Öffentlichkeit einerseits beiße sich mit der Realität andererseits, stammten doch die Sojaimporte zu fast 92 Prozent bereits aus gentechnisch verändertem Anbau, so dass die Landwirtschaft in Gänze gefordert sei. Daher könne der Einsatz von Klee und Luzerne in der Rinderfütterung als Soja-Substitute gar nicht hoch genug bewertet werden. Insofern überzeugen seine Versuchs-Ergebnisse ihres Einsatzes in der Rinderfütterung auf ganzer Linie. Pries untersuchte den Einfluss des Kleeanteils auf den Futterwert mit Hilfe der Verdaulichkeitsmessung und Ertragsermittlung: „Mit zunehmendem Rotklee-Anteil sinkt die Verdaulichkeit, aber mit zunehmendem Weißklee-Anteil steigt sie“, so seine Erfahrungen. Bei der Silierung seien gute Gärqualitäten möglich. Positiv bemerkbar mache sich ebenfalls, dass Klee-reiche Flächen eine höhere Nutzungselastizität hätten.
Der Fütterungsversuch mit Luzernesilage bei Milchkühen und Rindermast zeigten ebenfalls positive Ergebnisse: „Es findet eine höhere Trockenmasse- bei vergleichbaren Energie-Aufnahmen statt. Auch Luzerneheu eignet sich gut als Struktur- und Proteinergänzung – dies ist der Rückschluss aus den Versuchen der Verfütterung von Luzerneheu“, so Pries. Als Praxistipp empfahl Pries eine Einsatzmenge von ein bis zwei Kilo Luzerneheu pro Kuh und Tag.

Aus der Praxis für die Praxis: Differenzierte Herangehensweise

Vom Lehr- und Versuchsbetrieb Gladbacherhof der Universität Gießen stellte Andreas Schmid-Eisert seine Erfahrungen zum Anbau und der Verfütterung von Luzerne, Rot- und Alexandrinerklee dar. Zusammengefasst kam er zu dem Ergebnis, dass sich Rotklee und Luzerne besonders hinsichtlich ihres Wasserbedarfs unterscheiden und deshalb Luzerne in trockenen Jahren ertragsstabiler ist. Außerdem trocknet Rotklee deutlich langsamer und ist beim Silieren schwerer zu handhaben. Wichtiger Vorteil von Alexandrinerklee sei seine sehr schnelle Jugendentwicklung, die rasche Bodenbedeckung und dass schon in kurzer Zeit Futter liefere. Dadurch könne er z. B. im Zwischenfruchtanbau Futterlücken schießen, die durch den Ausfall anderer Arten entstanden sind.

Insgesamt gebe es keine Patentrezepte. Die Entscheidung für die eine oder andere Pflanzenart erfordert eine differenzierte Betrachtung der jeweiligen betrieblichen Lage. Dennoch schlussfolgerte Schmid-Eisert: „Der Luzerne- bzw. Kleegrasanbau ist die tragende Säule des Biolandbaus, er sollte daher optimiert werden.“ Dazu müssten Anbaupausen zwischen Körner- und Futterleguminosen beachtet werden. Auch Zwischenfrüchte seien dabei zu berücksichtigen. Zugleich ist es wie im richtigen Leben, nichts ist sicher, denn: „Auch der Erfolg des Futterleguminosenanbaus ist wie beim Körnerleguminosenanbau nicht garantiert – auf Probleme muss reagiert werden, zum Beispiel mit Schwefeldüngung.“

Vier Stationen: Leguminosen im Ackerfutter und im Grünland

Engagiert und unterhaltsam, informativ und professionell und nicht zu unterschätzen – mit hohem Praxisbezug – so entfalteten die LLH-Mitarbeiter in Zusammenarbeit mit dem Pflanzenschutzdienst Hessen vom Regierungspräsidium Gießen vor den 106 Tagungsteilnehmenden an den vier Besuchsstationen die Vorzüge und Schwächen der jeweiligen feinkörnigen Leguminosen: Welche Erträge sind bei den unterschiedlichen Sorten in Abhängigkeit zum Standort zu erwarten? Wie sieht die Nachsaat von Leguminosen im Dauergrünland aus? Welche Vor- und Nachteile weisen Leguminosen auf?

Reinsaaten machen Eindruck

Rainer Cloos, Pflanzenbauberater vom LLH Friedberg, stellte informativ und unterhaltsam eine reichhaltige Auswahl an feinkörnigen Leguminosen als Reinsaat vor. Diese wurden speziell für diese Veranstaltung zum einen in Pflanzgefäßen angezogen, zum anderen wurden sie in Form von Demoparzellen anschaulich präsentiert. Zu den einzelnen Kulturen (Esparsette und Luzerne sowie Gelb-, Horn-, Rot-, Weiß-, Inkarnat-, Persischer und Schwedenklee), die nicht jedem der Gäste geläufig waren, erläuterte er praxisorientiert die pflanzenbaulichen Eigenschaften.

Krankheiten bei Leguminosen vermeiden

Versiert stellte Michael Lenz vom Pflanzenschutzdienst Hessen (RP Gießen) verschiedene Leguminosenkrankheiten vor. Dazu zeigte er umfangreiches und in dieser Konzentration nur selten erlebbares Anschauungsmaterial. Um präventiv gegen Pflanzenschädigungen vorzugehen betonte er u. a. die empfohlenen Anbaupausen beim Leguminosenanbau unbedingt einzuhalten.

Knöllchenbakterien oder Rhizobien und ihre elementaren Dienste standen an der Station von Thomas Schindler vom LLH-Öko-Beratungsteam (Landwirtschaftszentrum Eichhof) im Mittelpunkt. Die einzigartige Funktionsweise der Knöllchenbakterien beruht auf ihrer Eigenschaft mit Leguminosen eine sogenannte Symbiose einzugehen. Dadurch werden die Pflanzen befähigt Luftstickstoff als Nährstoff aufzunehmen. Somit können landwirtschaftliche Betriebe auf eine kosten- und energieaufwändige Stickstoffdüngung entweder ganz verzichten oder sie zumindest reduzieren – so die sachkundige Einschätzung Schindlers. Beeindruckend an dieser Station waren die vielen Wurzelexponate und Wurzelkästen. Sie gaben seinen selten zu erhaschenden Einblick in die normalerweise in der Tiefe unsichtbaren Wurzelgefilde von Rot-, Weiß- und Perser Klee sowie Luzernen.

Bunt ist Trumpf

Pflanzenbauberater Rainer Even (LLH Fritzlar) erläuterte profund die verschiedenen Qualitäten der Leguminose-Gras-Mischungen in Ackerfutterbau und Ackerbau: Im Ackerfutterbau entfalten Gräser in Kombination mit Leguminosen (Kleegras) durch deren Fähigkeit zur Stickstoffbindung sowohl einen erhöhten Stickstoffeintrag als sie auch eine verbesserte Humusproduktion aufweisen. Im Ackerbau könne dieser Humus-Input durch vergleichbare Zwischenfrucht-Mischungen vom Ackerbauern relativ einfach realisiert werden. Hierbei gebe es auch einige Greening-konforme Varianten.
Nicht zu unterschätzen sei in diesem Zusammenhang vor allem die positive Wirkung der blühenden Zwischenfruchtbestände in der Öffentlichkeit. Einen weiteren, nicht hoch genug einzuschätzenden Effekt sieht Even in der Förderung der Biodiversität, den die Landwirtschaft in Gänze durch den Einsatz von Leguminosen-Mischungen als Beitrag leisten könne.

Nachsaat von Leguminosen im Dauergrünland sinnvoll

Aufschlussreich präsentierte Toni Kaiser vom LLH-Fachinformationsdienst Pflanzenbau (Landwirtschaftszentrum Eichhof) einen Exaktversuch in vierfacher Wiederholung zur Etablierung von Leguminosen im Dauergrünland. Dieser Versuch integrierte bereits die Ergebnisse verschiedener erfolgreicher Vorversuche zur Verbesserung von Ertrag und Futterwert mittels Leguminosen. Ziele seien es, einen ertragswirksamen Leguminosenanteil im Bestand und eine signifikante Erhöhung des Rohproteingehalts im Erntegut durch Rotklee, Weißklee und Luzerne zu erreichen. Darüber hinaus wurde geprüft, ob sich auch Leguminosen mit erhöhtem Tanningehalt wie Hornklee und Esparsette im Bestand etablieren ließen. Dadurch ließe sich der Anteil pansenbeständigen Rohproteins im Grobfutter möglicherweise erhöhen.


Hintergrund Leguminosen

Leguminosen sind heimische Hülsenfrüchte und wertvolle Eiweißlieferanten – sowohl für die Qualität der Böden als auch für die tierische Ernährung. Zu einer der artenreichsten Pflanzenfamilien gehören u. a. Erbse, Ackerbohne, Lupine, Luzerne, Klee, Wicke und Sojabohne. Im Gegensatz zu anderen Pflanzenarten können Leguminosen aktiv den Luftstickstoff aufnehmen. Dafür gehen sie eine Symbiose mit im Boden vorkommenden, stickstoffsammelnden Knöllchenbakterien ein. So wandeln sie Luftstickstoff  in organische Verbindungen wie Aminosäuren und Proteine um. Das macht sie wertvoll für die menschliche und tierische Ernährung. Auch in der Fruchtfolge bringen Körnerleguminosen wichtige Vorteile: Sie erhalten die Leistungsfähigkeit der Böden, ermöglichen die Einsparung mineralischen Stickstoffs und erhöhen die Qualität der Folgefrucht.

In 2015 fand der 1. Hessische Leguminosentag zu grobkörnigen Körnerleguminosen unter Beteiligung von Umweltministerin Priska Hinz statt. Dabei ging es um die Chancen für heimische Eiweißfuttermittel.

Hintergrund „Initiative Gentechnikfreies Futter“

Hier nehmen die Leguminosen eine zentrale Rolle ein. Dabei stehen Anbau, Konservierung, Verarbeitung und Verwertung im Blickpunkt der intensiven Beratungsarbeit des LLH.
Mit Förderung besonders nachhaltiger Verfahren im Ackerbau über das „Hessische Programm für Agrarumwelt- und Landschaftspflege-Maßnahmen“ (HALM) und in Folge der „Greening“- Auflagen ist seit 2015 der Anbau von Körnerleguminosen in Hessen auf 8.103 ha gestiegen. Das ist das 2,3-fache des Anbauumfangs gegenüber dem Vorjahr. In 2016 wurde mit rund 8.832 ha beantragter Fläche ein leichter Anstieg im Flächenumfang im Verhältnis zum Vorjahr erreicht.

Bundesweite Demonstrationsnetzwerke gingen aus der Bundeseiweißpflanzenstrategie hervor und arbeiten zu den Kulturen Soja, Lupine und Erbse/Bohne. Der LLH ist daran maßgeblich beteiligt und übernahm in 2016 die Gesamtkoordination für das Demonstrationsnetzwerk Erbse/Bohne, an dem 16 Kooperationspartner bundesweit beteiligt sind.

Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag

Durch die weitere Nutzung dieser Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen