Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Marktfruchtbau

Düngung

Allgemeine Hinweise zur N-Düngung von Kartoffeln

Stickstoff hat beim Aufbau des Kartoffelbestandes eine wichtige Rolle. Diese gerät jedoch im Laufe der Knollenbildung in den Hintergrund. Bis zur Blüte nimmt ein Kartoffelbestand 80% des benötigten Stickstoffs auf. Eine Überzogene N-Düngung bzw. eine zu späte Bereitstellung des Nährstoffs (nach der Blüte) im Vegetationsverlauf hat direkt negative Auswirkungen auf viele Qualitätsmerkmale und physiologische Vorgänge der Kartoffel. Dazu gehört zum Beispiel:

  • Eine reduzierte Knollenanlage
  • Eine verzögert Abreife
  • Ein reduzierter Stärkegehalte in der Knolle
  • Ein erhöhter Übergrößenanteil (Hohlherzigkeit)
  • Eine erhöhte Anfälligkeit für Zwiewuchs, Puppigkeit und Auswuchs
  • Ein erhöhter Nitratgehalt in der Knolle und dadurch mehr Erwinia-Anfälligkeit im Lager
  • Eine höhere Beschädigungsemfindlichkeit

Neben diesen negativen Auswirkungen auf den Ertrag und die Qualität, wird durch eine überzogene N-Dünung auch die N-Restmenge im Boden erhöht. Daher ist es sehr wichtig, den Bedarf an Stickstoff für jede einzelne Sorte, für jeden Standort und für jede Verwertungsrichtung zu bestimmen.

Im Sinne des Gewässerschutzes (WRRL) sind die N-Überschüsse durch angemessene N-Düngung gering zu halten.

Nach zahlreichen Versuchen verschiedener Institutionen hat sich ein N-Optimum von 160 kg N/ha (inkl. Nmin) für die Kartoffel ergeben. Zwar konnte der Ertrag mit höheren N-Gaben noch gesteigert werden, die Knollenqualität hat sich dadurch jedoch überproportional verschlechtert. Höhere N-Mengen bringen somit die zuvor genannten negativen Auswirkungen mit sich.

Die Basisempfehlung von 160 kg N/ha sollte jedoch auf die individuellen Standortbedingungen, Vorfrüchte und Sorteneigenschaften angepasst werden. Einige Speisesorten reagieren sehr empfindlich auf eine hohe N-Düngung und verlieren sehr schnell an Qualität. Somit wird zur Erzeugung von Speisekartoffeln eine N-Menge von 120 – 140 kg N/ha incl. Nmin (0-60cm) empfohlen. Diese Reduzierung sollte auch bei Sorten beachtet werden, die genetisch bedingt schon einen rel. niedrigen Stärkegehalt haben wie z.B Princess, Soraya oder Montana. In der Pflanzgutproduktion sollten die N-Mengen mitunter noch weiter reduziert werden, um gleichmäßige Ernteware und somit gleichmäßiges Pflanzgut zu erzeugen. In diesem Fall sind in der Regel 80 – 120 kg N/ha incl. Nmin ausreichend. Trotz alledem können unter den individuellen Standortbedingungen weitere Korrekturen erforderlich sein. Dazu gehört zum einen die Nachlieferung aus langjähriger organischer Düngung (bis zu 20 kg N/ha) und zum anderen die Nachlieferung aus einer angebauten Zwischenfrucht.

Der aktuelle Nmin-Wert kann durch eigene Bodenuntersuchungen in Erfahrung gebracht oder aus den Nmin-Untersuchungen des LLH von der Homepage entnommen werden. Grundsätzlich sollten jedoch eigene Nmin-Untersuchungen von repräsentativen Flächen vorliegen, um die Nährstoffversorgung der eigenen Flächen abschätzen zu können. Diese Proben sollten nach Möglichkeit so kurz wie möglich vor dem Pflanzen gezogen werden.

Die Düngerform spielt grundsätzlich keine große Rolle im Kartoffelbau. Lediglich zur Frühkartoffelerzeugung sollten schnell umsetzbare Dünger eingesetzt werden. Denn eine verzögerte Freisetzung des Nährstoffs verursacht eine Wuchsverzögerung und eine dadurch bedingte spätere Ernte. Grundsätzlich benötigt die Kartoffelpflanze den Stickstoff zum Aufbau des Blattapparats (80% des benötigten N). Danach werden die zur Verfügung stehenden Mengen nicht mehr in Ertrag umgesetzt, sondern führen zu den schon genannten Nachteilen.

Trotz der eher untergeordneten Rolle der Düngerform erhöht sich der Feinwurzelanteil der Pflanze bei einer Ammoniumernährung, wodurch eine bessere Nährstoffaneignung der Pflanze für alle Nährstoffe möglich ist.

Zur Verringerung des Schorfbefalls kann es in manchen Fällen sinnvoll sein, SSA als N-Dünger einzusetzen. Denn durch seine versauernde Wirkung im Boden kann dieser Dünger den Befallsdruck reduzieren (andere schwefelhaltige Dünger können für diesen Zweck durchaus auch geeignet sein). Weiterhin zeigen Versuche der LWK NRW die Möglichkeit bei Verwendung stabilisierter N-Dünger, die kalkulierte N-Menge um 10% zu reduzieren, ohne Qualitäts- oder Ertragsverluste zu riskieren.

Die empfohlene/berechnete N-Menge sollte in einer einmaligen Gabe vor der Pflanzung/dem Dammaufbau ausgebracht werden. Eine Gabenteilung empfiehlt sich nur auf sehr leichten, durchlässigen Böden, in welchen die Nährstoffe Gefahr laufen, ausgewaschen zu werden. Die erste Gabe (2/3 des Gesamt-N) sollte dann vor dem Pflanzen gegeben werden und die zweite (1/3 des Gesamt-N) nach dem Auflaufen der Kartoffelpflanzen.

Allgemeine Hinweise zur K-Düngung von Kartoffeln

Kalium ist der Nährstoff, der am stärksten von der Pflanze aufgenommen wird und entsprechend auch zu Mehrerträgen führen kann. Allerdings zeigt sich unter konventionellen Bedingungen, dass dieser Mehrertrag häufig erst beim Unterschreiten der Bodengehaltsklasse C eintritt. Unter ökologischen Bedingungen treten Mindererträge häufig sogar erst bei einstelligen Kaliumgehalten im Boden auf, da hier das Stickstoffangebot meist geringer ausfällt und somit (neben der Krautfäule) zuerst zum begrenzenden Faktor wird. Besonders auf leichten, sandigen Standorten ist bei niedrigen Bodengehalten mit deutlichen Ertragszuwächsen zu rechnen. Da Kalium auf diesen Böden der Auswaschung unterliegt, sollte hier die Düngung immer erst im Frühjahr erfolgen.

Kalimangel führt zu Nekrosen an den Blattspitzen und entlang des Blattrandes. Leidet die Kartoffelpflanze unter Kaliummangel, geht dies häufig auch mit einem verstärkten Befall von Alternaria einher. Zusätzlich werden Chlorosen bzw. chloroseähnliche Zeichnungen auf der Pflanze verursacht.

Für die Ermittlung des Kalidüngebedarfs sollte auf jeden Fall das Bodenuntersuchungsergebnis mit entsprechender Düngeempfehlung als Bemessungsgrundlage herangezogen werden. Die Kartoffel entzieht pro dt/ha Ertrag 0,55 – 0,65 kg K2O/ha. Somit liegt der Sollwert bei einem Boden der Versorgungsstufe C und einem Ertragsniveau von 500 dt/ha bei 300 kg K2O/ha. Hiervon sind noch Kaliumgehalte aus Ernterückständen und Wirtschaftsdüngern abzuziehen

Neben dem positiven Effekt der Kalidüngung auf den Ertrag, muss der Einfluss auf die Qualität mindestens genau so stark berücksichtigt werden. Denn mit einer angepassten Kalidüngung kann die Qualität der Kartoffeln deutlich beeinflusst werden. Aus diesem Grund muss die Kalidüngung an jede Sorte und jede Vermarktungsrichtung speziell angepasst werden, was zu entsprechenden Zu- und Abschlägen bei den verschiedenen Sorten führen kann.

Höhere Kaligaben werden empfohlen, wenn:

  •          Blaufleckigkeit vermieden werden soll und die Sorten ein stabiles UWG aufweisen.
  •          Verarbeitungskartoffel, welche lange gelagert werden sollen.
  •          Hohe Stärkegehalte vermieden werden sollen.
  •          Festkochende Speisesorten zum mehligkochen neigen.

Verhalten mit Kali gedüngt werden sollten:

  •          Frühkartoffel, welche schnell hohe Stärkegehalte erreichen sollen.
  •          Speisekartoffel, welche schwache UWG aufweisen.

Neben der Höhe der Kalidüngung beeinflusst maßgeblich die Form des Kalidüngers die genannten Wirkungen.  Die Kartoffel als chloridempfindliche Kultur reagiert sehr stark auf Chlorid im Dünger. Einzelne Sorten regieren mit starken Nekrosen. Neben der Verursachung von Nekrosen auf der Knolle verstärkt Chlorid zusätzlich die stärkesenkende Wirkung des Kalidüngers. KCL-Dünger müssen aus diesem Grund so platziert werden, dass das leicht wasserlösliche Chlorid durch die voraussichtlichen Winterniederschläge ausgewaschen wird und somit zum Pflanztermin nicht mehr im Wurzelraum der Kartoffeln zu finden ist.

Ausgenommen von dieser Empfehlung sind KCL-Gaben die gezielt zur Beeinflussung der Stärkegehalte oder der Blaufleckigkeit eingesetzt werden.

Grundsätzlich sind durch eine KCL-Düngung im Herbst keine negativen Auswirkungen auf die Qualitätseigenschaften der Knollen zu erwarten. Die Umstellung von KCL auf Kaliumsulfat sollte jedoch auf guten Böden ab Anfang – Mitte Januar erfolgen, auf leichterten Böden können die KCL-Dünger noch bis spätestens Mitte Februar angewendet werden.Danach muss auf Kaliumsulfat umgestiegen werden. Speisefrüh-, Chips-, frühe Pommes und Stärkekartoffeln sollten prinzipiell mit Kaliumsulfat versorgt werden.

Kliumdünger welcher im Herbst ausgebracht wird sollte nicht tief untergepflügt oder eingearbeitet werden (nach der Düngergabe nur noch flache Bodenbearbeitung), da die Kartoffel sonst im Frühjahr mit ihrem relativ schwachen Wurzelwerk nicht mehr an den Nährstoff herankommt.

Allgemeine Hinweise zur P-Düngung von Kartoffeln

Ausgehend von den Grundnährstoffen Phosphor und Kalium, ist Phosphor der Nährstoff, der die geringsten direkten Einflüsse auf die Ertrags- und Qualitätsmerkmale der Kartoffel hat. Besonders wenn der Boden in der Versorgungsstufe C oder höher versorgt ist, arbeitet die Wurzel der Kartoffel so effektiv, dass mit einer Phosphordüngung nur geringe Ertragssteigerungen zu erzielen sind.

Im Kartoffelbau wirkt Phosphor trotz der geringen Ertragswirksamkeit positiv auf den Knollenansatz, die Wurzelmasse und die Stolonenstabilität.

Die Wurzeln der Kartoffeln arbeiten zwar sehr effektiv, durchwurzeln aber nur ein rel. geringes Bodenvolumen, wodurch es sinnvoll sein kann, die benötigten Phosphatmengen zum Legen zu applizieren. In diesem Fall sollte auf leicht lösliche Phosphatdünger zurückgegriffen werden, wie z.B. DAP oder Superphosphat. Bei DAP sollte zusätzlich darauf geachtet werden, dass der enthaltene N-Gehalt mit angerechnet wird. Der Dünger sollte dann möglichst zeitnah zum Knollenansatz ausgebracht werden. Das heißt die Ausbringung sollte möglichst zum Legen, aber spätestens zum Dammaufbau auf der Fläche sein.

Die Kartoffel entzieht dem Boden ca. 14 – 16 kg P2O5/100 dt Ertrag.

Auf gut versorgten Böden hat eine P-Düngung, wie zuvor schon erwähnt, wenige direkt messbare Effekte. Es sollte aber darauf Wert gelegt werden, über eine ausreichende P-Düngung die Versorgungsstufe des Bodens aufrechtzuerhalten, um so die Ertrags- und Qualitätsleistung der Böden zu erhalten. Somit sollte bei einem Ertrag von 400 dt/ha eine Phosphordüngung von 60 kg P2O5/ha im Frühjahr zum Legen als leicht lösliches Phosphat ausgebacht werden.