Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Marktfruchtbau

Beizung

Gegen Auflaufkrankheiten und frühen Blattlausbefall (Pflanzkartoffeln) besteht die Möglichkeit der Pflanzgutbeizung. Die Behandlung erfolgt entweder beim Legen durch spezielle Sprühapplikation in der Legemaschine oder vor dem Legen als Trockenbeize.

Die Pflanzgutbeizung unterstützt die Rhizoctonia-Bekämpfung. Neben den pflanzenbaulichen Maßnahmen wie z. B. gut durchlüftete Böden, wenig organische Masse und wenig Staunässe bietet die Pflanzgutbeizung einen wichtigen Beitrag zur Befallsreduzierung. Die Infektion erfolgt von befallenem Pflanzgut auf die auflaufenden unterirdischen Stängel und Stolonen. Hier stehen mit Monceren G, Risolex flüssig, MonCut und Ortiva mehrere Präparate zur Verfügung.
Ortiva besitzt eine spezielle Zulassung zur Furchenbehandlung gegen Rhizoctonia solani mit 2,0-3,0 l/ha in 150-200 l Wasser. Dabei sollte mit zwei Düsen an der Legemaschine gearbeitet werden. 1/3 wird vor der Knollenablage und 2/3 nach der Knollenablage in die Furche appliziert ohne dabei die Knolle zu benetzen (Verträglichkeit). Kein Einsatz bei vorgeschädigtem oder keimschwachem Pflanzgut da sonst Auflaufverzögerungen möglich sind. Außerdem sollte bei Sorten, die im Auflaufverhalten emfindlich sind, wie Belana, Laura und Allians die Aufwandmenge reduziert werden. Bei der Reduzierung der Aufwandmenge ist allerdings zu beachten, dass die gewünschten Effekte bei Aufwandmengen von 1 l/ha und leichten Sandböden nicht immer erreicht werden können. Neben einer guten Rhizoktoniawirkung zeigt Ortiva auch gute Nebenwirkungen gegen Solberschorf.

Gegen latenten Befall der Schwarzbeinigkeit (Erwinia-Nassfäulebakterien) besteht die Möglichkeit der Zumischung von Cuprozin progress. Diese Behandlung ist vor allem auf nassen Standorten und bei sehr feuchter Frühjahrswitterung empfehlenswert.

Eine größere Bedeutung hat in den letzten Jahren der Silberschorf (Helminthosporium solani) er­langt, der vor allem im Speisekartoffelbereich zu großen Qualitäts- und Lagerverlusten führen kann. Vor allem späte Sorten, die für eine längere Lagerung vorgesehen sind, sowie Pflanzkartoffeln sollten vorbeugend geschützt werden. Speziell für diese Indikation ausgewiesen sind die Präparate Diabolo, welches beim Einlagern aufgesprüht wird und Monceren Pro, welches zur Befallsminderung beim Legen aufgesprüht wird. Daneben besitzt MonCut eine gute Nebenwirkung, das sowohl beim Legen gegen Rhizoctonia solani als auch im Lager eingesetzt werden kann.
Präparate zur Beizung von Kartoffeln

Präparat
(Wirkstoff,
Wirkstoffgehalt)
Aufwand-
menge
Schader-
reger
Bemerkungen
Monceren Pro
(Prothioconazole 8 g/l + Pencycuron 250 g/l)
60 ml/dt
80 ml/dt
Rhizoctonia solani
Silberschorf
beim Legen aufsprühen
Monceren G
(Pencycuron 250 g/l
+ Imidacloprid 120 g/l)
60 ml/dt
Rhizoctonia solani,
Blattläuse als Virusvektoren,
Kartoffelkäfer
Beizkombination für Pflanzkartoffeln,
beim Legen aufsprühen
MonCut
(Flutolanil 460 g/l)
200 ml/t
Rhizoctonia solani
Nebenwirkung gegen Silberschorf
mit 60-80 l Wasser/ha beim Legen aufsprühen oder im
Lager m. spez. ULV-Sprühgerät (2-3 l Wasser/t)
Ortiva**
(Azoxystrobin 250 g/l)
2,0**-3,0 l/ha Rhizoctonia Solani
Nebenwirkung gegen Silberschorf
beim Legen in die Furche spritzen ohne die Knollen zu benetzen. Spezielle Technik erforderlich!
Cuprozin progress
(Kupferhydroxid 460 g/l)
14 ml/dt
max. 476 ml/ha
Schwarzbeinigkeit
(Erwinia carotovora)
max. 100 l Wasser/ha beim Legen aufsprühen
Diabolo
(Imazalil 100 g/l))
150 ml/t
Silberschorf, Fusarium-Arten, Trockenfäule mit max. 2 l Wasser/t beim Einlagern nach der Ernte aufsprühen
Dantop
(Clothianidin 500 g/kg)
300 g/ha
Blattläuse als Virusvektoren mit 60-100 l Wasser/ha beim Legen aufsprühen
Nur in Pflanzkartoffeln!
** = Auf Sandböden und Böden mit geringem Humusanteil 2,0 l/ha. Kein Einsatz auf drainierten Flächen. Keine Anwendung auf derselben Fläche von PSM mit dem Wirkstoff Azoxystrobin im folgenden Jahr nach Ortiva-Furchenanwendung.

Drahtwurmbekämpfung

Allgemein ist eine Zunahme des Drahtwurmbefalls in Kartoffeln in den letzten Jahren festzustellen. Besonders bei Sommertrockenheit und Partien, die nach der Krautabtötung längere Zeit bis zur Ernte im Boden liegen, tritt ein Befall auf. Durch eine Drahtwurmbekämpfung wird vor allem der Anteil vermarktungsfähiger Ware erhöht und der Sortieraufwand reduziert.

Das bis 2015 immer wieder nach § 11.2, bzw. nach Art. 53 Verordnung EG Nr. 1107/2009 i.V.m. § 29 Pflanzenschutzgesetz zugelassene Mittel Goldor Bait wird nicht mehr weiter verfolgt, sodass dieses Präparat nicht mehr zur Verfügung stehen wird. Somit steht aktuell kein potentes Mittel zur verfügung, welches den Drahtwurmbefall mit hohen und sicheren Wirkungsgraden reduzieren kann. Die Pflanzenschutzfirmen verfolgen jedoch weitere Lösungsansätze und sind bestrebt, diese nach § 11.2, bzw. nach Art. 53 Verordnung EG Nr. 1107/2009 i.V.m. § 29 Pflanzenschutzgesetz im kommenden Jahr zuzulassen. Sobald diese zugelassen sind, werden die Informationen über den Warndienst des Pflanzenschutzdienstes Hessen und der Beratungsinfo Kartoffel des LLH bekannt gegeben.

Wenn Kalkstickstoff (250-400 kg/ha) vor dem Häufeln ausgebracht wird, kann auf stark befallenen Flächen eine Teilwirkung gegen den Schädling erzielt werden. Um den Wirkungsgrad zu erhöhen muss die Kalkstickstoffdüngung in die Fruchtfolge integriert und jährlich auf Befallsflächen ausgebracht werden.
Zusätzlich wird durch eine konsequente Unkraut- und Ungrasbekämpfung im Frühjahr die Attraktivität der Fläche für die Eiablage der Schnellkäfer reduziert und der Bfallsdruck kann dadurch gemindert werden.

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