Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Marktfruchtbau

Keimhemmung und Krautabtötung

Zur Keimhemmung kann ITCAN, Fazor oder Himalaya mit 5 kg/ha in 400-500 l Wasser/ha eingesetzt werden, wenn sich die ersten Blätter gelblich verfärben. Der Anwendungstermin liegt etwa 4-5 Wochen vor der Ernte, bzw. 2-3 Wochen vor der Krautabtötung. Die Knollen sollten eine Mindestgröße von 25-30 mm, großfallende Sorten 35-40 mm erreicht haben.

Damit das Mittel wirken kann, muss der Wirkstoff über den Blattapparat aufgenommen und mit dem Saftstrom in die Knollen transportiert werden. Dafür müssen die Knollen noch mindestens 8-10 Tage grünes Laub aufweisen (beim Splitten der Aufwandmenge (2 x 2,5 kg/ha im Abstand von 10 Tagen), mindestens 16-20 Tage). Anwendung bis max. 25 °C. Anwendung nur in Speise- und Verarbeitungskartoffeln. Wartezeit 21 Tage. Mit dem Handel sollte vorher unbedingt geklärt werden, ob ein Einsatz von ITCAN, Fazor und Himalaya erwünscht ist oder nicht. Kein Einsatz in Pflanzkartoffeln!

Krautabtötung

Die Krautabtötung ist mittlerweile im intensiven Kartoffelanbau ein gängiges Verfahren um:

  • bei wüchsigen Bedingungen die Bildung von Übergrößen zu vermeiden, die schlecht vermarktbar sind
  • die Größensortierung zu steuern
  • die Qualität zu sichern (z.B. Stärkegehalt)
  • den Erntetermin zu regulieren

Die Maßnahme sollte frühestens mit beginnender Abreife der Kartoffel erfolgen. Die Kartoffelbestände sind dabei regelmäßig auf die Bildung von Übergrößen zu kontrollieren und bei entsprechendem Wachstum ist recht­zeitig die Krautabtötung der Bestände vorzunehmen.
Starke Laubbildung kann Probleme bei der Krautabtötung bereiten. Deshalb bietet die Kombination aus Schlegeln und nachfolgender Spritzung, bzw. einer Splitting-/Doppelbehandlung Vorteile. Zwischen Krautabtötung und Ernte sollten ca. drei Wochen vergehen (Abreife der Kartoffeln im Boden, Schalenfestigkeit). Es ist besonders auf eine gute Schalenfestigkeit zu achten, um spätere Erkrankungen und Fäulnis im Lager zu minimieren.

  • In Konsumkartoffeln Kombination aus mechanischen und chemischen Verfahren:Krautschlägeln, dann 1-2 Tage später Reglone 2,5 l/ha, Shark 1,0 l/ha oder Quickdown 0,8 l/ha + Toil 2,0 l/ha oder rein chemisch:
    >Reglone 2,5 l/ha (schnelle Wirkung, Wiederaustrieb möglich; nach 30 min. regenfest)
    >Shark 1,0 l/ha (nur zur Zweitbehandlung geeignet; gute Wirkung gegen Stängel, Blätterdach sollte geöffnet sein)
    >Quickdown 2 x 0,8 l/ha im Abstand von 4 -7 Tagen.
    >Vor allem in krautreichen Sorten Kombination aus:
    Vorlage Reglone 1,5-2,5 l/ha zum Öffnen des Blätterdaches und
    2-5 Tage später Nachlage mit Quickdown 0,8 l/ha + Toil 2,0 l/ha oder Shark 1,0 l/ha zur Stängelabtötung und Verhinderung des Wiederaustriebes
  • In Pflanzkartoffeln entweder ebenfalls Kombination aus Schlegeln und Nachbehandlung oder
    >Vorlage Reglone 2,5 l/ha (in Kombination mit Shirlan), etwa 2-5 Tage später Shark 1,0 l/ha oder Quickdown 0,8 l/ha + Toil 2,0 l/ha
  • Hohe Wasseraufwandmenge 300-800 l/ha je nach Präparat erforderlich!
  • Auf Wiederaustrieb achten
  • Zur Verhinderung von Spätinfektionen durch Phytophthora ist der Zusatz eines sporenabtötenden Mittels wie Shirlan, Ranman Top sinnvoll (besonders in Pflanzkartoffeln).
  • Bei großen Stresssituationen (starke Temperaturunterschiede, Wechsel zwischen feucht und starker Sonneneinstrahlung) und massivem Kraut kann zur Einleitung der Krautabtötung eine geringe Menge Reglone (0,2-0,5 l/ha) vorgelegt werden, um den Stress für die Pflanze zu verringern.
  • Passen Sie den Witterungsbedingungen entsprechend Mittelmengen, Mittelwahl sowie Anwendungshäufigkeiten an.

Mittel zur Krautabtötung in Kartoffeln

Mittel Wirkstoff Einsatzgebiet Aufwandmenge
l/ha
Wasser
l/ha
Anzahl Anwen-dungen
Reglone Deiquat PK 2,5 400-800 2
PK 5,0 400-800 1
SWK 2,5 400-800 1
Shark** Carfentrazone PK, SWK 1,0 300-600 1
Quickdown
+ Toil 2,0
Pyraflufen SWK 0,8 600-1000 2
SWK/PK* 0,8 300-600 2
PK 0,8 300-600 2

SWK=Speise-, Wirtschafts- und IndustriekartoffelnPK=Pflanzkartoffeln*=zweimal im Abstand von 4-7 Tagen in mittelspäten und späten Sorten**=Zulassung endet am 30.04.2017.

 

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