Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Marktfruchtbau

Körnererbsen/Ackerbohnen – LSV 2016 & Empfehlungen 2017

In den Landessortenversuchen wird die Leistungsfähigkeit und Ertragssicherheit der Sorten geprüftDer Anstieg der Anbauflächen bei Ackerbohne und Erbse hat sich bundesweit weiter fortgesetzt und lag 2016 bei 127.000 Hektar, was einer Steigerung von 8,6 % im Vergleich zum Vorjahr entspricht. In Hessen wurden im vergangenen Jahr rund 7500 Hektar mit Körnerleguminosen bestellt. Davon entfielen rund 3200 ha auf die Erbse und 4300 ha auf die Ackerbohne.

Der Wunsch nach gentechnikfreier Fütterung ihrer Tierbestände, und hier insbesondere die Versorgung mit gentechnikfreien Proteinträgern, ist für viele hessische Betriebe einer der Gründe heimische Körnerleguminosen anzubauen. Damit kann die Abhängigkeit von Import-Soja reduziert und eine regionale Wertschöpfung initiiert werden. Welche Eiweißerträge von diesen Kulturen zu erwarten sind, zeigt die Abbildung 1. Hier sind die Rohproteinerträge in dt/ha der vergangenen Erntejahre anhand der in den Landessortenversuchen erzielten Ergebnisse dargestellt. Mehrjährig erbrachten die Körnererbsen 12,5 dt Rohprotein/ha. Die Ackerbohnen liegen mit 13,6 dt/ha noch darüber, während die Sojabohnen 11,8 dt/ha erreichten.

Eiweißerträge (dt/ha) bei Körnerleguminosen Landessortenversuche Hessen 2013-2016 Rohproteinertrag in dt/ha (Basisfeuchte Korn 86 % TS)

Eiweißerträge (dt/ha) bei Körnerleguminosen Landessortenversuche Hessen 2013-2016 Rohproteinertrag in dt/ha (Basisfeuchte Korn 86 % TS)

Guter Hülsenbehang eines Erbsenbestandes in der AbreifephaseFütterungsversuche bestätigen, dass Erbsen völlig problemlos in den hofeigenen Mischungen einsetzbar sind. Ackerbohnen können zumindest in der Rinderfütterung ohne Einschränkungen innerbetrieblich verwertet werden. Der Futterwert liegt deutlich über den vom Handel für diese Früchte gezahlten Preisen. Für reine Ackerbaubetriebe ist damit leider oft der Anbau noch nicht interessant, bzw. sie müssen sich selbst attraktive Vermarktungswege erschließen. Hier kann die inzwischen bundesweit verfügbare Handelsplattform helfen Angebot und Nachfrage zusammen zu bringen ( Leguminosen-Marktplatz). Den Aufbau von Wertschöpfungsketten in der Verarbeitung und Verwertung von heimischen Körnerleguminosen hat das vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) koordinierte und bundesweit laufende Projekt „Demonstrationsnetzwerk Erbse Bohne“ zum Ziel. Interessierte Anbauer und Verarbeiter können sich dort aktiv austauschen.

Die Anrechnungsmöglichkeit der Körnerleguminosen auf die über das Greening geforderten „ökologischen Vorrangflächen“ (ÖVF, Faktor 0,7) machen Erbsen und Bohnen zusätzlich interessant. Aktuelle Berechnungen aus Nordrhein-Westfalen belegen, dass die ÖVF-Variante mit Körnerleguminosen bei innerbetrieblicher Verwertung ökonomisch besser abschneidet als die Varianten Stilllegung oder Anbau von Zwischenfrüchten.

Sehr gleichmäßiger Körnererbsenbestand bei BlühbeginnDie hervorragende Vorfruchtleistung der Leguminosen hat sich ebenfalls herumgesprochen. Diese summiert sich insgesamt auf rund 200 Euro/ha und beruht auf mehreren Effekten. Einerseits profitieren die Nachfrüchte sowohl bezüglich der Ertragshöhe als auch im Hinblick auf die Ertragssicherheit von den Leguminosen. Andererseits können betriebliche Arbeitsspitzen entzerrt und die Maschinenauslastung verbessert werden, weil die Körnerleguminosen hinsichtlich der Aussaat- und Erntetermine sowie der Bestandesführung andere zeitliche Ansprüche haben als die Winterungen. Darüber hinaus werden auch in hessischen Betrieben die Risiken enger Fruchtfolgen mit hohen Getreideanteilen mehr und mehr spürbar. Hier sei nur auf das zunehmende Auftreten von Resistenzen bei Ungräsern, pilzlichen Schaderregern und bei einigen Insekten hingewiesen. Dies treibt den Beobachtungsaufwand und die Kosten der Bestandesführung in die Höhe. Bei der ökonomischen Betrachtung der Gesamtfruchtfolgen schneiden daher vielgestaltige Fruchtfolgen mehrheitlich besser ab, insbesondere wenn die Arbeitserledigungskosten mit einbezogen werden. Nicht zuletzt sind die Leguminosen Pollen- und Nektarspender für Bienen und viele andere Insektenarten und dienen der Erhöhung der Artenvielfalt in der Landschaft. Auch diese Aspekte werden zunehmend seitens der Gesellschaft von der Landwirtschaft gewünscht.

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