Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Marktfruchtbau

Feldhygiene

Im Zuge einer integrierten Schaderregerbekämpfung kommt der Strohzerkleinerung besondere Bedeutung zu. In langjährig eng gestalteten Rapsfruchtfolgen gelangt das Mulchen aus zweierlei Gründen mehr in den Focus der Praxis: im Vergleich zu Varianten mit einer Bodenbearbeitung, zeigen Auszählungen ein deutlich verbessertes Auflaufergebnis des Ausfallrapses in der gemulchten, aber unbearbeiteten Parzelle (Bildreihe). Schwere Ackerwalzen und Strohstriegel verbessern ebenfalls das Auflaufergebniss von Ausfallraps. Bei durchschnittlichem Ertrag bringen unvermeidbare Ernteverluste beim Rapsdrusch mit ca. 4.000 Körnern/m² ein hohes Samenpotenzial in den Boden. Dieser Sachverhalt ist insofern von Bedeutung, da der Altraps auch Jahre später in neu gesätem Raps Durchwuchsprobleme zur Ernte verursachen kann und besonders der Ausfallraps ehemals angebauter Hybriden ein geringeres Ertragspotenzial besitzt.
Neben der beschriebenen Problematik wirkt die Fruchtfolgekrankheit „Verticillium“ limitierend für hohe Rapserträge. Immer wieder klagen Landwirte über schwankende Rapserträge. Bei genauer Bonitur der Rapsstoppeln fällt auf den Flächen mit langjährig engem Rapsanbau „Verticillium“ in größerem Umfang auf.  Der Pilz reift und vermehrt sich vor allem an Rapsstängeln, auch noch nach der Ernte. Mit Zerkleinerung der Stoppel direkt nach der Rapsernte wird die Vermehrungsrate des Pilzes stark reduziert. Theoretisch könnte dies auch mit einer intensiven und mehrmaligen Stoppelbearbeitung erfolgen; allerdings wird damit die Stickstoffmineralisation stark angeregt. Die Wahrscheinlichkeit von Stickstoffverlusten während der Wintermonate steigt an. Im Spannungsfeld zwischen Wasserschutz und pflanzenbaulichen Anforderungen ist das Schlegeln oder Mulchen für einen nachhaltigen, ertragsorientierten Pflanzenbau eine praktikable Lösung.
Werden in der Rapsfruchtfolge auch Zuckerrüben angebaut, ist besonders auf die Nematoden zu achten. Um einen Anstieg der Nematodenpopulation zu vermeiden, ist der Ausfallraps konsequent zu bekämpfen. Für die Entwicklung der Nematoden spielt die Temperatursumme im Boden eine wichtige Rolle; ab einer Summe von 250 °C findet eine Vermehrung statt. Darum die Ausfallrapspflanzen zuvor unbedingt vernichten. Zur Ermittlung der Temperatursumme wird die Bodentemperatur ab 8 °C gerechnet; z.B.: 23 °C Bodentemperatur abzüglich 8 °C ergibt 15 °C. Ist die Temperatursumme nach 19 Tagen (gerechnet ab Ernte Raps) erreicht, sollte unverzüglich eine flächendeckende flache Bearbeitung oder chemische Bekämpfung erfolgen.