Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Boden & Gewässerschutz

In diesem Herbst Greening zur N-Speicherung nutzen

Zwischenfrüchte als Greening-Maßnahme

Seit der Einführung des Greenings im Jahr 2015 und den damit verbunden Auflagen zur Schaffung von ökologischen Vorrangflächen werden Zwischenfrüchte wieder im großen Stil angebaut, nachdem sie mehrere Jahrzehnte ein Nischendasein gefristet hatten.

Über zwei Drittel des Ackerlandes wird in Deutschland mit Zwischenfrüchten zur Bereitstellung von ökologischen Vorrangflächen bestellt (Hessen 26.091 ha, Rheinland-Pfalz 21.529 ha), um den Gewichtungsfaktor (0,3) bereinigt macht dies rund ein Drittel der ökologischen Vorrangfläche aus. Wer Zwischenfrüchte anbaut, sollte sich jedoch über die Ziele seines Zwischenfruchtanbaus im Klaren sein, um das Anbauverfahren für seine Zwecke richtig zu wählen und Fehler zu vermeiden.

Im kommenden Herbst ist aufgrund der hohen Nmin-Werte zu Jahresbeginn und der von Trockenheit geprägten ersten Jahreshälfte von hohen Stickstoffvorräten im Boden auszugehen, die über den Winter auswaschungsgefährdet sind. Daher werden Zwischenfrüchte in diesem Herbst ein wichtiger Faktor sein, um Stickstoff aus dem Boden aufzunehmen, zwischen zu speichern und der Folgekultur zur Verfügung zu stellen – sofern sie ausreichend früh gesät wurden.

Positive Effekte für Landwirtschaft und Umwelt

Neben der Erfüllung der Verpflichtungen zur Bereitstellung der ökologischen Vorrangflächen haben Zwischenfrüchte viele positive Effekte für die Landwirtschaft und Umwelt: Nährstoffkonservierung und Grundwasserschutz, Erosionsminderung und Bodenschutz, Förderung der Bodenstruktur und Bodenfruchtbarkeit durch Arten und Wurzelsysteme, die sonst nicht auf der Fläche stehen, Auflockerung der Fruchtfolge, Unkrautunterdrückung, Reduzierung von Fruchtfolgeschäden und Krankheiten, Stickstofffixierung durch Leguminosen, Stickstoffspeicherung von organischen Düngemitteln im Herbst, Futter- bzw. Biogasproduktion, Förderung  der Biodiversität und Funktion als Bienenweide.

Zusätzlich sorgen die blühenden Pflanzen für ein positives Bild in der Öffentlichkeit. Wer Zwischenfrüchte als ökologische Vorrangfläche anbauen möchte, hat verschiedene Bedingungen, so wie in der Tabelle dargestellt, einzuhalten.

Bedingungen für Zwischenfrüchte als ökologische Vorrangfläche

Gewichtungsfaktor 0,3
Saatgut Mischung aus min. 2 zulässigen Arten (Artenliste)
max. 60 % Samenanteil einer Art
max. 60 % Samenanteil Gräsern
Fertig- und Eigenmischungen sind erlaubt
Belege bzw. Rückstellproben aufbewahren
Aussaat 16.7. bis 1.10.
Pflanzenschutzmittel nein (ab Ernte der Hauptfrucht) auch kein Schneckenkorn oder Mäusegift
Düngung organische Düngung: ja, wenn die Aussaat vor dem 15.9. erfolgte
bis zum 01.10
mineralische Düngung und Klärschlamm: nein
Nutzung Antragsjahr: Beweidung mit Schafen und Ziegen
Folgejahr, ab dem 16.2. jegliche Nutzung (Hauptkultur muss jedoch folgen)
Bodenbearbeitung Hessen ab dem 16.2.
Pflege Häckseln, Walzen und Schlegeln zulässig (kein Bodeneingriff)

Bodenbearbeitung und Aussaat

Bodenbearbeitung zur Saat
Bodenbearbeitung zur Saat

Leider kommt es immer wieder vor, dass Zwischenfrüchte durch nicht abgebaute Pflanzenschutzmittelreste, insbesondere im Überlappungsbereich, in ihrem Wuchs gehemmt werden. Kritische Frühjahrsanwendungen können sein: Attribut, Ciral, Lexus, Monitor, Alliance. Nach der Anwendung dieser Mittel ist eine intensivere Bodenbearbeitung vor der Zwischenfruchtaussaat angebracht, um den Abbau zu beschleunigen.

Für die Aussaat stehen verschiede Verfahren zur Verfügung, die sich von den Verfahrenskosten aber auch von Erfolgsaussichten auf einen gleichmäßigen, lückenlosen Zwischenfruchtbestand stark unterscheiden. Lichtkeimer wie Senf und Ölrettich können extensiv mit dem Dünger- oder dem Schneckenkornstreuer ausgebracht werden. Diese Arten benötigen keine bzw. kaum Bedeckung durch Boden, um zu keimen. Dunkelkeimer wie Phacelia und Ramtillkraut müssen hingegen mit Erde bedeckt sein, hier sollte eine Drillsaat oder eine flache Einarbeitung erfolgen.

Werden Zwischenfrüchte als ökologische Vorrangfläche angebaut, sind nach der Ernte der Hauptfrucht bis zum Beseitigen der Zwischenfrucht keine Pflanzenschutzmittel zugelassen, dazu zählen auch Mittel zur Mäuse- und Schneckenbekämpfung, aber auch alle Herbizide. Daher kann insbesondere nach Gerste nicht auf mindestens eine (wendende) Bodenbearbeitung verzichtet werden, um die Ausfallgerste zu beseitigen, da die Gerste häufig konkurrenzstärker als die Zwischenfrucht ist.

Verschiedene Arten und angepasste Sortenwahl

Für einen erfolgreichen Zwischenfruchtanbau müssen die angebauten Zwischenfrüchte zur Fruchtfolge des Betriebs passen. Bei der Artenwahl oder der Wahl der Mischung, ist darauf zu achten, dass Krankheiten und Schädlinge (z.B. Kohlhernie oder Sklerotinia bei Raps), welche die Hauptfrüchte schädigen können, nicht gefördert werden. Zudem dürfen Zwischenfrüchte nicht selbst zu einem Unkrautproblem in der Hauptfrucht werden (z.B. Buchweizen im Zuckerrübenanbau). In derartigen Fällen sollte frühzeitiges Mulchen – vor der Samenreife – Abhilfe schaffen.

Ein an die Fruchtfolge gut angepasster Zwischenfruchtanbau kann Gesundheit, Ertrag und Qualität der Hauptfrucht fördern. So können resistente Gelbsenf- oder Ölrettichsorten schädliche Zuckerrübennemathoden in ihrer Entwicklung hemmen. Andere Zwischenfrüchte können Bodennährstoffe aufschließen, die sonst nicht pflanzenverfügbar wären (z.B. Phosphoraufschluss durch Phacelia und Ackerbohne), oder können Bodenverdichtungen durch ihre Wurzeln aufbrechen (Ackerbohne und Tiefenrettich). Die folgende Tabelle zeigt geeignete Zwischenfruchtarten für verschiedene Fruchtfolgen und dient somit zur besseren Orientierung für die kommende Zwischenfruchtaussaat.

Zwischenfruchtarten

  Zwischenfrucht
Fruchtfolge mit geeignet neutral weniger/nicht geeignet
Rüben Senf, Ölrettich (nematodenresistent) Phacelia, Lupine Raps, Rübsen, Buchweizen, Gräser
Raps Phacelia, Buchweizen, Gräser, Grünroggen (nicht Greening konform!),  Ramtillkraut Senf, Ölrettich, Raps, Rübsen, Sonnenblumen, Leguminosen
Kartoffeln Ölrettich, Lupine Weidelgräser, Leguminosen, Rauhafer Senf, Raps, Rübsen, Phacelia
Mais Grünroggen (nicht Greening konform), Weidelgräser, Phacelia Leguminosen
Leguminosen Weidelgräser alle Leguminosen

Auf einigen Flächen, insbesondere bei Mulchsaat und unter feuchten Bedingungen, kann es zu einem massiven Auftreten von Schnecken kommen. Hier unterscheiden sich einzelne Zwischenfrüchte stark in ihrer Anfälligkeit. Stark anfällig sind: Ramtillkraut, Sonnenblumen, Buchweizen, Raps, Ackerbohne und Perserklee. Bei diesen Arten kann es zu stellenweise zu Komplettverlust der Zwischenfrucht kommen.

Mischungen von zwei bis dreizehn Arten

Am Markt werden viele verschiede von Saatgutfirmen und vom Landhandel zusammengestellte Mischungen angeboten. Dabei bestehen große Preisunterscheide; günstige Fertigmischungen sind ab etwa 40 Euro/ha zu haben, teurere Mischungen kosten über 100 Euro/ha. Die meisten Mischungen sind als Greening konform für öffentliche Vorrangflächen gekennzeichnet. Praxisnahe Mischungen haben zwei bis fünf Mischungspartner, bei Eigenmischungen sollten mindestens drei Mischungspartner vorhanden sein, damit der maximale Samenanteil von 60 % einer Art sicher eingehalten wird. Teure Mischung bestehen meist aus besonders vielen Arten – bis zu 13 –  mit dem Ziel, alle Bodenschichten mit den unterschiedlichen Wurzelsystemen der einzelnen Arten zu durchdringen und für alle Auflaufbedingung Arten in der Mischung zu haben, die gut mit den Bedingungen umgehen können.

Beim Zusammenstellen eigener Zwischenfruchtmischungen sind die geforderten maximalen Samenanteile einzelner Arten bzw. von Gräsern zu beachten (jeweils maximal 60 %) Hierbei sind nicht die Gewichtsanteile sondern die Anzahl der Samen gemeint. Zur Berechnung sind die TKG-Werte zu nutzen.

Anzahl Samen pro m2 = (Aussaatstärke (kg/ha) x 100):TKG (g)

Bei Eigenmischungen sind Rückstellmuster zu nehmen und entsprechende Belege und Saatgutetiketten aufzubewahren, bei Fertigmischungen reicht es, die entsprechenden Beleg und Saatgutetiketten aufzubewahren.

Düngung kann, aber muss nicht sinnvoll sein

Eine pauschale Düngung von Zwischenfrüchten ist nicht zu empfehlen. Ob eine Düngung sinnvoll sein kann liegt am Nachlieferungspotenzial des Bodens, den N-Restmengen der Hauptkultur und davon, ob Getreidestroh auf der Fläche verblieben ist, ab. Auch eine intensive Bodenbearbeitung vor der Zwischenfruchtaussaat steigert die Mineralisation im Boden. Eine Düngung kann unter gewissen Bedingungen der Zwischenfrucht zu einem zügigen Wachstum verhelfen und so zu gleichmäßigen, üppigen Bestände führen. Sollte ein Stickstoffdüngebedarf bestehen, liegen die N-Gesamtmengen in der Regel zwischen 0 und 20 kg N/ha, bei guten Stickstoffverwerten wie Gräsern, Senf oder Ölrettich kann auch ein Bedarf bis 40 kg N/ha möglich sein. Jedoch dürfen auch bei besonders hohem Stickstoffbedarf auf keinen Fall die Düngungshöchstmengen der jetzt gültigen neuen Düngeverordnung überschritten werden: maximal 60 kg gesamt Stickstoff je Hektar und maximal 30 kg Ammoniumstickstoff je Hektar. Eine Düngung darf außerdem nur erfolgen, wenn die Zwischenfrüchte vor dem 15. September gesät wurden – die Düngung muss dann bis zum 01. Oktober erfolgt sein. Generell sollte die Zwischenfrucht möglichst früh gesät werden, um ausreichend Aufwuchs bilden zu können und die Düngung sollte so früh wie möglich erfolgen, möglichst zur Saat der Zwischenfrucht damit der Stickstoff vollständig aufgenommen werden kann.

Saatzeitpunkt und Stickstoffaufnahme

Der Saatzeitpunkt ist wichtig für die Ziele, die mit dem Zwischenfruchtanbau verfolgt werden. Um üppige Zwischenfruchtbestände zu etablieren, die Unkraut unterdrücken und viel Stickstoff aufnehmen können ist eine frühe Saat unumgänglich. Früh, ab Ende Juni gesäte Zwischenfruchte sind in der Lage bis zu 150 kg N/ha im oberirdischen Aufwuchs aufzunehmen und diesen Stickstoff auch im Folgejahr der nächsten Hauptfrucht – je nach Witterungsbedingung und Boden – zu einem großen Teil zur Verfügung zu stellen.

Späte Saaten Ende August bis Anfang September können häufig nur noch bis zu 30 kg N/ha aufnehmen und schaffen es nicht mehr, den Bestand zu schließen, wodurch Unkräuter, Ausfallgetreide und Ausfallraps gefördert werden und so zur Krankheitsübertragung beitragen. Auch hier gilt: „Ein Tag im Juli ist so viel wert wie eine Woche im August und wie der ganze Monat September.“.