Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Ökologischer Pflanzenbau

Ökogetreide brachte 2017 sehr gute Erträge

Öko-Ackerbauern benötigen Sortenempfehlungen, die unter den Bedingungen des Ökologischen Landbaus gewonnen wurden, denn: Die Einschätzung der Leistungsfähigkeit von Sorten, wie sie der Beschreibenden Sortenliste zu entnehmen sind, basieren auf Versuchen, die z.B. bei der Düngung der konventionellen Praxis entsprechen.

LandessortenversuchDr. Thorsten Haase vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen fasst die Ergebnisse der hessischen Öko-Landessortenversuche zu Wintergerste, -triticale und -roggen aus den vergangenen fünf Jahren zusammen.

Die Öko-Landessortenversuche Wintergetreide rotieren in Alsfeld-Liederbach auf den Betriebsflächen des seit 1989 biologisch-dynamisch bewirtschafteten Betriebs Kasper und stehen stets im ersten Jahr nach zweijährigem Feldfutterbau. Aufgrund der integrierten Viehhaltung (0,4 GV/ha) ist auf den Versuchsflächen die Grundnährstoffversorgung mit Phosphor, Kalium und Magnesium auf den meisten Schlägen im optimalen Bereich (Versorgungsstufe C).

Öko-Wintergerste mit großartigen Erträgen

Die Erträge der Öko-Wintergerste in Alsfeld-Liederbach liegen 2016 mit durchschnittlich 49,2 dt/ha (Durchschnitt der Bezugsbasis aus den drei Verrechnungssorten) wieder auf einem durchschnittlichen Niveau. Wintergerste galt im Ökolandbau bislang ja als „eher schwierige Frucht“. Aber viele Praktiker haben in jüngerer Zeit mit dem Anbau von Öko-Wintergerste durchaus positive Erfahrungen gemacht, so dass sie in immer mehr Betrieben einen festen und günstigen Platz in der Fruchtfolge einnimmt.

Bei der Sortenwahl sind auswinterungsfeste, blattgesunde und langstrohige Sorten mit zügiger Frühjahrsentwicklung (gute Unkrautunterdrückung) zu bevorzugen. Standfestigkeit und eine geringe Neigung zu Halm- und Ährenknicken sind weitere wichtige Auswahlkriterien. In den Öko-Landessortenversuchen zu Wintergerste haben sich bislang mehrzeilige Wintergersten bewährt. Zweizeilige Sorten spielen in der Praxis (noch) keine Rolle. Für eine Sorte (California) liegen allerdings mittlerweile vierjährige LLH-Versuchsergebnisse aus Alsfeld-Liederbach vor.

Als Bezugsbasis zur Berechnung der Relativerträge wurden die in den zurückliegenden fünf Versuchsjahren stets geprüften Sorten Semper, Highlight, Lomerit, KWS Meridian und Titus gewählt. Vergleicht man die aus fünf Jahren gemittelten Relativerträge dieser drei Sorten untereinander, so schneidet Titus am schlechtesten ab (98% des Mittels der fünf Sorten) und KWS Meridian am besten (103%). Der Spitzenplatz von KWS Meridian entspricht auch der Einschätzung des Bundesortenamtes hinsichtlich ihres Ertragspotenzials.

In der Folge werden diejenigen Sorten im Kurportrait vorgestellt, für die bereits mindestens dreijährige Ergebnisse (2015-2017) vorliegen. In der Tabelle werden ergänzend Kornerträge für Sorten aus zurückliegenden Versuchsjahren (2013-2014) dargestellt.

Lomerit wird in Alsfeld-Liederbach bereits seit 2002 geprüft und dient als Bezugssorte zur Studie der langfristigen Ertragsentwicklung auf dem Versuchsstandort. Der fünfzehnjährige Versuchsdurchschnitt (2002-17 ohne 2012: Auswinterung sämtlicher Wintergetreide bis auf Roggen) dieser Sorte liegt bei 58 dt/ha, der maximal erreichte Ertrag lag bei 82 dt/ha (2011), der geringste Ertrag bei 42 dt/ha (2009).

Die Sorte hat sich in der Praxis bewährt, schnitt jedoch im Mittel der letzten drei Jahre (2015-17) unterdurchschnittlich (97%) ab. Zu beachten ist ihre Anfälligkeit für Lager und Halmknicken sowie für Netzflecken, Rhynchosporium und Zwergrost.

Highlight hat im Schnitt der letzten drei Jahre gut gedroschen (101%) und kommt für den Anbau nach wie vor  in Frage. Sie fällt durch ihre ausgeprägte Langstrohigkeit auf. Die Anfälligkeit für Pilzkrankheiten ist bei Highlight ausgewogen.

Sorte Semper hat dieses Jahr im Kornertrag besser abgeschnitten als Highlight und Lomerit. Die Sorte besitzt eine gute Winterfestigkeit, ist halmstabil, standfest und weitestgehend blattgesund. Semper kann für den Anbau empfohlen werden.

KWS Meridian hat in diesem Jahr in Alsfeld einen überdurchschnittlichen Ertrag Prüfsortiment eingefahren. Im Durchschnitt der drei Jahre kann sie dennoch überzeugen und für den Anbau empfohlen werden. Die pflanzenbaulichen Eigenschaften wie Halmlänge und -stabilität, Pflanzengesundheit und Winterfestigkeit sind bei dieser Sorte ausgewogen.

Titus ist langstrohig, standfest und blattgesund, neigt jedoch zum Ährenknicken. Im Vergleich mit der Bezugsbasis lieferte sie 2016, ähnlich wie vergangenes Jahr ein überdurchschnittliches Ergebnis.

KWS Keeper wurde 2016 im dritten Jahr geprüft und enttäuschte erstmalig. Im Durchschnitt der letzten drei Jahre kann sie dennoch mit den drei Sorten der Bezugsbasis mithalten Beim Rohprotein fällt sie etwas ab. Langstrohig, winterhart und relativ blattgesund kann sie für den Anbau empfohlen werden.

Quadriga gilt als ertragsstark und konnte dies in den ersten beiden Prüfjahren auch belegen. Die Sorte weist eine ausgewogene Blattgesundheit auf und ist langstrohig. Eine vielversprechende Sorte, die neugierig auf das dritte Prüfjahr macht.

Die ebenfalls zum zweiten Mal geprüfte Sorte SU Ellen hat nach einem sehr überzeugenden Ergebnis 2015 dieses Jahr einen zufriedenstellenden Ertrag erzielt. Sie ist nur mittellang, weist ansonsten aber – bis auf ihre Anfälligkeit zum Ährenknicken und für Zwergrost – ein ausgewogenes Portfolio bei den wichtigsten Anbaueigenschaften auf.

Sorte Tamina stand zum zweiten Mal in der Prüfung. Sie ist recht langstrohig, sehr blattgesund und halmstabil. Nach einem überzeugenden Abschneiden 2015, enttäuschte sie 2016.

Die langstrohige, winterharte und blattgesunde Sorte Kaylin blieb im ersten Jahr der Prüfung im Ertrag leider weit unter dem Durchschnitt.

Was beim Anbau zu berücksichtigen ist

Wintergerste hat im Vergleich zu anderen Wintergetreidearten einen früheren Stickstoffbedarf: im Herbst aufgrund des frühen Saattermins (Ende September) und im Frühjahr aufgrund der raschen Pflanzenentwicklung zu Vegetationsbeginn. Da die Position nach Kleegras gewöhnlich an deckungsbeitragsstarke Kulturen wie Winterweizen oder Kartoffeln vergeben ist, empfiehlt sich alternativ eine unkrautunterdrückende und stickstoffliefernde Vorfrucht wie z.B. ein Wintererbsen-Triticale-Gemenge. Auch früh geerntete Kartoffelflächen eignen sich. Durch die frühe Saat vermag Wintergerste den Reststickstoff dieser Vorfrüchte im Herbst gut zu konservieren. Je nach Vorfrucht und Verfügbarkeit organischer Dünger im Betrieb kann eine Düngung – beispielsweise mit Gülle – zu Vegetationsbeginn sinnvoll sein.

Neben der Wahl der Vorfrucht muss großes Augenmerk auf die Bereitung eines gleichmäßigen und nicht zu feinen Saatbetts gelegt werden. Ein „Reinschmieren“ ist unbedingt zu vermeiden, weil die Gerste hierauf sehr empfindlich reagiert. Der Saattermin sollte nicht später als die erste Oktoberdekade sein. Ein Vorteil der frühen Saat ist die Abpufferung von Arbeitsspitzen. Dies gilt umso mehr für die ebenfalls frühe Ernte dieser Kultur. Das zeitige Räumen der Wintergerste wie dieses Jahr in Alsfeld-Liederbach (08. Juli) erlaubt eine intensive Stoppelbearbeitung zur Bekämpfung von (Wurzel-)Unkräutern, die Etablierung einer Zwischenfrucht oder die Ansaat von Feldfutter.

Die frühe Saat (optimal: Ende September) wird in den meisten Fällen mindestens einen Striegelgang (ab 3-Blatt-Stadium) erforderlich machen. Auch Blindstriegeln ist ratsam, wenn vor Auflaufen der Gerste das Unkraut gerade im sogenannten Fädchenstadium auftritt. Diese Einsätze sollten sehr sorgfältig durchgeführt werden, schon allein deswegen, weil der Striegeleinsatz im folgenden Frühjahr keineswegs immer Erfolg verspricht, da die meisten Unkrautarten dann meist schon ihre empfindlichen Stadien überwunden haben. Der Striegel oder auch eine Sternrollhacke können aber im Frühjahr eine vorteilhafte, weil den Boden belüftende Wirkung haben. Der Einsatz sollte bei verkrusteten Böden zu Vegetationsbeginn in Betracht gezogen werden.

Wintertriticale erfreut mit guten Erträgen

Die Anbaufläche mit Öko-Triticale hat in den vergangenen Jahren stetig zugenommen uns ist mittlerweile in Hessen fast auf dem gleichen Niveau wie Winterroggen. Die wachsende Bedeutung der Tierhaltung mit mehr Geflügel- als auch schweinehaltenden Ökobetrieben dürfte hierfür der Grund sein. Triticale bringt vom Weizen das höhere Ertragspotenzial und vom Roggen die geringere Krankheitsanfälligkeit mit. Als langstrohige, gesunde und relativ anspruchslose Getreideart mit hohem Futterwert eignet sie sich gut für den Anbau in Ökobetrieben.

Als Bezugsbasis der vorliegenden dreijährigen Ertragsergebnisse des hessischen Öko-Landessortenversuches Wintertriticale dienen die relativ wenig von Gelbrost befallenen Sorten Cosinus und Tulus. Auf den mittleren Ertrag dieser beiden mehrjährig geprüften Sorten beziehen sich die angegebenen Relativwerte in den drei Prüfjahren.

Die geprüften Sorten im Überblick

Verrechnungssorte Cosinus schnitt in zwei von drei Jahren im Ertrag besser ab als Tulus, nur 2015 war sie unterlegen, als ihr der Gelbrost offenbar stärker zusetzte. Laut Bundessortenamt ist Cosinus anfälliger für Gelbrost als Tulus. Die Blattgesundheit ist ansonsten sehr gut. Cosinus ist erfreulich lang, aber recht lageranfällig.

Die zweite Verrechnungssorte Tulus ist recht lang, sehr blattgesund und drosch über die vier Prüfjahre geringfügig niedriger als Cosinus. Sie ist aber winterhärter und neigt weniger zum Lagern und wird auch weniger von Gelbrost befallen.

Die im Jahr 2012 erstmalig zugelassene, mittlerweile drei Jahre geprüfte Sorte Adverdo erzielte im Jahr 2015 einen hervorragenden Ertrag, währnen sie in den beiden weiteren Prüfjahren gleichauf mit dem Mittel von Cosinus und Tulus drosch. Diese sehr kurze Sorte ist bis auf ihre ausgeprägte Anfälligkeit für Mehltau sehr blattgesund und außerdem sehr winterhart. Sie kann für den Probeanbau empfohlen werden.

Sorte Securo ist sehr langstrohig, aber leider eben auch recht lageranfällig. Sie gilt laut Beschreibender Sortenliste als eher gering gelbrostanfällig. In 2015 zeigte sie zwar gut sichtbare Befallssymptome, reagierte aber nicht mit Ertragseinbußen. Im dritten Prüfjahr 2016 blieb sie hinter den Erwartungen zurück.

Rhenio ist seit 2014 zugelassen, sehr kurz und durchschnittlich stabil2016 schnitt sie leicht unter dem Durchschnitt ab.  Die Sorte wies 2015 noch den zweihöchsten Ertrag nach Adverdo und Sorte Tantris auf. Diese Sorte ist ebenfalls kurz aber deutlich blattgesünder und lagerstabiler als Rhenio. Tantris enttäuschte in diesem Jahr mit weit unterdurchschnittlichem Ertrag.

Die drei erstmalig geprüften, 2015 zugelassenen Sorten Salto, Lombardo und Barolo vermochten allesamt noch nicht zu überzeugen. Weitere Prüfjahre müssen abgewartet werden.

Was beim Anbau zu beachten ist

Aufgrund ihrer relativ geringen Ansprüche kann Triticale als abtragende Frucht in die Fruchtfolge integriert werden. Bei hohem Getreideanteil ist jedoch auf Fußkrankheiten (Halmbruch, Schwarzbeinigkeit) zu achten. Dementsprechend sind Gerste und Weizen als direkte Vorfrüchte zu vermeiden Die Eignung als Vorfrucht hängt auch von deren Erntezeitpunkt ab: er sollte so früh liegen, dass genügend Zeit für die Bodenbearbeitung und die termingerechte Aussaat (Ende September bis Mitte Oktober) bleibt. Günstige Vorfrüchte sind Kartoffeln, Hafer, Erbsen und andere Leguminosen. Die Saatfurche (20 bis 25 cm) sollte ca. 2 bis 3 Wochen vor der Aussaat durchgeführt werden. Ein feines Saatbeet mit entsprechender Rückverfestigung erhöht die Wahrscheinlichkeit eines schnellen Auflaufens und einer zügigen Vorwinterentwicklung. Auf anlehmigen Standorten sind 350 Körner/m2 anzustreben. Die Saattiefe liegt bei 2 bis 4 cm.

Der Striegeleinsatz kann als Blindstriegeln erfolgen und erlaubt das Freilegen der Keimfäden der Unkräuter. Nach Feldaufgang kann wieder an dem 3-Blatt-Stadium gestriegelt werden. Der für Triticale typische kriechende Wuchs der Bestockungstriebe erfordert in der Folge vorsichtiges Striegeln. Aufgrund des guten Unkrautunterdrückungspotenzials der Triticale sollte ein einmaliger Arbeitsgang im Frühjahr ausreichen. Triticale profitiert von einer organischen Düngung mit Gülle. Höchstmengen von 20 bis 25 m3 sollten im Frühjahr aber nicht überschritten werden.

Winterroggen

Unter den Getreidearten ist der Roggen so anspruchslos wie kein anderes Getreide. Aufgrund der ausgeprägten Resistenz gegenüber Kahlfrösten, des starken Wurzelsystems und der frühen Pflanzenentwicklung bei langer Kornfüllungsphase ist der Roggen sehr gut auch für grundwasserferne, leichte, sandige Standorte mit Tendenz zur Trockenheit geeignet.

Die Erträge des Öko-Winterroggens in Alsfeld-Liederbach liegen 2016 mit durchschnittlich 62,7 dt/ha (Durchschnitt von drei Populationssorten und einer Hybdiden) wieder auf einem sehr hohen Niveau. Für die Auswertung des vorliegenden Sortiments wurden sogenannte Verrechnungssorten genutzt, für die Ergebnisse aus allen drei Versuchsjahren vorliegen. Mit dem durchschnittlichen Ertrag dieser drei (Populations-) Sorten wurden im jeweiligen Versuchsjahr die Ergebnisse der anderen, teilweise erst einjährig geprüften Sorten verglichen. Auch weil im Ökolandbau bevorzugt Populationssorten angebaut werden, ist der Vergleich innerhalb der Gruppe der Populationssorten vorzunehmen. Die Populations- und die Hybridsorten unterscheiden sich naturgemäß sehr stark in ihrem Ertragspotenzial. Es wäre daher verfehlt, eine Hybrid- mit einer Populationsorte zu vergleichen. Die ebenfalls im Verhältnis zu den Verrechnungssorten angegebene relative Ertragsleistung der Hybriden sollte lediglich für den Vergleich der Hybriden untereinander herangezogen werden.

Vergleicht man die jeweils gemittelten Erträge der drei, in allen drei Jahren geprüften Sorten miteinander, so sind die Unterschiede marginal. Wenn sich der mittlere Ertrag der Sorten kaum voneinander unterscheidet, lohnt sich der Blick auf die Ertragsstabilität. Je geringer die Abweichung der relativen, einjährigen Ertragsleistung einer Sorte von ihrem eigenen dreijährigen Mittelwert, desto ertragsstabiler ist sie.

Im Hinblick auf den Futterwert des Roggens ist ein hoher Proteingehalt positiv zu bewerten. Im Falle der Verwendung als Brotroggen können hohe Gehalte jedoch die Mehlausbeute verringern. Die Rohproteingehalte der Populationssorten unterschieden sich in der vorliegenden Untersuchung kaum voneinander. Als das wichtigste Qualitätskriterium für die Backfähigkeit des Roggens gilt die Fallzahl. Backtechnisch werden bei Roggen für Weißmehlprodukte hohe Fallzahlen günstiger beurteilt als niedrige. Die folgende Bewertung der Sorten basiert weniger auf der Ausprägung der beiden Qualitätsparameter Rohprotein und Fallzahl als vielmehr auf der im Versuch erzielten Ertragsleistung und den agronomischen Eigenschaften der Sorten.

Die geprüften Sorten im Überblick

Die Sorte Conduct ist blattgesund, vor allem was die Anfälligkeit für Mehltau und Braunrost betrifft, lang im Stroh bei mittlerer Standfestigkeit. Im Mittel der drei Jahre war sie die stabilste Populationssorte. Sie kann nach wie vor für den Anbau empfohlen werden.

Dukato enttäuschte hinsichtlich ihres Ertrages in einem von drei Jahren und drosch sonst aber ähnlich wie Conduct. Dukato ist mittellang bei gleichzeitig sehr guter Standfestigkeit und ausgewogener Blattgesundheit. Die Populationssorte kann, wenn auch weniger eindeutig als Conduct, für den Anbau empfohlen werden.

Firmament hat über die drei Jahre im Relativertrag starke Schwankungen gezeigt. Die Sorte ist langstrohig, laut Züchterangaben sehr winterhart und hat eine gute Blattgesundheit. Um eine gute Standfestigkeit zu sichern, sollte auf besseren Standorten oder bei zu erwartender hoher N-Nachlieferung der Vorfrucht die Saatstärke von 300 auf 250 keimfähige Körner/m2 reduziert werden.

SU Performer hat in beiden Prüfjahren Höchsterträge und eine hohe Fallzahl erreicht. Pflanzenbaulich von Nachteil aus Sicht des Ökolandbaus ist die kurze Pflanzenlänge. Auch die recht hohe Anfälligkeit für Mutterkorn muss berücksichtigt werden. Aufgrund ihrer Spitzenerträge wird man jedoch – möchte man sich auf Hybriden einlassen – jedoch kaum an dieser Sorte vorbeikommen.

Die Populationssorte Inspector wurde 2016 zum dritten Mal geprüft. Ihr Abschneiden im Ertrag ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht eindeutig zu interpretieren, da die Sorte einmal deutlich über und einmal deutlich unter dem Mittel der Verrechnungssorten abschnitt. Sie ist relativ lang und gleichzeitig, wenig anfällig für Lager, ebenfalls erfreulich ist ihre gute Blattgesundheit.

KWS Bono wurde zweijährig geprüft. Sie ist eine sehr kurze, gesunde Sorte, die 2015 und 2016 aber bei weitem nicht mit SU Performer mithalten konnte. Ihr sehr ausgeglichenes Portfolio der wichtigen agronomischen Eigenschaften, macht neugierig auf das dritte Prüfjahr.

Die zum zweiten Mal geprüfte Sorte Elias erzielte in beiden Jahren ähnliche oder sogar höhere Erträge als die Populationssorten der Bezugsbasis. Ein drittes Prüfjahr darf mit Spannung erwartet werden.

Lichtkornroggen konnte 2016 mit mehreren Populationssorten im Kornertrag mithalten.  Die biologisch- dynamische Züchtung, die vom Bundessortenamt (BSA) als Erhaltungssorte zugelassen wurde. Charakteristisch für Lichtkornroggen ist das besonders helle Korn. Daraus lassen sich für Roggen ungewöhnlich helle, lockere Brote mit mildem Geschmack backen. Aus pflanzenbaulicher Sicht ist Lichtkornroggen eine sehr interessante Sorte für den Anbau, da sie viele im Ökolandbau gewünschte Eigenschaften aufweist. Die Sorte ist langstrohig, standfest, blattgesund und hat eine auffällig zügige Jugendentwicklung. Das lässt auch eine gute Beikrautunterdrückung erwarten (Markus Mücke).

Über die neue Sorte Matador lässt sich noch wenig abgesicherte Information weitergeben. Im Ertrag für eine Populationssorte durchschnittlich, im Gegensatz zu Generator, einer Biogassorte, die als Biogassorte  – ebenfalls im ersten Prüfjahr – weit im Ertrag unter dem Durchschnitt blieb.

Hybridroggen spielen im Ökolandbau immer noch eine untergeordnete Rolle, obwohl die meisten Verbände (Ausnahme: Demeter) den Anbau nicht verbieten. Die Tatsache, dass der Nachbau des Saatgutes nicht ohne erhebliche Ertragseinbußen möglich ist, ist ein Grund, warum nur wenig Hybriden in der Praxis Verwendung finden. Potenziert wird dieser Sachverhalt durch die relativ hohen Kosten für Z-Saatgut. Betrachtet man jedoch das langjährige Abschneiden der geprüften Hybridsorten, darf man annehmen, dass diese Mehrkosten durch die sehr hohen Kornerträge mehr als kompensiert werden.

Was beim Anbau zu beachten ist

Günstige Vorfrüchte sind Körnerleguminosen, Kartoffeln, Weizen, Hafer und Mais. Auf leichten Standorten kann der Roggen auch nach Kleegras angebaut werden, auf leichten und schweren Böden besser an sehr abtragender Position am Ende der Fruchtfolge. Dort bietet er eine gute Deckfrucht für Untersaaten eines folgenden Kleegrases. Winterroggen kann auch in abtragender Fruchtfolgestellung im Vergleich zu den anderen Getreidearten noch hohe Kornerträge ausbilden, wohingegen bei zu guter Stellung in der Rotation das Risiko des Lagerns steigt. Bei Lager kann Auswuchs und damit ein Verlust der Backqualität die Folge sein.

Roggen nutzt im Herbst aufgrund seiner bescheidenen Vorwinterentwicklung nur geringe Mengen bodenbürtigen Stickstoffs. Daher ist ein später Umbruch einer Vorfrucht oder Gründüngung ratsam um – insbesondere auf leichten Standorten –  N-Auswaschungsverluste zu minimieren. Die späte Bodenbearbeitung und Aussaat kann auch das Aufkommen von Unkräutern reduzieren. Auf einem genügend abgesetzten Saatbett wird Roggen 1 bis 2 cm flach abgelegt, auf leichteren Böden auch bis zu 3 cm tief. Reinschmieren bei zu nassem Boden ist möglichst zu vermeiden.

Der Roggen besitzt eine hohe Konkurrenzkraft gegenüber Unkräutern, so dass auf begleitende Pflegemaßnahmen meist verzichtet werden kann. Beim Striegeln ist aufgrund des flachen Wurzelwerks Vorsicht geboten. Sehr flach und spät gesäte Bestände sollten im Frühjahr vor dem Striegeln gegebenenfalls angewalzt werden.

Sein Stickstoffbedarf ist vergleichsweise gering, so dass ein Zuviel leicht zu Lager führt. Daher empfiehlt sich eine Düngung mit flüssigen Wirtschaftsdüngern im Frühjahr nur bei sehr leichten Böden. Auswuchs und Verlust der Backqualität können bei einem Übermaß an pflanzenverfügbarem Stickstoff die Folge sein. Da Futterroggen weniger gut bezahlt wird als Weizen, ist es ratsam, sich durch gezielte Sortenwahl auf die Erzeugung von Roggen mit guter Backqualität zu konzentrieren. Ein rechtzeitiger Drusch sichert Qualität und kompensiert für höhere Trocknungskosten.

Wer Bedarf an Öko-Saatgut hat, kann sich im Internet auf der Seite www.organicxseeds.com über verfügbare Sorten und deren Anbieter informieren. Die Ergebnisse der hessischen Öko-Landessortenversuche können hier abgerufen werden.

Öko-Wintergerste: Kornertrag [dt/ha bei 86% TS] im Landessortenversuch Alsfeld-Liederbach 2013-2017
Zulassung 2013 2014 2015 2016 2017 2013-17 2015-17
Lomerit (BB) 2001 103 102 92 97 102 99 97
Highlight (BB)  2007 104  100 104 94 107 102 101
Semper (BB)  2009 100 99 94 104 97 99 98
KWS Meridian (BB)  2011 94 101 110 102 107 103 106
Titus (BB)  2012 98 98 101 103 88 98 97
KWS Keeper  2013 103 106 92 99 99
California (zz)  2012 100 96 111 111 106
Quadriga  2014 105 101 114 107
SU Ellen  2014  106 100 98 101
Kaylin  2015 86 98
Tamina  2014 94 99
KWS Infinity (zz)  2015  96
Joker  2015  103
Souleyka  2009  102
Amelie  2011  101  86
Antonella  2012 102  84  95
Otto  2012  99 85 104
Anja  2013 92 90
Henriette  2011  81 104
Ruby  2013 95
Volume (Hybride)  106
Daisy  2014 101
Tamina  2014 101
Trooper (Hybride)  2014 105
Bezugsbasis BB [dt/ha]  47,5 46,1 60,8 50,0 69,2
zz = zweizeilig

Öko-Wintertriticale: Kornertrag [dt/ha bei 86% TS] im Landessortenversuch Alsfeld-Liederbach 2013-2017
Zulassung 2013 2014 2015 2016 2017 2013-17 2015-17
Cosinus (BB) 2009 105 105 90 105 105 102 100
Tulus (BB) 2009 97 96 99 99 106 99 101
Adverdo (BB) 2012 98 100 111 97 90 99 99
Securo 2013 97 92 92 110 98
Rhenio 2014 102 98 108 103
Tantris 2014 111 88 110 103
Salto 2015 92 95
Lombardo 2015 78 112
Barolo 2015 96 103
WTC MP 2.53 * 48 73
Cedrico 2016 111
Trefl 2016 118
Agostino 2009 97
Benetto 2004 111 36
Sequenz 2008 104 57
KWS Aveo 2012 109 58 60
Amarillo 105 2007 72 61
SU Agendus 2013 49 41
Massimo 2006 67
Bezugsbasis BB [dt/ha] 63,5 46,8 54,2 58,2 66,4
* Stamm (noch nicht als Sorte zugelassen)

Öko-Winterroggen: Kornertrag [dt/ha bei 86% TS] im Landessortenversuch Alsfeld-Liederbach 2013-2017
Zulassung 2013 2014 2015 2016 2017 2013-17 2015-17
 Conduct (BB) P  2006 100 108 102 98 101 102 100
 Dukato (BB) P  2008 104 87 102 103 104 100 103
 Firmament * (BB) P  2013  96 105 95 99 94 98 96
 Inspector P  2013 87 107 108 107 107
 SU Performer H 2013 133 141 142 130 138
 Elias** P  2013 100 103 97 100
 KWS Bono H 2014 120 129 124 125
 Amilo P  1992 105 105 96 102
 Lichtkornroggen* P  2011 100 98
 Dankowskie Turkur*** P  2007  110
 KWS Gatano H  2016 118
 Dankowskie Diament P  2007 106 72
 Elego P 2009 104 90
 Palazzo H  2009 126 115
 Brasetto H 2009 115
 HS EF-10 **** P  93
 SU Forsetti H  2013 105
 Generator P 2012 86
 Matador P  2001 105
Bezugsbasis BB [dt/ha] 46,5 30,1 62,7 51,0 60,9
*       Erhaltungssorte
**     Zulassung in Österreich
***   Zulassung steht noch aus
**** Zuchtstamm F&Z Dottenfelderhof

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