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LSV Öko-Roggen 2018: Auch dem Roggen machte die Trockenheit zu schaffen

Unter den Getreidearten ist der Roggen so anspruchslos wie kein anderes Getreide. Aufgrund der ausgeprägten Resistenz gegenüber Kahlfrösten, des starken Wurzelsystems und der frühen Pflanzenentwicklung bei langer Kornfüllungsphase ist der Roggen sehr gut auch für grundwasserferne, leichte, sandige Standorte mit Tendenz zur Trockenheit geeignet.

Dr. Thorsten Haase vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen fasst die Ergebnisse der hessischen Öko-Landessortenversuche zu Triticale und Winterroggen zusammen.

Auch der Landessortenversuch Öko-Winterroggen rotiert in Alsfeld-Liederbach auf den Betriebsflächen des seit 1989 biologisch-dynamisch bewirtschafteten Betriebs Kasper und steht stets im ersten Jahr nach zweijährigem Feldfutterbau. Diese  Fruchtfolgestellung ist in der Praxis des Ökolandbaus nicht verbreitet.

Die mittleren Erträge (Bezugsbasis = Durchschnitt von vier Populationssorten und einer Hybridsorte) des Öko-Winterroggens lagen 2018 in Alsfeld-Liederbach mit durchschnittlich 40 dt/ha auf einem niedrigen Niveau und damit 30 % unter dem mehrjährigen (2014-2017) Mittelwert. Die Populations- und die Hybridsorten unterscheiden sich naturgemäß sehr stark in ihrem Ertragspotenzial. Daher sollte ein Vergleich der relativen Ertragsleistung stets innerhalb von Populationssorten vorgenommen werden. Dasselbe gilt für Hybridsorten.

Die folgende Bewertung der Sorten basiert auf der am Standort Alsfeld-Liederbach erzielten mehrjährigen (drei bzw. fünf Jahre) Ertragsleistung und der sortenspezifischen Ausprägung der wichtigsten agronomischen Eigenschaften.

Die geprüften Sorten im Überblick

Die Sorte Conduct ist blattgesund, vor allem was die Anfälligkeit für Mehltau und Braunrost betrifft, lang im Stroh bei mittlerer Standfestigkeit. Im Mittel wies sie den zweithöchsten Ertrag (nach Inspector) der über fünf Jahre geprüften Populationssorten auf. Sie kann nach wie vor für den Anbau empfohlen werden.

Dukato liegt im mittleren Ertrag nur einen Prozentpunkt unter Conduct. Dukato ist mittellang bei gleichzeitig sehr guter Standfestigkeit und ausgewogener Blattgesundheit. Die Populationssorte kann ebenfalls für den Anbau empfohlen werden.

Firmament ist eine Erhaltungssorte mit ausgezeichneten Backeigenschaften. Sie hat über die fünf Jahre die niedrigsten Kornerträge gedroschen. Die Sorte ist langstrohig, laut Züchterangaben sehr winterhart und hat eine gute Blattgesundheit. Um eine gute Standfestigkeit zu sichern, sollte auf besseren Standorten oder bei zu erwartender hoher N-Nachlieferung der Vorfrucht die Saatstärke von 300 auf 250 keimfähige Körner/m2 reduziert werden.

Die Populationssorte Inspector wurde 2018 im fünften Jahr geprüft. Sie ist relativ lang und gleichzeitig wenig anfällig für Lager, ebenfalls erfreulich ist ihre gute Blattgesundheit. Unter den genannten Populationssorten hatte sie den höchsten mittleren Ertrag.

SU Performer hat in allen Prüfjahren Höchsterträge erreicht. Pflanzenbaulich von Nachteil aus Sicht des Ökolandbaus ist die kurze Pflanzenlänge. Auch die recht hohe Anfälligkeit für Mutterkorn muss berücksichtigt werden. Aufgrund ihrer Spitzenerträge wird man jedoch – möchte man Hybriden anbauen –kaum an dieser Sorte vorbeikommen.

Eine weitere Hybride, KWS Bono wurde zwischen 205 und 2017 geprüft. Sie ist eine sehr kurze, gesunde Sorte, die aber bei weitem nicht mit SU Performer mithalten konnte. Sie weist ein sehr ausgeglichenes Portfolio der wichtigen agronomischen Eigenschaften auf.

Die Sorten Elias und Amilo erzielten im selben Zeitraum (2015-2017) ähnliche Erträge wie die oben genannten Populationssorten der Bezugsbasis..

Lichtkornroggen ist eine biologisch- dynamische Züchtung, die vom Bundessortenamt (BSA) als Erhaltungssorte zugelassen wurde. Charakteristisch für Lichtkornroggen ist das besonders helle Korn. Daraus lassen sich für Roggen ungewöhnlich helle, lockere Brote mit mildem Geschmack backen. Aus pflanzenbaulicher Sicht ist Lichtkornroggen eine sehr interessante Sorte für den Anbau, da sie viele im Ökolandbau gewünschte Eigenschaften aufweist. Die Sorte ist langstrohig, standfest, blattgesund und hat eine auffällig zügige Jugendentwicklung. Das lässt auch eine gute Unkrautunterdrückung erwarten (verändert nach M. Mücke, Landwirtschaftskammer Niedersachsen). Der Ertrag ist in etwa auf dem gleichen Niveau wie der der anderen Backroggensorte Firmament. Über Dankowskie Tukus lässt sich gegenwärtig noch wenig aussagen. Ein Ertragspotenzial auf dem Niveau zwischen Dukato und Inspector deutet sich an. Ein weitere Prüfjahr bleibt abzuwarten.

Vergleicht man die Ertragsleistung der drei KWS-Hybridsorten Gatano, Binntto und Serafino mit der Referenz SU Performer, so scheinen zumindest Gatano und Serafino im Ertrag ein ähnliches Potenzial aufweisen zu können. Binntto, mit Note 9 (Kornertrag Stufe 1) aus der Wertprüfung gekommen, konnte die hohen Erwartungen bislang noch nicht erfüllen. Allerdings war 2018 aufgrund der extremen Trockenheit auch alles andere als ein durchschnittliches Jahr. Weitere Prüfjahre bleiben abzuwarten.

Was beim Anbau zu beachten ist

Günstige Vorfrüchte sind Körnerleguminosen, Kartoffeln, Weizen, Hafer und Mais. Auf leichten Standorten kann der Roggen auch nach Kleegras angebaut werden, auf leichten und schweren Böden besser an sehr abtragender Position am Ende der Fruchtfolge. Dort bietet er eine gute Deckfrucht für Untersaaten eines folgenden Kleegrases. Winterroggen kann auch in abtragender Fruchtfolgestellung im Vergleich zu den anderen Getreidearten noch hohe Kornerträge ausbilden, wohingegen bei zu guter Stellung in der Rotation das Risiko des Lagerns steigt. Bei Lager kann Auswuchs und damit ein Verlust der Backqualität die Folge sein.

Roggen nutzt im Herbst aufgrund seiner bescheidenen Vorwinterentwicklung nur geringe Mengen bodenbürtigen Stickstoffs. Daher ist ein später Umbruch einer Vorfrucht oder Gründüngung ratsam um – insbesondere auf leichten Standorten –  N-Auswaschungsverluste zu minimieren. Die späte Bodenbearbeitung und Aussaat kann auch das Aufkommen von Unkräutern reduzieren. Auf einem genügend abgesetzten Saatbett wird Roggen 1 bis 2 cm flach abgelegt, auf leichteren Böden auch bis zu 3 cm tief. Reinschmieren bei zu nassem Boden ist möglichst zu vermeiden.

Der Roggen besitzt eine hohe Konkurrenzkraft gegenüber Unkräutern, so dass auf begleitende Pflegemaßnahmen meist verzichtet werden kann. Beim Striegeln ist aufgrund des flachen Wurzelwerks Vorsicht geboten. Sehr flach und spät gesäte Bestände sollten im Frühjahr vor dem Striegeln gegebenenfalls angewalzt werden.

Wer Bedarf an Öko-Saatgut hat, kann sich im Internet auf der Seite www.organicxseeds.com über verfügbare Sorten und deren Anbieter informieren. Die Ergebnisse der hessischen Öko-Landessortenversuche können auf dieser Seite im Downloadbereich abgerufen werden.

Öko-Winterroggen: Kornertrag [dt/ha bei 86% TS] im Landessortenversuch Alsfeld-Liederbach 2014-2018 relativ [%] zur Bezugsbasis

Zulassung 2014 2015 2016 2017 2018 2014-18 2016-18
Conduct P 2006 104 93 89 95 88 94 91
Dukato P 2008 84 93 93 97 97 93 96
Firmament * P 2013 101 87 90 88 86 90 88
Inspector P 2013 84 97 98 100 99 96 99
SU Performer H 2013 128 129 129 121 129 127 126
Elias ** P 2013 91 93 90
KWS Bono H 2014 110 117 116
Amilo P 1992 96 96 90 98 94
Lichtkornroggen * P 2011 91 91 84 89
Dankowskie Turkur P k.A. 103 93
KWS Gatano H 2016 110 131
KWS Binntto H 2017 118
KWS Serafino *** H k.A. 127
Bezugsbasis BB [dt/ha] 31,4 68,8 56,1 65,4 39,6
Bezugsbasis (100 %) = Mittelwert aus vier Populationssorten (Conduct, Dukato, Firmament, Inspector) und einer Hybride (SU Performer)
* Erhaltungssorte
** Zulassung in Österreich
*** Zulassung in Polen