Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Ökologischer Pflanzenbau

LSV Öko-Silomais 2017: Spitzenerträge über vier Jahre

Aufgrund seines hohen Ertragspotenzials und der hohen Energiegehalte ist Silomais eine wertvolle Ergänzung für die in Fruchtfolgen des Ökolandbaus verbreiteten, eiweißreichen Futterleguminosen. Seinen hohen Ansprüchen an die Stickstoffversorgung kann man durch eine Bevorzugung bei der Stellung in der Fruchtfolge (z.B. nach Kleegras) und/oder gezielte organische Düngung (z.B. mit Gülle) gerecht werden. Der mehrjährige Feldfutterbau reduziert verglichen mit anderen Vorfrüchten auch den Unkrautdruck zur Nachfrucht Silomais. Dieser benötigt in der Jugendentwicklung „Familienanschluss“, d.h. die mechanische Unkrautregulierung hat oberste Priorität und sollte sehr sorgfältig durchgeführt werden. Hat man den Mais durch diese kritische Phase gebracht, ist er dafür umso selbständiger, weil er durch seine kräftige Biomasseentwicklung (ab ca. 30 cm Wuchshöhe) das Unkraut hervorragend unterdrückt.

Hat man Stickstoffversorgung und Unkrautregulierung hinreichend berücksichtigt, steht zur Absicherung des Anbauerfolges noch die Sortenwahl an. Sorten für die Nutzung als Silomais sollten vor allem einen hohen Trockenmasseertrag und eine hohe Energiekonzentration aufweisen. An erster Stelle steht jedoch die Festlegung auf eine, für den eigenen Standort angemessene Reifegruppe, ausgedrückt als „Silo-Reifezahl“ einer Sorte. Nur eine gut ausgereifte Maispflanze erzielt gute Stärke- und Energiegehalte. Auch weil im Ökolandbau die Aussaat meist relativ spät erfolgt, ist die Fähigkeit der gewählten Sorte zur sicheren Abreife ein wichtiges Kriterium. Die optimale Silierreife liegt bei einem Trockensubstanzgehalt zwischen 32 und 35 % und sollte auf dem eigenen Standort im Durchschnitt der Jahre zwischen Ende September und Mitte Oktober erreicht werden. Später abreifende Sorten weisen zwar ein höheres Ertragspotenzial auf, aber Ihr Anbau birgt auch ein höheres Risiko einer nicht abgeschlossenen Stärkeeinlagerung. Für die meisten hessischen Standorte nördlich der Wetterau kommen wohl nur Sorten der Reifegruppe mittelfrüh (Silo-Reifezahl S 230 – 250) oder früher (S ≤ 220) in Frage.

Zum vierten Mal in Folge führte der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) in Zusammenarbeit mit der Universität Kassel im Jahr 2017 den Landessortenversuch Öko-Silomais durch. Der Versuch fand auf der Hessischen Staatsdomäne Frankenhausen, dem seit 2000 ökologisch bewirtschafteten Lehr- und Versuchsbetrieb der Universität Kassel statt.

Tabelle 1: Versuchsfläche und Anbaudaten LSV Öko-Silomais 2014-2017, Hessische Staatsdomäne Frankenhausen (Landkreis Kassel)
Bodenart  mittlerer toniger Schluff (Ut3)
2017 2016  2015 2014
Nmin (kg N/ha in 0-90 cm)  70 71 131 104
P2O5 (mg/100g Boden in 0-30 cm) 12 15 11 10
K2O (mg/100g Boden in 0-30 cm) 9 12 16 4
Mg (mg/100g Boden in 0-30 cm) 8 6 8 7
 pH-Wert 6,6 6,4 6,3 6,3
 Saat 05.05. 04.05. 22.04. 25.04
 Häckseln 27.09. 22.09. 02.10. 30.09.

Das Spektrum der Reifegruppe der geprüften Sorten reichte von früh (Siloreifezahl S 170-220) bis  mittelfrüh (S 230-250). Bei drei Prüfgliedern handelte es sich um Populationen aus Öko-Züchtung (OPM 12 sowie Weihenstephaner 1 und 2), die eher einer späteren Siloreifezahl zuzuordnen sind (Angaben des Züchters). Alle anderen Prüfglieder waren Hybriden. Für sechs Sorten liegen 2017 vierjährige Ergebnisse vor.

Vorfrucht des Feldversuches war zwei- (2014 und 2016) bzw. dreijähriges (2015) und überjähriges (2017) Luzernegras, das mit dem Pflug umgebrochen wurde. 2017 war die Vor-Vorfrucht Winterweizen. Die Saat erfolgte auch 2017 unter günstigen Witterungs- und Bodenbedingungen. Ausgesät wurden 22 keimfähige Körner/m2 mit einer vierreihigen Einzelkornsämaschine (75 cm Reihenabstand), die später auf 11 Pflanzen/m2 vereinzelt wurden. Die Unkrautregulierung im Parzellenversuch wurde manuell vorgenommen. Als Verrechnungssorten wurden die sechs vierjährig geprüften Sorten unterschiedlicher Siloreifezahl (210 bis 240) gewählt, um das Reifespektrum des Versuches abzubilden.

Der Aufgang und die Jugendentwicklung verliefen 2017 aufgrund der wüchsigen Witterung ausgesprochen zügig. Für die mechanische Unkrautregulierung lagen überwiegend gute Bedingungen vor. Von Juli bis September begünstigten zudem ausreichend Niederschläge und ausgewogene Temperaturen das Maiswachstum. Das führte zu sehr hohen Erträgen und hoher Energiedichte.

Gute Gesamt-Trockenmasse-Erträge bei sehr hoher Qualität in 2017

Zur Ernte wiesen die geprüften Sorten 2017 aufgrund der im September vorherrschenden Witterungsverhältnisse zum Häckseln optimale Trockensubstanzgehalte in der Gesamtpflanze auf. Die frühen Sorten (38,2% TS; n=4) wiesen im Durchschnitt etwas höhere TS-Gehalte auf als die mittelfrühen (36,8% TS; n=11). Die drei Populationen werden bei diesem Vergleich ausgespart.

Der Trockenmasseertrag der Sorten war im vierten Versuchsjahr wieder auf einem sehr guten Niveau. Die Spannweite der Relativerträge reichte von 84 % (die beiden Populationen Weihenstephaner 1 und 2) bis zu 107 % (Hybride Carolinio KWS). Ein gerechter Vergleich von Sorten sollte jedoch innerhalb von – entweder Populationen – oder Hybriden erfolgen. Vergleicht man den durchschnittlichen TM-Ertrag der frühen (Hybrid-)Sorten (n=4) mit dem der mittelfrühen (n=13) im Jahr 2017, so zeigt sich kein Unterschied (211 vs. 213 dt/ha). Unter den sechs vierjährig geprüften Sorten wiesen im Mittel der vier Versuchsjahre (2014-2017) die beiden frühen Sorten Saludo und Colisee die geringeren TM-Erträge auf (95 bzw. 97 % relativ zum Mittel aller sechs Verrechnungssorten) gegenüber den vier mittelfrühen, die bei 101 % (Farmanager) bzw. 102 % (Carolinio KWS, P8000, Geoxx) lagen und sich somit nicht unterschieden.

Da der Energieertrag [GJ/ha] stärker mit dem TM-Ertrag [dt/ha] korreliert ist als mit dem Energiegehalt [MJ/kg TM], gilt für die Abstufung der Sorten hinsichtlich Energieertrag (TM-Ertrag x Energiedichte) das gleiche wie beim TM-Ertrag. Die Energiedichte variiert sortenabhängig kaum, sondern ist stark von der Witterung während der Vegetationsperiode abhängig.

Um die Abreife auch in Jahren mit weniger günstigen Witterungsbedingungen zu sichern, sollte an klimatisch mit Frankenhausen vergleichbaren Standorten eher auf Sorten der frühen Reifegruppe zurückgegriffen werden. Die in den vier Jahren gemachten Erfahrungen weisen darauf hin, dass die etwas ertragsstärkeren mittelfrühen Sorten aber auch in Durchschnittsjahren sicher zur Abreife gelangen können.

Seit dem 1. Januar 2014 sind Körner- und Silomais beim Saatgutbezug der Kategorie I zugeordnet. Die Eingruppierung in Kategorie I setzt voraus, dass ausreichend Öko-Saatgut dieser Kultur zur Verfügung steht. Mit dieser Begründung werden keine Ausnahmegenehmigungen zur Verwendung von konventionell erzeugtem Saatgut mehr erteilt. Wer Saatgut einer bestimmten Sorte beziehen möchte, kann sich auf der Webseite http://www.organicxseeds.de/ ein Bild von der aktuellen Verfügbarkeit machen.

 

Tabelle 2: TS-Gehalt [% der FS], sowie TM-Ertrag, Energieertrag und Energiedichte in % relativ zum Mittel der sechs Verrechnungssorten im Landesortenversuch Öko-Silomais Frankenhausen 2014-2017
TS -Gehalt [% der FS] TM Ertrag [TM/ha] rel. zu VRS [%] Energieertrag NEL [GJ/ha] rel. zu VRS [%]  Energiedichte NEL [MJ/kg TM]  rel. zu VRS [%]
 Züchter SRZ 2017 2016 2015 2014 2017 2016 2015 2014 2017 2016 2015 2014 2017 2016 2015 2014
Likeit DSV 180 40,8 98  100 101
Osterbi Caussade 200 37,8 47,2 99 93 101 91 102 98
Farmezzo Farmsaat 210 36,0 45,8 99 109 101 112 102 103
Saludo RAGT 210 38,3 45,1 39,7 37,0 95 93 101 92 98 94 103 93 103 101 102 103
Colisee Colisee 220 38,0 43,9 38,9 35,7 92 101 94 101 92 100 95 101 100 99 101 101
Kwinns KWS 220 37,7 42,7 38,5 97 95 93 96 93 91 99 98 98
KWS  Stabil KWS 220 41,6 48,1 40,1 98 100 101 101 98 102 103 98 101
Landlord Agasaat 220 35,4 88 89 101
Movanna DSV 220 37,1 46,5 39,0 96 93 97 96 90 97 100 97 100
Carolinio KWS KWS 230 36,7 45,6 38,1 33,9 107 104 102 97 106 103 103 93 100 99 101 96
Farmanager Farmsaat 230 36,0 44,3 36,8 39,9 99 107 96 102 98 107 95 104 99 99 99 101
Farmfire Farmsaat 230 35,4 102 104 101
P 8000
Pioneer 230 35,3 44,9 37,3 33,9 102 104 97 105 101 105 96 104 100 101 100 100
Benedictio KWS KWS 230 36,3 46,8 98 112 99 109 100 97
Geoxx RAGT 240 35,2 44,5 37,4 33,5 105 90 110 103 104 91 108 103 99 101 98 99
OPM12 Peter Kunz 32,4 41,4 35,6 94 94 92 91 89 90 97 95 98
Weihenstephaner  1 LfL Freising 37,6 46,0 84 106 84 105 100 99
Weihenstephaner  2 LfL Freising 36,2 84 81 96
VRS 36,6 44,7 38,0 35,7 216 181 196 218 148 133 131 138 6,9 7,4 6,7 6,3

SRZ = Siloreifezahl
VRS = Verrechnungssorte (fettgedruckt)

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