Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Ökologischer Pflanzenbau

LSV Öko-Sommergetreide 2017: Erneut gute Erträge und hohe Qualität

Der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) führt auf den Flächen eines ökologisch bewirtschafteten Betriebes im Vogelsberg Öko-Landessortenversuche mit den drei wichtigsten Sommergetreidearten durch.

Die Landessortenversuche finden auf Flächen des seit 1989 ökologisch bewirtschafteten Betriebs Kasper in Alsfeld-Liederbach statt. Details zu den Standortbedingungen der Versuchsjahre 2015-2017 sind Tabelle 1 zu entnehmen.

Tabelle 1: Standortbedingungen und Versuchsdurchführung 2015-2017
Naturraum:  Nördlicher Unterer Vogelsberg
Niederschlag (1961-1990):  650 mm
Temperatur (1961-1990):  7,7°C
Bodentyp:  Parabraunerde / Pseudogley
Bodenart:  sandiger Lehm
2017 2016 2015
Nmin (kg N/ha in 0-90 cm): 100 61 36
P2O5 (mg/100g Boden):  10  8  16
 K2O (mg/100g Boden):  14  19  13
Mg (mg/100g Boden):  13  48  11
pH-Wert:  6,3  6,6  6,3
Aussaat- und Erntetermine
2017 2016 2015
Saat Drusch Saat Drusch Saat Drusch
 Sommerweizen 17.03. 07.08. 21.03. 15.08. 19.03. 10.08.
Hafer 17.03. 06.08. 21.03. 08.07. 19.03. 08.08.
Sommergerste 28.03. 06.08. 21.03. 15.08. 19.03. 08.08.

In der Folge werden das Ertragspotenzial und die jeweils wichtigsten Qualitätseigenschaften der geprüften Sorten für die drei Sommergetreidearten Weizen, Hafer und Gerste besprochen.

Sommerweizen

Der Sommerweizen kann Drusch-Fruchtfolgen auflockern, die aus vielen Winterungen bestehen. Beim Sommerweizen ist das vorrangige Ziel, gute Backqualität zu erzeugen, denn im Ertrag wird der Sommerweizen kaum an seinen großen Bruder, den Winterweizen, heranreichen.

Verrechnungssorten waren Sonett (E-Weizen) und Quintus (A-Weizen). Die Relativwerte (Prozent) des Ertrags beziehen sich auf das arithmetische Mittel dieser beiden Sorten im jeweiligen Versuchsjahr. Der Ertrag der beiden Verrechnungssorten lag 2017 mit 66 dt/ha auf einem extrem hohen Niveau (Tabelle 2). Entsprechend lagen die Rohproteingehalte 2017 deutlich niedriger als 2016.

Tabelle 2: Kornertrag, Rohproteingehalt, Feuchtkleber, Fallzahl und Sedimentationswert relativ zum Mittelwert der beiden Verrechnungssorten Sonett und Quintus im LSV Öko-Sommerweizen 2015-2017
Qualitäts-
gruppe
Kornertrag

rel. zu VRS [%]

Rohprotein

rel. zu VRS [%]

Feuchtkleber

rel. zu VRS [%]

Fallzahl

rel. zu VRS [%]

 Sedimentationswert

rel. zu VRS [%]

 Sorte 2017 2016 2015 2017 2016 2015 2017 2016 2015 2017 2016 2015 2017 2016 2015
Servus A 95 104 107 152 108
KWS Sharki E 87 108 115 83  156
Jack E 95 97 96 126  78
Zenon
E 76 112 115 94  117
Anabel E 91 101 103 114  103
Dino A 75  105 105 164  106
Mittel VRS 66,3 43,3 47,6  11,6 14,0 11,6  25,1  30,0 25,8 259  208 285  36  44 37

Verrechnungssorten: Sonett und Quintus

 

Die geprüften Sorten im Überblick

E-Weizen

Die Sorte Sonett erzielte für einen E-Weizen über die letzten drei Jahre sehr gute Relativerträge (97%). Hinsichtlich der Qualitätseigenschaften konnte sie nicht voll überzeugen. Sonett ist mittellang, blattgesund und weist eine ausgeprägte Toleranz gegenüber Gelbrost auf. Zu beachten ist ihre Anfälligkeit gegenüber Ährenfusarium.

Die relativ kurzstrohige E-Weizensorte Lennox überzeugte während der drei Prüfjahre nicht beim Ertrag, jedoch voll bei den Qualitätseigenschaften. Lennox weist eine ausgeprägte Gelbrosttoleranz auf. Die leicht erhöhte Anfälligkeit der Sorte gegenüber Mehltau und Ährenfusarium ist zu beachten. Sie eignet sich für den Anbau als Wechselweizen.

Zum zweiten Mal geprüft wurde Sorte Astrid, die im Ertrag nicht an Sonett heranreicht. Rohproteingehalt und Feuchtkleber sind erfreulich, ein drittes Prüfjahr bleibt abzuwarten.

KWS Sharki konnte im ersten Prüfjahr nicht im Ertrag überzeugen, aber bei der Kornqualität. Die niedrige Fallzahl gibt zu denken. Die ebenfalls erstmalig geprüfte Sorte Jack schnitt beim Ertrag besser ab als KWS Sharki, die Kornqualitätseigenschaften waren unter dem Durchschnitt. Sorte Zenon zeigte hingegen einen Ertrag weit unter dem Durchschnitt, jedoch sehr gute Qualitätseigenschaften. Sorte Anabel schnitt beim Ertrag leicht unter, bei der Qualität leicht über dem Durchschnitt ab.

A-Weizen

A-Weizen Quintus scheint die ertragsstärkste Sorte im aktuellen Sortiment (2017). Selbst Rohproteingehalt und Feuchtkleber liegen über die drei Prüfjahre auf durchschnittlichem Niveau. Die mittelange Sorte ist ausgesprochen blattgesund. Hervorzuheben ist die auch die geringe Gelbrostanfälligkeit. Für den Anbau als Futterweizen kann Quintus auf jeden Fall empfohlen werden.

Sorte Cornetto ist eine begrannte Sorte und erzielte lediglich unterdurchschnittliche Erträge, nicht zuletzt – in den Jahren 2015 und 2016 wohl wegen ihrer Anfälligkeit für Gelbrost.

Zum zweiten Mal geprüft lieferte KWS Mistral 2017 erneut nur eine unterdurchschnittliche Ertragsleistung, während der Rohproteingehalt sich in den beiden Prüfjahren um den Durchschnitt der Verrechnungssorten bewegte.

Sorte Servus, erstmals geprüft, ist eine kurzstrohige Sorte, deren Ertrag ebenfalls unter dem Durchschnitt war bei überraschend guten Rohprotein- und Feuchtklebergehalten. Die A-Sorte Dino, schließlich fuhr in ihrem ersten Prüfjahr ein katastrophales Ertragsergebnis ein.

Hafer

Hafer weist unter den Getreidearten relativ geringe Ansprüche an die Nährstoffversorgung auf. Das und eine gesicherte Nachfrage der abnehmenden Hand machen ihn für den Ökolandbau interessant. Wenn die Vermarktung als Schälhafer in Frage kommt, lohnt es sich bei der Sortenwahl neben dem Ertragspotenzial auch das Hektolitergewicht zu berücksichtigen. Beim hl-Gewicht sind mindestens 54 kg/hl gefordert. Die Ausprägung dieser Eigenschaft hat für Futterhafer keine Relevanz.

Von vier der insgesamt zehn im Jahr 2017 geprüften Sorten liegen Ergebnisse aus den letzten drei Jahren vor (Tabelle 3). Der Jahreseinfluss auf das Ertragsniveau ist bei Hafer enorm. Im Mittel der drei Jahre lag das Ertragsniveau der vier Verrechnungssorten bei erfreulichen 53 dt/ha. 2016 wurden die für Schälhafer geforderten 54 kg/hl nicht erreicht.

Tabelle 2: Kornertrag relativ zu VRS und Hektolitergewicht im LSV Öko-Hafer 2015-2017
VRS (Verrechnungssorten = das über drei Jahre geprüfte Sortiment (fettgedruckt))
Kornertrag [in % rel. zu VRS] Hektolitergewicht [kg/hl]
 2017 2016 2015 2015-17 2017 2016 2015 2015-17
 Max  93  91 104 96 53,0  55,3 59,1 55,8
 Simon  109  117 106 111 48,0 54,0 58,2 53,4
 Poseidon  104  100  95  99  54,0  53,0  56,6  54,5
 Apollon  96  101  101  99  50,0  52,5  58,2  53,6
 Earl  97  92  94  95  52,0  51,4  57,1  53,5
 Pinnacle  80  73  45,0  44,9
 Ozon  101  89  50,0  54,7
 Bison  89  84  52,0  51,6
 Harmony  105  79  50,0  49,5
 Delfin  107  51,0
 Prokop  96  50,0
 Talkunar  68  58,0
 VRS  54,7  55,7  66,6    51,4  53,2  57,8

Sorte Max weist über die drei dargestellten Prüfjahre das höchste Hektolitergewicht auf, schnitt aber im Vergleich zum Mittel der fünf Verrechnungssorten unter dem Durchschnitt ab, was vor allem am überragenden Abschneiden der Sorte Simon lag. Sorte Poseidon lieferte im Mittel der drei zurückliegenden Versuchsjahre gute Erträge und ein durchschnittliches Hektolitergewicht, allerdings mit deutlichen Schwankungen um den Mittelwert. Earl blieb im Ertrag unter dem Durchschnitt und beim HLG unter dem für Schälhafer geforderten Schwellenwert

Sorte Pinnacle sollte außer Konkurrenz bewertet werden, da es sich bei dieser Sorte um einen Zweitfruchthafer handelt, der sein Potenzial im LSV offenbar nicht entfalten konnte. Für die ebenfalls im zweiten Prüfjahr getestete Sorte Ozon, ist eine aufsteigende Tendenz im Ertrag bei abnehmendem HLG zu beobachten. Bison enttäuschte bei beiden Merkmalen und kommt für diesen und vergleichbare Standorte wohl nicht in die nähere Auswahl. Harmony verbesserte sich deutlich, ein letztes, drittes Prüfjahr bleibt abzuwarten. Prokop, eine österreichische Sorte blieb beim Ertrag unter dem Durchschnitt der fünf Verrechnungssorten. Talkunar, gänzlich abgeschlagen, ist ein Speisenackthafer (Getreidezüchtungsforschung Darzau), der deswegen ebenfalls nicht mit Schäl- oder Futterhafersorten verglichen werden sollte.

Sommergerste

Beim Anbau von Öko-Sommergerste ist häufig die Erzeugung von Braugerste das Ziel. Der Rohproteingehalt von Braugerste sollte 11,5% nicht überschreiten. Die als Braugerste angebauten Sorten können auch zur Fütterung eingesetzt werden. Bei der Verwendung als Futter ist allerdings ein höherer Proteingehalt erwünscht, verbunden mit einem möglichst hohen Hektolitergewicht.

Die bei Braugersten maximal tolerierbaren Gehalte für Rohprotein wurden 2017 von den meisten Braugerstensorten überschritten, das Mindest-Hektolitergewicht (62 kg/hl) – für Futtergersten relevant – meist erreicht (Tabelle 4).

Tabelle 3: Kornertrag [in % relativ zum Mittel der vier Verrechnungssorten], Rohproteingehalt [% der TS] und Hektolitergewicht [kg/hl] im LSV Öko-Sommergerste 2015-17
Kornertrag [% relativ zu VRS] Rohprotein [% d. TS] Hektolitergewicht [kg/hl]
2017 2016 2015 2015-17 2017 2016 2015 2015-17 2017 2016 2015 2015-17
 Grace BG  103  93  96  97  12,2  11,7  10,4  11,4  66,0  65,6  72,1  67,9
 Catamaran BG  87  87  100  91  12,9  11,5  10,4  11,5  61,8  67,3  70,9  66,7
 Avalon BG  104  105  96  101  12,1  11,4  10,4  11,3  64,2  63,7  67,4  65,1
 RGT Planet FG  112  116  107  112  11,9  10,8  9,7  10,8  63,0  63,9  69,4  65,4
 Sydney  FG  94  99  101  98  12,6  11,5  10,3  11,5  62,9  64,5  73,4  66,9
 Pirona NG  53  56  61  15,2  13,6  12,0  71,3  73,2  81,2
 Cervinia BG  85  94  12,7  11,0  59,4  61,3
 KWS Fantex FG  102  11,9  61,7
 Laureate BG  111  11,5  62,1
 Evergreen BG  97  12,4  65,1
 VRS dt/ha  58,2  43,1  68,1    12,3  11,4      63,6  65,0  70,6

VRS = Verrechnungssorten Grace, Catamaran, Avalon, RGT Planet, Sydney (fettgedruckt)
NG = Nacktgerste; BG = Braugerste; FG = Futtergerste

Braugersten

Die bewährte Braugerstensorte Grace überraschte 2017 mit leicht überdurchschnittlichem ertrag und – wie andere Sorten auch sehr hohem Rohproteingehalt, Sie weist gewöhnlich ein deutlich ausreichendes Hektolitergewicht auf. Sie kann nach wie vor für den Anbau empfohlen werden. Sorte Catamaran, ebenfalls eine von fünf Verrechnungssorten im Landessortenversuch am Standort Alsfeld-Liederbach, ist dreijährig schwächer im Ertrag als Grace, aber ähnlich verlässlich, was Rohproteingehalt und Hektolitergewicht betrifft. Auch diese Sorte kann empfohlen werden. Unter den weiteren Braugerstensorten konnte sich zudem Avalon positiv mit einem leicht überdurchschnittlichen Ertrag im Mittel dreier Jahre hervorheben. Die Anforderungen an den Rohproteingehalt erfüllt sie ebenfalls. Die pflanzenbaulichen Eigenschaften sind ebenfalls in Ordnung. Sie kann für den Öko-Anbau empfohlen werden. Cervinia hat ihr gutes Ergebnis von 2016 nicht bestätigt. Ein drittes Prüfjahr ist daher abzuwarten.

Die erstmalig geprüften Braugerstesorten Evergreen und Laureate lieferten gute bis sehr erfreuliche Erträge mit für das Jahr 2017 vergleichsweise niedrige Rohproteingehalten. Diese Ergebnisse machen neugierig.

Futtergersten

Exorbitant gute Erträge lieferte wieder RGT Planet. Von der Braugerstengemeinschaft

hat sie die Verarbeitungsempfehlung aber nicht erhalten. Auch die Mälzereien favorisieren diese Sorte nicht. Sie ist halmstabil und blattgesund und kann – zumindest als Futtergerste – unbedingt für den Anbau empfohlen werden. Sydney ist im dreijährigen Mittel knapp unter dem Durchschnitt der fünf Verrechnungssorten.

KWS Fantex, erstmals geprüft, ist blattgesund, halmstabil, aber kurz im Wuchs.

Nacktgerste

Die von der Getreidezüchtungsforschung Darzau biologisch-dynamisch gezüchtete Sorte Pirona verfügt über ein völlig spelzenfrei dreschendes Korn. Die Erträge dieser langstrohigen Sorte waren, wie zu erwarten, relativ gering, was auch auf die fehlenden Spelzenanteile zurückzuführen ist. Der Rohproteingehalt und das Hektolitergewicht sind dagegen sehr hoch.

Informationen zur Verfügbarkeit von Saatgut der beschriebenen Sorten sind auf www.organicxseeds.de zu finden. Anbauempfehlungen für Öko-Sommergetreide erhalten Sie beim Autor dieses Artikels.

Sommerungen lockern die Fruchtfolge auf

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