Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Ökologischer Pflanzenbau

LSV Öko-Triticale 2018: Erhebliche Ertragsverluste durch Trockenheit

Triticale bringt als Kreuzung von Weizen und Roggen vom Weizen das höhere Ertragspotenzial und vom Roggen die geringere Krankheitsanfälligkeit mit. Als langstrohige, gesunde und relativ anspruchslose Getreideart mit hohem Futterwert eignet sie sich gut für den Anbau in Ökobetrieben.

Öko-Ackerbauern benötigen Sortenempfehlungen, die unter den Bedingungen des Ökologischen Landbaus gewonnen wurden, Dr. Thorsten Haase vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen fasst die Ergebnisse der hessischen Öko-Landessortenversuche zu Triticale und Winterroggen zusammen.

Die Öko-Landessortenversuche Wintertriticale rotieren in Alsfeld-Liederbach auf den Betriebsflächen des seit 1989 biologisch-dynamisch bewirtschafteten Betriebs Kasper und stehen stets im ersten Jahr nach zweijährigem Feldfutterbau. Aufgrund der integrierten Viehhaltung (0,4 GV/ha) ist auf den Versuchsflächen die Grundnährstoffversorgung mit Phosphor, Kalium und Magnesium auf den meisten Schlägen im optimalen Bereich (Versorgungsstufe C).

Schwache Erträge in Folge der Trockenheit

Der gemittelte Ertrag der beiden langjährig geprüften Sorten Cosinus und Tulus lag 2018 mit 42 dt/ha um 40% niedriger als 2017 (70 dt/ha) und 30 % unter dem mehrjährigen (2013-2017) Durchschnitt (60 dt/ha). 2018 wurde erstmalig auf der Hessischen Staatsdomäne Frankenhausen, dem Lehr- und Versuchsgut der Universität Kassel in Kooperation mit deren Versuchswesen der Landesortenversuch Öko-Wintertriticale durchgeführt. Gegenüber Alsfeld-Liederbach lag das mittlere Ertragsniveau der beiden Sorten Cosinus und Tulus mit 46 dt/ha ca. 10 % höher.

Nach insgesamt sieben Jahren Anbauerfahrung mit Sommertriticale in Alsfeld-Liederbach lohnt sich ein Vergleich zwischen der Winter- und der Sommerform der Triticale (Abbildung). Eine Sommertriticale, Dublet und zwei Wintertriticalesorten, Cosinus und Tulus, wurden über den gesamten Zeitraum (2012-2018) geprüft. Im Winter 2011/12 war die Wintertriticale ausgewintert. Berücksichtigt man diesen Totalausfall von 2012 im mehrjährigen Ertragsdurchschnitt der Wintertiticale (2012-2018) so liegt das Ertragsniveau der Sommertriticale auf demselben Niveau (50 dt/ha) wie das der Wintertriticale (49 dt/ha). Tut man dies nicht, und vergleicht stattdessen die Erträge der Jahre 2013-2018, so bringt die Sommertriticale lediglich 82 % des Ertrages der Wintertriticale. Berücksichtigen sollte man dabei allerdings zweierlei: Die dem Vergleich zugrundeliegende, sehr begrenzte Anzahl an Sorten (Sommertriticale n=1; Wintertriticale n= 2) und die Tatsache, dass die Daten aus zwei unterschiedlichen Feldversuchen (LSV Wintertriticale bzw. LSV Sommertriticale) stammen.

Während zweier Versuchsjahre (2014 und 2015) wurde die Wintertriticalesorte Amarillo 105 sowohl als Winterung, als auch als Wechseltriticale zusammen mit den Sommertriticalesorten geprüft. Für diesen Vergleich gilt ebenfalls die genannte Einschränkung. In beiden (Gelbrost-)Jahren wies die Winterung stärkeren Gelbrostbefall auf als die Sommerung. Obgleich ebenfalls befallen (Boniturnote 6) schnitt Amarillo 105 als Sommerung 2015 deutlich (49 statt 39 dt/ha) besser ab als dieselbe, als Winterung angebaute und noch stärker befallene (Boniturnote 8) Sorte. Amarillo 105 wurde aufgrund ihrer starken Gelbrostanfälligkeit ab 2017 aus dem Sortiment genommen.

Als Bezugsbasis der hier präsentierten mehrjährigen (2013-2018) Ertragsergebnisse des hessischen Öko-Landessortenversuches Wintertriticale dienen die relativ wenig von Gelbrost befallenen Sorten Cosinus und Tulus. Auf den mittleren Ertrag dieser beiden mehrjährig geprüften Sorten beziehen sich die folgenden Angaben zum Ertragspotenzial der Sorten unter den Bedingungen des Standortes Alsfeld-Liederbach. Außerdem werden die Sorten hinsichtlich ihrer Ausprägung der wichtigsten agronomischen Eigenschaften beschrieben.

Die geprüften Sorten im Überblick

Die im Jahr 2012 erstmalig zugelassene, bis 2017 insgesamt fünf Jahre geprüfte Sorte Adverdo erzielte nur im Jahr 2015 aufgrund ihrer geringen Anfälligkeit für Gelbrost einen herausragenden Relativertrag. Diese sehr kurze Sorte ist bis auf ihre ausgeprägte Anfälligkeit für Mehltau sehr blattgesund und außerdem sehr winterhart.

Bezugssorte Cosinus schnitt in drei von sechs Jahren im Ertrag besser ab als Tulus, nur 2015 war sie deutlich unterlegen, als ihr der Gelbrost offenbar stärker zu schaffen machte. Laut Bundessortenamt ist Cosinus etwas anfälliger für Gelbrost als Tulus. Die Blattgesundheit ist ansonsten sehr gut. Cosinus ist erfreulich lang, aber recht lageranfällig.

Die zweite Bezugssorte Tulus ist recht lang, sehr blattgesund und drosch über die sechs Prüfjahre im Mittel nur 1 Prozentpunkt weniger als Cosinus. Sie ist aber winterhärter, neigt weniger zum Lagern und wird auch weniger von Gelbrost befallen.

Aufgrund ihrer erheblichen Anfälligkeit für Gelbrost wird KWS Aveo seit 2016 nicht mehr geprüft.

Sorte Securo ist sehr langstrohig, aber leider eben auch recht lageranfällig. Sie gilt laut Beschreibender Sortenliste als eher gering gelbrostanfällig. In 2015 zeigte sie zwar gut sichtbare Befallssymptome, reagierte aber nicht mit Ertragseinbußen. Vergleicht man ihre relative Ertragsleistung im Zeitraum 2015-2017 mit denen der beiden Sorten Tantris (103 %) und Rhenio (103 %), so ist sie die schwächste (98%). Grundsätzlich weist sie eine mittlere Blattgesundheit auf.

Tantris ist sehr kurz und entsprechend halmstabil. Der Ertrag schwankte über die drei Jahre (2015-2017) sehr stark um den eigenen mehrjährigen Mittelwert. Die Sorte ist deutlich blattgesünder und halmstabiler als Sorte Rhenio. Rhenio, ebenfalls seit 2014 zugelassen, ist sehr kurz und durchschnittlich stabil, die Gelbrostanfälligkeit gibt zu denken.

Die drei 2015 zugelassenen Sorten Salto, Lombardo und Barolo schneiden im Mittel der drei Jahre (2016-2018) schlechter (96 / 94 / 98 %) ab als der Mittelwert der Bezugsbasis aus Cosinus und Tulus. Salto ist sehr kurz und halmstabil und sehr blattgesund. Lombardo ist mittellang, stand- und winterfest. Allerdings muss die leicht erhöhte Braunrostanfälligkeit beachtet werden. Barolo ist kurzwüchsig, bei mittlerer Winterhärte und Blattgesundheit.

Die zweijährig geprüfte Sorte Cedrico ist kurz in der Pflanzenlänge, halmstabil und blattgesund. Sie hat in beiden Jahren überdurchschnittliche Erträge erzielt. Ein Probeanbau ist zu überlegen.

Temuco ist kurz in der Pflanzenlänge und blattgesund, der Ertrag im ersten Prüfjahr ganz knapp überdurchschnittlich. Robinson ist lang im Wuchs, standfest, enttäuschte jedoch beim Kornertrag.

Trisem ist eine sehr lange Sorte mit mittlerer Lageranfälligkeit und sehr guter Blattgesundheit. Diese Eigenschaften und das überdurchschnittliche Abschneiden beim Kornertrag im ersten Jahr machen neugierig auf die folgenden Jahre.

Tripanem stammt aus biologisch-dynamischer Züchtung und weist laut Züchterangaben eine „ausgezeichnete Blattgesundheit“ auf. Eine alternative Nutzung als Brotgetreide ist möglich, womit der Anbau von Tripanem eine Möglichkeit für den Vertragsanbau darstellen könnte.

Was beim Anbau zu beachten ist

Aufgrund ihrer relativ geringen Ansprüche kann Triticale als abtragende Frucht in die Fruchtfolge integriert werden. Bei hohem Getreideanteil ist jedoch auf Fußkrankheiten (Halmbruch, Schwarzbeinigkeit) zu achten. Dementsprechend sind Gerste und Weizen als direkte Vorfrüchte zu vermeiden Der Erntezeitpunkt der Vorfrucht sollte so früh liegen, dass genügend Zeit für die Bodenbearbeitung und die termingerechte Aussaat (Ende September bis Mitte Oktober) bleibt. Günstige Vorfrüchte sind Kartoffeln, Hafer, Erbsen und andere Leguminosen. Die Saatfurche (20 bis 25 cm) sollte ca. 2 bis 3 Wochen vor der Aussaat durchgeführt werden. Ein feines Saatbeet mit entsprechender Rückverfestigung erhöht die Wahrscheinlichkeit eines schnellen Auflaufens und einer zügigen Vorwinterentwicklung. Auf lehmigen Standorten sind 350 Körner/m2 anzustreben. Die Saattiefe liegt bei 2 bis 4 cm.

Der Striegeleinsatz kann als Blindstriegeln erfolgen und erlaubt das Freilegen der Keimfäden der Unkräuter. Nach Feldaufgang kann wieder ab dem 3-Blatt-Stadium gestriegelt werden. Der für Triticale typische kriechende Wuchs der Bestockungstriebe erfordert in der Folge vorsichtiges Striegeln. Aufgrund des guten Unkrautunterdrückungspotenzials der Triticale sollte ein einmaliger Arbeitsgang im Frühjahr ausreichen. Triticale profitiert von einer organischen Düngung mit Gülle. Höchstmengen von 20 bis 25 m3 sollten im Frühjahr aber nicht überschritten werden.

Wer Bedarf an Öko-Saatgut hat, kann sich im Internet auf der Seite www.organicxseeds.com über verfügbare Sorten und deren Anbieter informieren. Die Ergebnisse der hessischen Öko-Landessortenversuche können auf dieser Seite im Downloadbereich abgerufen werden.

Tabelle: LSV Öko-Wintertriticale in Alsfeld-Liederbach 2013-2018: Kornertrag [dt/ha] relativ [%] zur Bezugsbasis (Mittelwert von Cosinus und Tulus)

2013 2014 2015 2016 2017 2018 Gelbrost [BSA 1-9]
Adverdo 2012 97 99 118 95 85 2
Cosinus 2009 104 105 95 103 99 97 4
Tulus 2009 96 95 105 97 101 103 3
KWS Aveo 2012 108 58 63 7
Securo 2013 97 98 90 105 4
Tantris 2014 118 87 105 4
Rhenio 2014 108 97 103 96 5
Salto 2015 90 90 106 3
Lombardo 2015 77 107 99 3
Barolo 2015 95 98 100 4
Trefl 2016 112 3
Cedrico 2016 106 105 2
Temuco 2017 101 4
Robinson 2017 94 4
Trisem 2018 103 1
Tripanem k.A. 88 k.A.
Bezugsbasis [dt/ha] 64,2 46,9 60,6 59,1 69,9 41,9
Bezugsbasis = Cosinus, Tulus

 

 

Abbildung: Vergleich von Winter- mit Sommertriticale in Alsfeld-Liederbach: Kornertrag [dt/ha] in den Versuchsjahren 2012-2018 bzw. 2013-2018

Abbildung: Vergleich von Winter- mit Sommertriticale in Alsfeld-Liederbach: Kornertrag [dt/ha] in den Versuchsjahren 2012-2018 bzw. 2013-2018

TIS = Sommertriticale
TIW = Wintertriticale

 

2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2012-18 2013-18
Dublet (TIS) 64,8 39,0 44,0 52,8 43,1 59,1 44,3 49,6 47,1
Cosinus (TIW) 0,0 66,8 49,0 57,8 60,8 69,5 40,8 49,2 57,5
Tulus (TIW) 0,0 61,5 44,7 63,4 57,4 70,2 43,0 48,6 56,7
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