Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Allgemeines zur Fütterung

Hessische Getreide- und Leguminosenernte 2018

Trockenheit sorgte beim Getreide für niedrige Rohproteingehalte.

Von welchen Getreide- und Leguminosenqualitäten im Erntejahr 2018 ausgegangen werden kann und was das für die Fütterung und Rationsplanung, insbesondere für die Schweinehalter bedeutet, erläutert: Kajo Hollmichel vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) in Kassel.

Der Sommer 2018 stand dem bisherigen Jahrhundertsommer 2003 in nichts nach. Die langanhaltende Trockenheit führte, insbesondere auf nicht so schweren Böden, zu erheblichen Ertragseinbußen. Insgesamt wurden in vielen Regionen Hessens nur unterdurchschnittliche Erträge erzielt und häufig nicht das Niveau des weniger guten Vorjahres erreichten. Einen Überblick über die diesjährigen Qualitäten gibt die folgende Auswertung der Getreide- und Leguminosenuntersuchungen des Landesbetriebes Hessisches Landeslabor (LHL). Die Auswertung basiert auf den Analyseergebnissen des LHL. Insgesamt wurden 199 Getreide- und Leguminosenanalysen in die Auswertung einbezogen. Die Anzahl Ergebnisse von Hafer-, Erbsen und Lupinenuntersuchungen wurden aufgrund der geringen Anzahl nicht in die Auswertung einbezogen.

Feuchtegehalte sehr niedrig

 Durch die Dürre wurde sämtliches Getreide, als auch die Leguminosen so trocken wie sonst selten in den Vorjahren eingefahren. Die Erntebedingungen waren in dieser Hinsicht optimal. Die Trockenmassegehalte (TM) wiesen in diesem Jahr im Vergleich zu den Vorjahren geringe Spannweiten auf. Sie reichen für alle Getreide- und Leguminosenarten von 85,1% bis 91,5% TM. Wahrscheinlich handelt es sich bei dem Großteil der Proben mit niedrigerer TM um mit Säure konservierte Proben. Bei Trockenmassegehalten unter 86% in der Ernte ist eine Trocknung oder eine Konservierung mit Säuren erforderlich, um gute Futterqualitäten zu erhalten.

Tabelle 1: Getreide- und Leguminosenanalysenauswertung Ernte 2018 Hessen

Werte bezogen auf 1 kg bei 88 % Trockenmasse
Gerste Roggen Triticale Weizen Ackerbohnen
Anzahl Proben 199 102 6 25 56 10
Trockenmasse (TM) % 89,4 88,8 88,1 88,6 88,0
von … bis 85,1 91,5 87,8 89,8 86,2 89,8 86,0 90,3 85,4 89,9
Vorjahreswerte: 85,5 85,6 84,9 85,8
Rohprotein (XP) g/kg 97 90 98 99 273
64 119 78 96 76 122 75 122 261 281
107 108 115 274
Rohfaser (XF) g/kg 56 21 26 26 91
41 66 19 26 26 26 25 26 82 101
54 26 26 82
Stärke g/kg 502 559 597 599 388
434 555 544 574 562 612 570 621 369 417
507 595 593 363
Umsetzbare Energie Schwein (MES) MJ/kg 12,5 13,3 13,5 13,6 12,6
nach Einzelfutterformel mit neuen 12,4 12,7 13,2 13,3 13,4 13,6 13,5 13,7 12,5 12,7
DLG-Verdaulichkeitswerten von 2014 12,6 13,6 13,7 12,5
Umsetzbare Energie Schwein (MES) MJ/kg 12,5 13,7 13,6 13,7 12,0
nach Mischfutterformel neu 12,1 13,1 13,5 13,7 13,5 13,7 13,6 13,9 11,5 12,4
12,6 13,7 13,8 12,2
Nettoenergie Laktation (NEL) MJ/kg 7,05 7,47 7,41 7,48 7,67
7,01 7,11 7,42 7,52 7,39 7,44 7,45 7,54 7,63 7,71
7,06 7,44 7,51 7,64
Metabolische Energie – ME (Rind) MJ/kg 11,2 11,7 11,6 11,7 12,1
11,1 11,3 11,6 11,8 11,6 11,7 11,7 11,8 12,1 12,2
11,2 11,7 11,8 12,1
Nutzbares Rohprotein (nXP) g/kg 140 141 142 144 194
130 146 140 142 138 146 139 150 191 196
142 144 148 194
Ruminale Stickstoffbilanz (RNB) g/kg -7 -8 -7 -7 13
-11 -4 -10 -7 -10 -4 -10 -4 11 14
-6 -6 -5 13
Lysin g/kg 3,2 3,7 3,1 3,2 16,9
2,6 3,7 3,3 3,9 2,6 3,5 2,7 3,6 16,4 17,4
3,4 3,3 3,5 17,0
Methionin und Cystin g/kg 4,0 3,7 4,3 3,7 5,3
3,0 4,7 3,3 3,9 3,5 5,3 2,9 4,4 5,1 5,3
4,3 4,7 4,2 5,3
Threonin g/kg 3,5 3,3 3,3 2,6 9,2
2,5 4,2 2,9 3,5 2,7 4,1 2,1 3,0 8,8 9,4
3,8 3,6 2,9 9,2
Tryptophan g/kg 1,2 1,2 1,4 1,4 2,6
0,8 1,4 1,1 1,3 1,2 1,6 1,1 1,6 2,5 2,7
1,3 1,5 1,6 2,6
Quelle der Rohdaten: Landesbetrieb Hessisches Landeslabor LHL), Kassel.  Die Aminosäuren wurden vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) nach den aktuellsten Regressionsformeln von Evonic 2016  berechnet. Die restichen Kennzahlen wurden ebenfalls vom LLH aus den Rohdaten nach den jeweils neuesten offiziellen Formeln ermittelt.                                                                                                              

Aus Gründen der Vergleichbarkeit beziehen sich die angegebenen Werte auf einen Trockenmassegehalt von 88%.

Tabelle 2: DLG-Werte

Inhaltsstoffe bei 88 % TM Gerste Hafer Roggen Triticale Weizen Acker-bohnen Erbsen
Rohprotein (XP) g/kg 105 108 92 110 123 264 220
Rohfaser (XF) g/kg 49 97 23 24 25 77 57
Stärke g/kg 528 392 558 567 574 365 418
Umsetzbare Energie Schwein (MES) EFF * MJ/kg 12,6 11,7 13,3 13,5 13,7 12,4 13,4
Umsetzbare Energie Schwein (MES) MFF * MJ/kg 12,8 11,3 13,6 13,7 13,9 12,3 12,8
Nettoenergie Laktation (NEL) MJ/kg 7,11 6,13 7,35 7,32 7,49 7,58 7,51
Metabolische Energie – ME (Rind) MJ/kg 11,4 10,1 11,7 11,6 11,8 12,0 11,9
Nutzbares Rohprotein (nXP) g/kg 145 123 142 150 151 172 165
Ruminale Stickstoffbilanz (RNB) g/kg -6 -3 -7 -4 -4 15 9
Lysin ** g/kg 3,4 4,7 3,7 3,3 3,7 16,5 15,0
Methionin und Cystin ** g/kg 4,3 4,7 3,7 4,8 4,4 5,1 4,6
Threonin ** g/kg 3,8 3,3 3,3 3,7 3,1 8,9 7,2
Tryptophan ** g/kg 1,3 1,3 1,2 1,5 1,6 2,5 2,6
*) EFF Energiewert Schwein berechnet nach Einzelfutterformel, MFF nach Mischfutterformel        **) Aminosäuren nach Regressionsformeln von Evonic berechnet

Sehr niedrige Rohproteingehalte beim Getreide

 Nicht nur niedrige Rohproteingehalte (XP-Gehalte) kennzeichnen in diesem Jahr die hessische Getreide- und Leguminosenernte, sondern auch erneut große Spannweiten der wertbestimmenden Inhaltsstoffe. So schwanken z.B. die Rohproteingehalte bei der Gerste von 6,4% bis 11,9%! Die Streubreite der XP-Werte spiegelt sich in der Spanne der Aminosäurengehalte (siehe Tabelle 1) entsprechend wieder, da sie in einer direkt-linearen, getreidespezifischen Beziehung zum Rohproteingehalt stehen. Insgesamt sind die Rohproteingehalte beim Getreide außer beim Roggen so niedrig, wie schon seit langer Zeit nicht mehr. Das führt dazu, dass den Rationen vermehrt Protein durch z.B. Soja-  oder Rapsextraktionsschrot (SES und RES) zugeführt werden muss, was die Rationen zusätzlich verteuern wird.

Sollten Leguminosen zum Einsatz in der Schweinefütterung gelangen, ist es wichtig, auf eine ausreichende Methionin-Ergänzung über das Mineral- bzw. das Ergänzungsfutter zu achten, da die Leguminosen arm an schwefelhaltigen Aminosäuren (z.B. Methionin) sind.

Die Rohproteingehalte sind bei allen ausgewerteten Getreidearten wesentlich geringer als im Vorjahr. Nur die Ackerbohnen zeigen erneut hohe Rohproteingehalte. Sie liegen sogar leicht oberhalb der DLG-Tabellenwerte (Tab. 2), die vielfach für Futterberechnungen herangezogen werden, wenn der Futterwert nicht bekannt ist. Beim ausgewerteten Getreide liegen die XP-Werte außer beim Roggen deutlich unter den von der DLG angegebenen durchschnittlichen Inhaltsstoffen. Dies zeigt, dass für eine adäquate Versorgung der Tiere mit den entsprechenden Nährstoffen unbedingt betriebsspezifische Analysen der Rationskomponenten erforderlich sind.

Zur genauen Schweinefutterrationsberechnung werden zusätzlich die Gehalte der fünf erstlimitierenden Aminosäuren Lysin, Methionin & Cystin, Threonin und Tryptophan bei den Getreide- bzw. Einzelfutteranalysen benötigt (siehe hierzu auch Tabelle 1 und 3). In der Regel weist das LHL diese mit aus.

Seit der Veröffentlichung der Versorgungsempfehlungen für Schweine der Gesellschaft für Ernährungsphysiologie (GfE) in 2006, sollten Rationsberechnungen auf Basis der dünndarmverdaulichen Aminosäuren (sog. praecaecal verdauliche Aminosäuren; pcv AS) erfolgen. Diese sind für die Hauptgetreidearten in Tabelle 3 und für die Leguminosen sowie Raps in Tabelle 4 aufgeführt.

Tabelle 3: Verdaulichkeiten bei Getreide

Praecaecale Verdaulichkeit der Aminosäuren von Getreide in % (DLG-Futterwerttabellen Schweine 2014)
Limitierende Aminosäuren CCM Körnermais Gerste Hafer Roggen* Triticale Weizen
Lysin 70% 79% 73% 95% 80% 84% 88%
Methionin 88% 85% 82% 88% 85% 88% 88%
Cystin 79% 86% 79% 82% 90% 87% 92%
Threonin 79% 83% 76% 90% 75% 81% 90%
Tryptophan 71% 82% 76% 77% 78% 77% 88%

 

Tabelle 4: Verdaulichkeiten bei Leguminosen und Raps

Praecaecale Verdaulichkeit der Aminosäuren von Leguminosen und Raps in %
(DLG-Futterwerttabellen Schweine 2014)
Limitierende Aminosäuren Acker-bohnen blaue Süßlupine Erbsen Sojaextrak-tionsschrot Raps
Lysin 82% 84% 84% 87% 73%
Methionin 61% 81% 73% 88% 82%
Cystin 68% 91% 66% 79% 81%
Threonin 75% 83% 75% 86% 68%
Tryptophan 71% 85% 70% 86% 72%

 

Energiegehalte teilweise exakt auf DLG-Niveau

Die Umsetzbare Energie Schwein (MES in MJ) nach Einzelfuttermittelformel ist in diesem Jahr bei Gerste, Triticale und Weizen 0,1 MJ unter dem Vorjahresniveau und bei den Ackerbohnen 0,1 MJ darüber. Roggen und Triticale entsprechen exakt den DLG-Tabellenwerten, Gerste und Weizen liegen mit 0,1 MJ knapp darunter und die Ackerbohnen sogar 0,2 MJ darüber. Grund für die insgesamt guten Werte sind die erneut recht hohen Stärkegehalte.

Aber auch die Energiegehalte weisen eine gewisse Schwankungsbreite auf, wenn auch nur in geringem Ausmaß. Die größten Differenzen zwischen den Extremwerten zeigen sich bei der Energie nach Einzelfuttermittelformel mit einer Differenz von 0,3 MJ MES/kg bei der Gerste. Bei Benutzung der Mischfutterformel beträgt die Schwankungsbreite z.B. bei Gerste sogar 1,0 MJ MES/kg!

Bei Gerste und den Ackerbohnen höhere Rohfasergehalte wie im Vorjahr

 Bei Anwendung der NIRS-Methode werden die Rohfasergehalte beim Schwergetreide (Weizen, Triticale und Roggen) überwiegend pauschal mit 26 g/kg angenommen, da Gehalte unter 30 g/kg nicht mit ausreichender Genauigkeit analysierbar sind. Zwischen den Getreidearten gibt es, bezogen auf die Rohfaser, jedoch große Unterschiede. Besonders Gerste, Hafer und die Leguminosen enthalten vergleichsweise viel Rohfaser. Diese Feldfrüchte sind größeren Schwankungen im Rohfasergehalt unterworfen. Da die Energiedichte eines Futtermittels auch von seinem Rohfasergehalt (XF) abhängt, hat insbesondere Hafer weniger Energie als die übrigen Getreidearten. Gerste schwankt hier im Bereich von 41 g/kg bis 66 g/kg und liegt im Durchschnitt mit 56 g/kg leicht über Vorjahresmittelwert (54 g/kg.) Bei den Ackerbohnen befindet sich die Schwankungsbreite von 82 g/kg bis 101 g/kg und liegt mit im Durchschnitt 91 g/kg ca. 10% relativ bzw. ca. 1%-Punkt absolut über dem Vorjahresmittelwert.

Die Kenntnis der genauen Rohfasergehalte ist nicht zuletzt wegen der Vorgaben der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung (§ 25 Absatz 6) für die Fütterung tragender Sauen von großer Bedeutung. Diese schreibt vor, dass die Aufnahme von 200 g Rohfaser pro Tier und Tag gewährleistet sein muss oder dass das Alleinfutter mindestens 8% Rohfaser je kg TM enthält, das sind gut 7% XF/kg Alleinfutter bei 88% TM. Durch einen hohen Anteil an Gerste als Stärke- und Rohfaserkomponente in Verbindung mit weiteren Rohfaserträgern wie Hafer, Kleie, Trockenschnitzel, Grünmehl, Rohfaserkonzentrate oder sonstigen rohfaserreichen Spezialfuttern können diese Vorgaben in der Tragezeit eingehalten werden.

In diesem Jahr keine auffällige Mykotoxinbelastung

 Zur Futterqualität gehört das „Frei sein“ von unerwünschten Stoffen wie z.B. Toxine von Feldpilzen; diese sollten möglichst nicht im Getreide zu finden sein. Die Leittoxine zur Beurteilung der Toxinbelastung sind Deoxynivalenol (DON) und Zearalenon (ZEA). Die Orientierungswerte für Schweine betragen bei DON 1,0 mg/kg und bei ZEA 0,25 mg/kg sowie 0,05 mg/kg für präpubertäre weibliche Zuchtschweine. Der LHL in Kassel teilt mit, dass bei der Getreideernte 2018 sämtliche untersuchten Winterweizenproben keine Mykotoxinbelastung über den Orientierungswerten hatten. Dies ist die Folge des niedrigen Infektionsdrucks durch die sehr trockene Witterung. Wenn auch aktuell keine problematische Situation bei diesen Toxinen zu bestehen scheint, sollte das Getreide bei entsprechendem Verdacht auf die Leittoxine DON und ZEA untersucht werden. Mittels eines ELISA-Schnelltests ist dies preiswert und effektiv zu realisieren. Vom LHL wird weiterhin mitgeteilt, dass in diesem Jahr auch die Mutterkornbildung wahrscheinlich kein grundsätzliches Problem war. Von allen Pilzgiften ist bisher Mutterkorn als einziger futtermittelrechtlich unerwünschter Stoff eingeordnet. Für Getreide als Futtermittel ist ein Höchstgehalt von 1g/kg bei Einsatz festgelegt. Anders als für die Pilztoxine DON und ZEA, für die lediglich Orientierungswerte vorliegen, gilt für mutterkornhaltiges Getreide das Verschneidungsverbot, wenn der Höchstgehalt überschritten ist. Solche Partien dürfen keinesfalls mehr verfüttert werden. Das Getreide sollte stets gründlich gereinigt, getrocknet und/oder mit organischen Säuren konserviert werden. Durch die Reinigung lässt sich der Mutterkornanteil reduzieren, da die Mutterkörner größer und leichter sind. Einige der heute angebotenen Hybridroggensorten sind z.B. auf eine geringe Anfälligkeit für den Mutterkornbefall gezüchtet.

Bei Erwärmung des Getreidelagers von 15°C über die Umgebungstemperatur, ist eine Kühlung durch Belüftung erforderlich.

Preiswürdigkeit der diesjährigen Getreide- und Leguminosenqualitäten

Die Preiswürdigkeit kann in einem vereinfachten Verfahren nach der Methode Löhr berechnet werden. Hierbei werden i.d.R. Weizen und Sojaextraktionsschrot als Eckpreisfuttermittel für Energie- und Eiweißfuttermittel angesetzt. Als Maßstab für die Energie wurde hier MJ MES (berechnet nach Einzelfutterformel) gewählt, für den Proteinwert das dünndarmverdauliche Lysin. Dazu können Sie hier eine Rechenhilfe herunterladen. Hier brauchen Sie nur den aktuellen Weizen- und Sojaschrotpreis einzugeben und erhalten sofort die Preiswürdigkeit für eine Vielzahl von Futtermitteln.

Tabelle 5 zeigt die Austauschpreise für Getreide und die Leguminosen bei unterschiedlichen Preisniveaus von Weizen und Sojaschrot mit genannter Qualität. Liegt der Marktpreis des Futtermittels unterhalb des berechneten Austauschpreises, so ist der Ersatz des Futtermittels wirtschaftlich.

Tabelle 5: Preiswürdigkeit vom diesjährigen Getreide und den Leguminosen

im Austausch gegen Sojaextraktionsschrot (SES) und Weizen auf der
Basis verdauliches Lysin und Umsetzbare Energie (ME) nach Einzelfutterformel
Rohpr. (XP) Kalkulationspreise in €/dt Marktpreise preis-würdig
in 88% TM am 19.10.18 Einkauf Ldw.
Sojaschrot 42,9% 28,50 30,00 32,50 35,00 37,50 34,00 34,00  
Weizen 9,9% 15,00 17,00 19,00 21,00 23,00 20,00 20,00
preiswürdig bis zum Preis von:
Gerste 9,7% 13,60 15,50 17,30 19,10 21,00 18,20 20,00 nein
Hafer 10,8% 14,30 16,00 17,30 19,50 21,30 18,60 18,50 ja
Roggen 9,0% 14,80 16,70 18,60 20,60 22,60 19,60 18,30 ja
Triticale 9,8% 14,80 16,70 18,70 20,70 22,70 19,70 18,30 ja
Ackerbohnen 27,3% 21,60 23,30 25,40 27,60 29,80 26,70 25,50 ja
Erbsen 21,1% 21,30 23,10 25,30 27,60 29,80 26,60 25,50 ja
Lupine (blau) 29,5% 20,80 22,60 24,80 27,00 29,30 26,00 26,50 nein
1) rote Zahlen = preiswürdig bis zum Preis von … hellblaue Zahlen = Marktpreise zum 19.10.18

 

Die Marktpreise, außer für Sojaextraktionsschrot, beziehen sich auf eine Abnahme von mindestens 6 t. Bei kleineren Abnahmemengen werden i.d.R. 50 ct/dt aufgeschlagen. Bis auf Gerste und die Lupinen sind alle aufgeführten Futtermittel preiswürdig und können für die genannten Marktpreise zugekauft werden.

Allerdings liefert die Methode Löhr lediglich eine sehr stark vereinfachte Orientierung, da sie nur zwei Inhaltsstoffe der zu vergleichenden Futtermittel berücksichtigt. Eine genaue Aussage zur realen Preiswürdigkeit ist erst durch vergleichende Futterrationsberechnungen möglich, wo alle wesentlichen Inhaltsstoffe in den Vergleich mit einfließen. Dies ist jedoch sehr zeitaufwendig und nicht mal eben durch die Eingabe von zwei aktuellen Preisen (hier der Sojaextraktionsschrotschrot- und Weizenpreis) möglich.

Fazit für die Praxis

Insgesamt zeigen sich unter den gegebenen Wachstumsbedingungen sehr gute Futterqualitäten beim diesjährigen Getreide und den Leguminosen. Im Vergleich zu anderen Jahren sind bei allen Getreidearten außer beim Roggen niedrige Rohproteinwerte festzustellen. Die Rohproteingehalte liegen mit Ausnahme vom Roggen und den Ackerbohnen deutlich unter den DLG-Tabellenwerten. Die Energiegehalte entsprechen beim Getreide fast exakt den von der DLG veröffentlichten Werte und die Ackerbohnen liegen sogar leicht oberhalb dieser Werte. Grund dafür sind die erneut recht hohen Stärkegehalte beim Getreide und den Ackerbohnen.

Die Schwankungsbreite zwischen den einzelnen Proben ist beachtlich, so dass eine Untersuchung des betriebseigenen Getreides erfolgen sollte. Nur wenn Getreideanalyseergebnisse vorliegen, sind genaue Futterberechnungen möglich. Sie sind Grundvoraussetzung für optimale Leistungen bei den Tieren. Die Kosten für die Untersuchung können leicht durch bessere Leistungen oder durch geringere Futterkosten kompensiert werden.

Wegen der durchgehend trockenen Witterung zu den üblichen Infektionszeitpunkten mit Feldpilzen, wie Fusarien, ist das Getreide in diesem Jahr mehr oder weniger frei von Mykotoxinen. In diesem Jahr ist auch die Mutterkornbelastung als gering einzustufen.

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