Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Rinder

Investitionsklima in Russland für deutsche Landwirte optimal

Schwarzerdeböden sind fruchtbar und tiefgründig. Sie zählen zu den besten Böden der Welt. Auf einer sechstägigen Agrarstudienreise besuchten 140 deutsche Landwirte die Schwarzerderegion Russlands. Dort bekamen sie einen Einblick in die Bewirtschaftungsweise der Böden und besichtigten zwei Anlagen des größten Milchviehhalters Russlands – Stefan Dürr. Das große Land ist offen für ausländische Investoren und Knowhow. Das Investitionsklima für Milchviehenthusiasten ist so gut wie in kaum einem anderen Land. Landwirtschaftliche Betriebe sind von der Gewinnsteuer befreit und Investitionen in die Milchviehhaltung, inklusive dem Zuchtvieh werden mit 20 % staatlich bezuschusst. Rechnet man die Zinszuschüsse mit ein, kommt man schnell auf 40 – 50 % Investitionsbeihilfe. Der Selbstversorgungsgrad für Milchprodukte liegt bei 60 %. Diese Rahmenbedingungen laden Aufbruchwillige ausländische Milchviehspezialisten ein, die Koffer zu packen.

Das kontinentale Klima prägt die Landwirtschaft

2.300 km Luftlinie liegen zwischen dem Frankfurter Flughafen und dem der Hauptstadt der Schwarzerderegion Russlands, Woronesch. Die Millionenstadt liegt 500 km südlich von Moskau unweit vom Fluss Don. Blickt man auf die Landkarte Russlands, liegt dieser Ort weit im Westen. Fällt der Blick auf die riesigen Felder, kann man kaum glauben, dass diese Gegend die dichtbesiedeltes Russlands ist.

Es herrscht bereits kontinentales Klima. Aufgrund dieser Gegebenheit gibt es kein Ackerfutter, wie die Landwirte es in Deutschland kennen. Angebaut wird die tiefwurzelnde Luzerne und Silomais. Die Futterjahre sind klimatisch unberechenbar, deshalb muss immer auf Vorrat angebaut werden. Natürliches Grünland findet man auf allen unebenen und hügligen Flächen. Dieses wird kaum zur Milchviehfütterung genutzt. Das Klima führt auf diesen Flächen zu einer nährstoffarmen Steppenvegetation. Da in dieser Region kaum Wald natürlich wächst, verbuscht das karge Grünland viel langsamer als in den gemäßigteren Klimazonen.

Starke Förderung der Landwirtschaft durch den Staat

Vor der politischen Wende existierten in der Sowjetunion – ähnlich wie in der DDR – landwirtschaftliche Großbetriebe, die Kolchosen und Sowchosen. Private landwirtschaftliche Betriebe gab es nicht. Kolchosen, analog der LPG in der DDR, gehörten dem Volk und wurden von den sozialistischen Mitgliedern (Genossen) bewirtschaftet. Sowchosen, analog der VEB in der DDR, waren dem Staat gehörende landwirtschaftliche Betriebe mit festangestellten Lohnarbeitern. Nach 1991 konnte grundsätzlich jeder Landwirt Fläche bekommen.
Es bildeten sich langsam vier verschiedene Formen landwirtschaftlicher Betriebe aus:

  • Eine angepflockte Kuh
  • Familienbetrieb, 150 ha Fläche
  • GmbHs mit 3.000 – 20.000 ha Fläche
  • Agrarholdings mit bis zu 500.000 ha Fläche

Die Landwirtschaft, insbesondere der Milchsektor, wird aktuell staatlich stark gefördert. Landwirtschaftliche Betriebe sind befreit von der Gewinnsteuer. Für landwirtschaftliche Investitionen gibt es inklusive Zinszuschüsse 40 – 50 Förderung. Agrarholdings können mit modernen und neugebauten Milchviehanlagen im Schwarzerdegebiet durchaus mit umgerechnet 24 ct Vollkosten pro Kilogramm Milch wirtschaften (Tabelle 1). Mit entsprechendem Verhandlungsgeschick ist aktuell ein Milchpreis von 33 ct zu erzielen.

Tabelle 1: Mögliche Vollkosten einer modernen Milchviehanlage einer Agrarholding im Russischen Schwarzerdegebiet

Futter 8,0 Rubel 0,10 €
Remontierung 4,0 Rubel 0,05 €
Tierarzt/Besamung 1,0 Rubel 0,01 €
sonstige Kosten 1,0 Rubel 0,01 €
Zinsen -Zinszuschuss 1,0 Rubel 0,01 €
Lohn 1,0 Rubel 0,01 €
Afa 1,5 Rubel 0,02 €
Verwaltung 1,5 Rubel 0,02 €
Vollkosten, gesamt 18 – 19 Rubel 0,24 €
Milchpreis kg ECM 24 Rubel 0,33 €

Weitere Punkte:

  • 20 % Investitionszuschuss
  • 10 % Inflation
  • 11,5 % Zinsen für Darlehen
  • 11 % Zinszuschuss für Investitionen in die Milchproduktion

Angepflockte Kühe zur Selbstversorgung

Ein erfahrener Russlandkenner, selbst Russe und Begleiter investierender landwirtschaftlicher Unternehmen erklärte der Reisegruppe, dass ein großer Teil seiner Landsleute keine großen Milchviehbestände möge. So sieht man in den Dörfern die angepflockten Kühe zur Selbstversorgung, aber wenig Kuhställe im Land. Zudem erschwert der schwankende Wechselkurs den Kauf von ausländischen Maschinen und Kühen. In Russland werden überwiegend Fleckvieh und die russische Rotbunte gehalten. Die importierte HF-Genetik hat häufig ein Problem mit dem Klima und der Fütterung. Es fehlt zudem das Know-how, diese Kühe zu managen. Diese Herausforderung hat ein Deutscher, aus einem kleinbäuerlichen Betrieb im badischen Odenwald stammend, angenommen.

Ein Süddeutscher in Russland

Der 2015 erbaute Stall bietet Platz für 2800 Kühe.1989 bereiste Stefan Dürr im Rahmen eines Trainee-Programmes das erste Mal die Sowjetunion. Nach der Wende engagierte er sich für den Aufbau der landwirtschaftlichen Strukturen in Russland. 1993 gründete er sein Unternehmen Ekosem-Agrar und rief gleichzeitig den im deutschen Ministerium angesiedelten Deutsch-Russischen Agrarpolitischer Dialog ins Leben. Sein Unternehmen beschäftigte sich zunächst mit dem Import und Verkauf von Landtechnik sowie Saatguthandel. Vor zehn Jahren baute Dürr dann die Milch- und Fleischproduktion aus. Heute ist er der größte Milcherzeuger Russlands und der größte John Deere-Händler europaweit. In sechs über ganz Russland verteilten Regionen besitzt das als Agrarholding geführte Unternehmen sieben landwirtschaftliche Betriebe mit 27.800 Milchkühen. Mit Jungvieh und Fleischrindern zählt das Großunternehmen 60.000 Rinder. Stefan Dürr ist der Geschäftsführende Gesellschafter der Holding. In jedem der sieben Betriebe gibt es einen Geschäftsführer. In der Region Woronesch befindet sich der größte und viehstärkste Betrieb: 18.600 Milchkühe werden im Oblast Woronesch gehalten, 50 % der Gesamtfläche hier bewirtschaftet. 450 t Milch verlassen in dieser Region die Milchviehställe der Ekosem-Agrar. Diese Milch wird in 18 Ställen gemolken. Davon stehen jeweils 400 – 500 Kühe in 11 alten Anbindeställen, 600 Kühe in einem alten Stall der zu einem Laufstall umgebaut wurde und der Rest mit je über 1.000 Kühe in 6 neugebauten Boxenlaufställen. Der neuste Stall wurde letztes Jahr für 2.800 Kühe fertiggestellt.

Übersicht Ekosem-Agrar

  • Standorte in Russland: 6
  • Anzahl Betriebe: 7
  • Anzahl Mitarbeiter: 3650
  • Landwirtschaftliche Fläche: 200.000 ha
  • Gesamtzahl Rinder Ekosem: 60.000 (davon 28.000 Milchkühe, 4.300 Fleischrinder)
  • Täglich erzeugte Milchmenge Ekosem: 650 t
  • Jährlich erzeugte Milchmenge Ekosem: 230 Mio. L
  • Gesamtmenge Milch der russischen Milchwirtschaft/Jahr: 30 Mio. t (Jahr 2015)
  • Durchschnittsleistung pro Milchkuh in Russland: 4000 kg
  • Durchschnittsleistung Ekosem-Agrar: 8.200 kg
  • Größter Betrieb EkoNiva Agro, Woronesch: 102.100 ha (18 Ställe an 24 Standorten im Oblast Woronesch)
  • Anzahl Rinder am Standort Woronesch: 34.600 Rinder (18.600 Milchkühe)
  • Mitarbeiter am Standort Woronesch: 2065
  • Milchproduktion EkoNiva Agro, Woronesch: 450 t/Tag

Derzeit kauft Dürr weitere 4.600 Jungrinder aus Holland, Deutschland und Ungarn. Es sollen noch drei Milchviehanlagen entstehen. Von der Größe mit mehr als 2.400 Kühen gibt es aktuell 2 Anlagen im Unternehmen, die über jeweils ein 72er Melkkarussell verfügen. Die Anbindeställe werden in der nächsten Zeit nicht reduziert und oder geschlossen, da diese Betriebe mit einfachen Arbeiten der Region als wertvoller Arbeitgeber dienen. Zudem kostet der Umbau zu mehr Kuhkomfort in Anbindehaltung nur 400 €/Kuhplatz. Dagegen liegen die Investitionskosten der neugebauten Boxenlaufställe bei 4000 €/Kuh inkl. Jungviehplätze und Siloanlagen. Im Vergleich zu den Baukosten in den USA (Wisconsin) liegen diese Kosten etwas höher. Gegenüber Deutschlands Baukosten liegen sie weit drunter. Die Kosten in der Anbindehaltung sind höher, aber immer noch deckend.

Potential: In Russland mangelt es an veredelten Milchprodukten

Dürr erläutert der aufmerksamen Gruppe, dass die Verhandlungen mit den Molkereien auf Augenhöhe verlaufen. „Wir liefern hier nicht Milch ab und schauen dann mal was rauskommt. Mit einer unserer abnehmenden Molkereien, Danone, wird der Milchpreis auf ein Jahr festgelegt mit einer vertraglich gebundenen Menge. In den anderen Molkereien werden Monatsverträge ausgehandelt.“

Die russische Milchwirtschaft erzeugt rund 30 Mio. t Milch (Stand 2015). Im Vergleich dazu lag Deutschland im gleichen Jahr bei 32 Mio. t. Die Durchschnittsleistung pro Milchkuh beträgt in Russland 4.000 kg. Die Milchleistung schwankt unabhängig von der Betriebsgröße zwischen 3.500 kg und 9.000 kg. Der Selbstversorgungsgrad für Milchprodukte liegt in Russland derzeit bei ca. 60 %. „Wir wissen jetzt wie Kuhställe gebaut werden“, sagt Stefan Dürr. Momentan mangelt es an veredelten Milchprodukten. So besteht der Käse beispielsweise aktuell aus 20 – 80 % Palmöl.

Großspuriges Reden oder wichtigtuerisches Gehabe ist dem Deutschen fremd. Stefan Dürr ist bei allem Erfolg menschlich und bodenständig geblieben. Natürlich gibt es auch Probleme. Das Hauptproblem besteht neben dem Wetter in der Suche nach fähigen Mitarbeitern. Es ist nicht leicht für diesen modernen Milchviehbetrieb geeignete Arbeitskräfte auszubilden und diese zu halten. Beispielsweise finanziert Ekosem das Studium für angehende Agrarwirte oder bildet ungelernte Arbeiter für Spezialaufgaben (Fütterung, Besamung, Nachsorge Transitkühe, Melker, etc.) aus.

Milcherzeugung nach amerikanischem Vorbild

Der knapp 30-jährige Schweizer Ramon Schenk hat seit 2013 die Verantwortung über den gesamten Milchviehbestand der Ekosem-Agrar. Mehrmals besuchte er Milchviehbetriebe in den USA, um sich das Knowhow des Managements großer Milchviehbestände anzueignen. Dennoch zählt kein Milchviehstandort der Ekosem-Agrar mehr als 2.800 Kühe. „Damit dämmen wir die Seuchengefahr ein und das Management der Herde ist für den Anlageleiter mit dieser Kuhzahl noch zu bewältigen. Außerdem passt die Logistik gut und die Entfernung zu den Silofutterflächen wird nicht zu groß“, so Schenk. Ziel ist es, im Durchschnitt aller Kühe 9.000 kg Milch zu melken. Das soll möglichst mit einem einfachen System realisiert werden. So sind die Kühe in vier Leistungs- und zwei Trockenstehergruppen mit einer angepassten Totalmischration eingeteilt. Die Ration der hochleistenden Gruppe ist beispielsweise auf 40 kg Milcherzeugung ausgelegt, mit folgenden Komponenten: Luzerne- und Maissilage, Gerstenschrot, Körnermais, Raps- und Sojaextraktionsschrot, Trockenschnitzel, Mineralstoffe, Salz, Pansenpuffer und geschütztem Fett. Je nach Qualität des Grundfutters wird die Ration ergänzt und auf 16,5 -17,3 % Rohprotein, 23 – 27 % Stärke, und 22 – 25 % NDF aus dem Grundfutter eingestellt, und dann gruppenabhängig mit 22 – 27 kg Trockenmasse pro Kuh gefüttert. Die Ration der Hochleistungsgruppe besteht abhängig von deren Qualität aus 45 – 65 % Grundfutter. Neben dem Eiweiß ist die Luzernesilage ein wertvoller Strukturfutterlieferant.

Der Stärkegehalt im Silomais liegt zwischen 25 – 35 % in Abhängigkeit vom Jahreswitterungsverlauf und der Trockenheit. Es kann nur Silomais mit einer FAO-Zahl bis 240 angebaut werden. Dieser erreicht zur Ernte 30 – 37 % Trockenmasse. Die Milchleistungen lagen vor der sommerlichen Hitzeperiode je nach Anlage derzeit zwischen 29 und 34 kg Milch, wobei die Hitze 2 kg Milch kostete. Die Trockensteherrationen werden aufgrund der kalziumreichen Luzerne mit Sauren Salzen angemischt. In der Frischabkalber-Gruppe wird eine strikte Gesundheitsüberwachung durchgeführt (Fiebermessen, Ketosetest, usw.).

Tailpainting zur BrunstkontrolleAuch das Fruchtbarkeitsmanagement wird einfach aber konsequent durchgeführt. Die Fruchtbarkeitsgruppen werden täglich im Fressgitter auf Brunstanzeichen von einer Person kontrolliert. Mit Kreide wird dazu ein Strich auf den Rückenkamm am Schwanzansatz gezeichnet. Springen andere Kühe auf, reibt sich die Kreide ab. Am nächsten Morgen erfolgt die Kontrolle und Besamung. Mit diesem System, genannt „Tail chalking“, spart Schenk eine 300.000 Euro teure automatische Brunsterkennung für den 2.800 Kühe zählenden Bestand. Die freiwillige Wartezeit beträgt 50 Tage. Alle Tiere, die sich nicht bis zum 65. Melktag unter diesem System gezeigt haben, werden ab dem 65. Tag hormonell aktiviert (Presynch, Ovsynch). Bis zum 83. Melktag sind 100 % der Kühe belegt! Dabei werden 70 % der Kühe nach Brunstbeobachtung und 30 % der Kühe nach Ovsynch besamt. Als Erfolgskennzahl nutzt Schenk die amerikanische Pregnancy Rate.

Die PregRate beinhaltet die Heatdetection Rate und die Conception Rate. Sie sagt aus, wie viele der Kühe, die zum belegen anstanden, tatsächlich belegt wurden, und wie viele davon dann auch wirklich trächtig wurden. Damit erhält der Herdenmanager einen aktuellen Überblick, ob das Fruchtbarkeitsteam zum momentanen Zeitpunkt (Rückblick auf letzte 3 Monate) seine Arbeit korrekt macht oder nicht. Verwechseln sollte man diese Zahl nicht mit der deutschen Kennzahl Trächtigkeitsrate.

Fünf- bis siebenmal in der Woche wird ein Klauenbad mit Kupfersulfat durchgeführt. Der Klauenschnitt erfolgt zweimal, jeweils zwei Wochen vor dem Trockenstellen und zwischen dem 90. und 120. Melktag. In den neugebauten Ställen mit über 1.000 Kühen wird dreimal in 12-Stundenschichten gemolken. Das Karussell bewegt sich 21 Stunden am Tag. In einer Stunde werden 400 Kühe gemolken. Um die Belastung für das Melkpersonal zu verringern, setzt Schenk auf extra leichte Melkbecher aus Kunststoff. Über dem Vorwartehof läuft ein Ventilator und bei heißen Temperaturen ein Wassersprenger. Die Tiefboxen werden im Sommer mit Sand und im Winter (Kälte) mit Stroh eingestreut. Es gibt Güllelagunen aber keinen Gülleabwurfschacht am Ende der planbefestigten Laufgänge. Dafür hat eine Person die Aufgabe, mit einem 18 m³-Güllesaugfass jedes Mal, wenn die Kühe beim Melken (3-mal pro Tag) sind, die Laufgänge abzusaugen.

Die neugebauten Ställe im Oblast Woronesch wurden mit zweireihig angeordneten Liegeboxen gebaut, in der die Kühe in 200er Gruppen aufgeteilt sind. Auf einem Standort Woroneschs südlich des Flusses Don arbeiten insgesamt 90 Mitarbeiter in der Anlage mit 6.000 Stück Vieh, davon 2.800 Kühe. Dazu gehören auch der Servicetechniker, Besamungstechniker und ein Tierarzt, nicht aber die Silobergung oder anderen Feldfutterarbeiten. Schenk kommentiert die erstaunten Blicke „Wenn man in Deutschland in den kleineren Beständen alle ausgelagerten Arbeiten, wie Tierarzt oder Klauenpfleger dazurechnet, kommt man auf einen ähnlichen Arbeitskräftebesatz.“

Leben in Woronesch

Sortiment eines kleinen Ladens.Momentan erlebt Russland eine ähnliche Krise wie in den 90er Jahren. Das Bruttosozialprodukt liegt auf einem niedrigen Niveau und die Inflation beträgt 15 – 19 %. Der durchschnittliche Lohn in der Stadtbevölkerung Woronesch beträgt 320 € pro Monat und die Renten sind niedrig. „Davon müssen 50 % für Lebensmittel und 49 % für die Miete aufgewendet werden. Das restliche eine % bleibt für Kleidung, Auto, Kino“, so der Schweizer Tobias Schenk, der seit mehreren Jahren russische Unternehmen beratend begleitet. Dieses Bild spiegelt sich auch in den Vorgärten der Häuser außerhalb Woronesch wider. Wo in Deutschland Schnittblumen und feinster Rasen wachsen, werden hier Gemüse, Kartoffeln und Obst angebaut. Momentan kostet in Russland 1 L Milch umgerechnet 67 ct, 180 g Butter 1,80 € und 1 kg Mettwurst 5,33 €. „Heute ist im Oblast Woronesch alles unter dem Pflug. Vor 10 Jahren war nur 60 % der Fläche bewirtschaftet“, erläutert Tobias Schenk. Die Kaufkosten besten Ackerlandes liegen zwischen 700 und 1.000 €, die Pacht bei 20 € im Jahr, welche bar oder in Naturalien bezahlt wird. Die Anzahl von Agrarholdings stagniert bzw. sinkt sogar leicht. Die Flächenanzahl, die einzelne Holdings bewirtschaften, hat dramatisch zugenommen (Konzentrationsprozess). 2015 bewirtschafteten 43 Agrarunternehmen 10.450.000 ha in Russland. Zum Vergleich hat Deutschland insgesamt nur 12.000.000 ha Ackerfläche.

Ausländische Agrarfachleute sind in Russland willkommen

Russlands Ziel ist, sich mit landwirtschaftlichen Produkten selbstversorgen zu können und Getreide für den Weltmarkt zu produzieren. Momentan liegt der Förderschwerpunkt in der Milchproduktion. „Wer sich der Herausforderung stellen und die Enge der heimischen Landwirtschaft verlassen möchte, ist herzlich eingeladen in Russland Fuß zu fassen.“ Diesen Satz hörte die Reisegruppe nicht nur von Stefan Dürr, sondern auch vom Woronescher politischen Vertreter der Landwirtschaft. Ausländische Agrarfachleute werden in Russland mit offenen Armen empfangen. Das betrifft insbesondere Milchviehspezialisten.

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