Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Ökologische Tierhaltung

Die Schaffütterung im Blick

Am 12.10. fand in Großalmerode ein Seminar für Schaf- und Ziegenhalter statt, das sich mit der Gewinnung und Lagerung von Winterfutter, sowie der Gestaltung der Fütterung während der Stallhaltungsperiode im Winter beschäftigte. Die Veranstaltung wurde gemeinsam vom Bioland Verband und dem Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) organisiert. Im Anschluss an die Vorträge von Frau Manek (Bioland) und Herrn Quanz (LLH) besichtigten die Teilnehmer den Öko Schafbetrieb von Burckhard Ernst in Gut Giesenhagen.

Vorgaben bei Öko-Schafhaltung

Einsatz einer Schafherde in der Naturschutzpflege
Schafhalter Burkhardt Ernst präsentierte den Teilnehmer seine Schafherde, die in der Naturschutzpflege eingesetzt wird
Frau Manek zeigte zunächst die Vorgaben der Öko Schafhaltung auf. Gemäß dem Kreislauf Gedanken muss das Futter biologisch angebaut sowie selbst erzeugt sein und überwiegen auf Raufutter vorliegen. Die Anerkennung als Öko Futter erfolgt nach einer zwei jährigen Umstellungsphase. Für Wanderschäfer stellt das Angebot an Öko Futterflächen eine Herausforderung dar, weshalb jährlich ein Anteil von 10 % konventionell erzeugtem Futter zugelassen ist.

Der Blick fürs Tier ist wichtig

Bei der Rationsgestaltung ist darauf zu achten, welchen Bedarf die eigene Herde zu decken hat. Unterschiede der verschiedenen Futterverwertungs- und Leistungstypen müssen beachtet werden. In der Praxis können zwar nicht mehrere Rationen gleichzeitig angeboten werden, aber der Blick für das Tier ist wichtig um notfalls Korrekturen vorzunehmen. „Die Schafe haben keine Wahl, da wir Ihnen eine fertige Futterration vorsetzen“ sagt Frau Manek und mahnt, dass Fehler beim Stoffwechsel oftmals nur beim Tier gesucht werden. Zur korrekten Futterberechnung gehört demnach auch die Kenntnis über Energie- und Proteingehalt der zur Verfügung stehenden Futtermittel. Als Wiederkäuer sind Schafe beim Aufschluss von Cellulose auf die Mithilfe von Mikroorganismen im Pansen angewiesen. Damit diese ein optimales Milieu vorfinden muss ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Protein und Energieversorgung gefunden werden. Andernfalls würde es durch eine verstärkte Säurebildung, zu einer ph Wert Senkung im Pansen kommen, die zum Absterben der Pansen Mikroben führen würde.

Einflussfaktoren der Futtergewinnung

Erläutertung der Futterwerttabelle - Optimale Rationsgestaltung beim Schaf
Herr Quanz vom LLH erläutert an Hand der Futterwerttabelle die optimale Rationsgestaltung beim Schaf
Standortfaktoren und Wettereinflüsse beeinflussen in hohem Maße die Zusammensetzung der Weide bzw. Mähflächen. Durch den Schnittzeitpunkt und der Schnitttiefe, und anschließend korrekten Lagerung hat der Schafhalter Möglichkeiten die Qualität des Winterfutters zu beeinflussen, so Quanz in seinem Vortrag. Ein tiefer Schnitt lässt der Restpflanze zu wenig Assimilationsmasse um schnell wieder austreiben zu können. Negative Folgen sind aber auch zunehmende Verunkrautung und höhere Aschegehalte im Futter, die den Futterwert sinken lassen. Bei Siloballen ist es wichtig diese vor Vögeln sowie Nagetieren zu schützen. Empfohlen werden deshalb Schutznetze und besser die Lagerung in einer Halle. Beim Anlegen eines Fahrsilos ist die Größe der Herde zu beachten, damit später der nötige Vorschub erreicht wird, zum Schutz vor Nacherwärmung.

Vom Futter zur Leistung

Die Rationsberechnung ist erst der erste Schritt zur korrekten Fütterung. Beachtung finden sollte auch, dass die berechnete Ration nicht die aufgenommen und erst Recht nicht die umgesetzte Ration sensibilisiert Quanz. Wenn Schafe „abfleischen“ können sie das kurzzeitig kompensieren, jedoch sollte die Fütterung angepasst werden. Die Körperkondition kann schnell und einfach durch den Metzgergriff in die Flanke erfasst werden. Zum Ende der Trächtigkeit hat das Schaf den höchsten Nährstoffbedarf. Gleichzeitig ist die Energiezufuhr durch die heranwachsende Frucht und damit begrenzte Futteraufnahme beschränkt. Eine höhere Energiekonzentration in der Ration ist dann gefordert. Sollte dies aus dem eigenen Futter nicht erreicht werden können muss ein Zukauf erfolgen.

Herdenschutzhunde zum Schutz vor großem Raubwild
Herdenschutzhunde werden zum Schutz vor großem Raubwild wie z.B. dem Wolf eingesetzt
Am Nachmittag stellte Herr Burkhardt Ernst aus Großalmerode den Teilnehmern seinen Betrieb vor, der nach den Bioland Richtlinien geführt wird. Er führt die Zucht von Rhönschafen auf dem Betrieb fort, da diese alte Schafrasse sehr gute Muttereigenschaften besitzt. Röhnschafe geben auch noch Milch, bei geringem Futterangebot, haben kaum Klauenprobleme und sind gegen ungünstige Witterungsbedingungen unempfindlicher als andere Rassen, berichtet Ernst. Ein Nachteil ist jedoch, dass sie weniger bemuskelt und somit einer modernen Fleischrasse unterlegen sind. Die Lämmer wachsen langsamer und neigen früher zur Verfettung. Ernst setzt deshalb auf Kreuzung von Rhönschafen mit einer leistungsfähigeren Rasse (Ile de France). Die weiblichen Kreuzungstiere werden zur Lämmererzeugung eingesetzt, die männlichen werden geschlachtet. Die Kreuzungsschafe werden schließlich mit einer weiteren Rasse angekreuzt (Dorper), was zu einem besonders wachstumsfrohen und fleischhaltigen Endprodukt führt.

Für die Schafe stehen Grünlandflächen rund um den Betrieb zur Verfügung. Neben den Schafen nutzt er die Flächen auch für die Haltung von Hühnern, Gänsen und Enten. Von Schafen allein kann der Betrieb nicht genügend Einnahmen erzielen. Die Erlöse aus dem Lämmerverkauf sind die wichtigste Einnahmequelle für die Schäferei. Die Kosten für den Betrieb sind in den letzten Jahren stetig gestiegen. Nun kommt auch noch der Schutz der Schafe gegen Luchs und Wolf hinzu. Dazu hält der Betrieb Ernst Herdenschutzhunde, die in der Anschaffung und Haltung erhebliche Kosten verursachen. Darüber hinaus kommt noch die Ausbildung und Betreuung der Hunde hinzu.