Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Schafe & Ziegen

Gesundheitsmanagement stand im Fokus des Hessischen Ziegentages

Der diesjährige 11. hessische Ziegentag, der am 02.02. in Gießen stattfand, befasste sich vorrangig mit der Vorbeugung, Erkennung und Behandlung von Seuchen und Krankheiten.
Der LLH Hessen hatte in Kooperation mit der Justus – Liebig – Universität Gießen und dem Hessischen Ziegenzuchtverband in die Klinik für Geburtshilfe, Gynäkologie und Andrologie der Groß- und Kleintiere mit Tierärztlicher Ambulanz (KGGA) der Justus-Liebig-Universität Gießen eingeladen.

Den Auftakt machte Herr Dr. Henrik Wagner, Organisationsleiter und Tierarzt an der Klinik für Wiederkäuer der Uni Gießen. Er sprach über die momentane wiederkehrende Problematik der Blauzungenkrankheit bei Schafen und Ziegen. Das große Problem, laut Wagner, sei die Impffaulheit der Tierhalter. Nach den Krankheitsausbrüchen in den Jahren 2006-2009, war Deutschland offiziell von 2012-2018 frei von dieser Tierseuche. Doch nachdem zum 1.1.2010 die Impfverpflichtung aufgehoben wurde, hätten viele Tierhalter aufgehört zu impfen.
Überträger der Viruserkrankung, die mit Fieber, Ödemen sowie Entzündungen und Blutungen in den Schleimhäuten und vermehrtem Speichelfluss einhergeht, sind kleine Mücken der Gattung Culicoides (= Gnitze). Durch die globale Erwärmung breiten sich diese immer mehr aus. Umso wichtiger sei eine freiwillige Schutzimpfung der Tiere gegen BTV-8 und BTV-4. Zudem sei das Verbringen geimpfter Tiere aus einem Restriktionsgebiet unter erleichterten Bedingungen möglich. Auch sei der Kostenfaktor einer Impfung gering im Vergleich zum wirtschaftlichen Verlust eines Tieres, so der Tierarzt. Jetzt sei der optimale Zeitpunkt für eine Prophylaxe, denn aufgrund der niedrigen Temperaturen sind kaum Gnitzen unterwegs.

Toxoplasmose und Neosporose – Ursachen für Aborte und Totgeburten bei Ziegen?

Dr. Rodolfo Villagra referierte über seine Untersuchungen zu Aborterregern bei Ziegen in Hessen. Dabei befasste er sich mit den abortauslösenden Parasiten, Toxoplasma gondii und Neospora canium. Der Endwirt von T. gondii ist die Katze und bei den protozoären Erreger N. caninum der Hund. Beide scheiden infizierte Oozysten mit dem Kot aus, die dann wiederum von Zwischenwirten oral aufgenommen werden können. Untersucht wurden 415 Ziegen aus 26 Betrieben in Hessen. Viele der Ziegen haben Kontakt zu den Hauptüberträgern Hund und Katze oder stehen zusammen mit anderen anfälligen Zwischenwirten auf der Wiese. „Im Bereich der Wiederkäuer zählt normalerweise die Neosporose zu den am häufigsten diagnostizierten Ursachen für Rinderaborte. Dies scheint aber bei Ziegen kein großes Problem zu sein“, so Villagra. Die Tiere wurden auf das Vorhandensein spezifischer Antikörper gegen den abortiven Parasiten N. caninum untersucht. Es wurden nur drei Tiere gefunden, die mit N. caninum infiziert waren, zwei aus einem Bestand in Mittelhessen und eine aus einem nordhessischen Bestand. Dagegen gab es 244 positive Blutproben für T. gondii. Bei keinem der Tiere wurden jedoch klinische Symptome beobachtet. Das größte Problem sieht Villagra in dem Kontakt mit kontaminiertem Futter und Wasser durch Kot von Katzen oder Hunden, die mit im Stall leben.

Auf das Parasitenmanagement kommt es an

Auch Tierarzt Wagner ging mit seinem Vortrag über das Parasitenmanagement auf die Probleme mit Parasiten in der Ziegenhaltung ein. Durch den falschen oder unzureichenden Einsatz von Anthelminthika käme es zur Resistenzbildung. Der Infektionsdruck steige im Laufe des Jahres immer mehr an, sodass man gleich mehrere „Wurmgenerationen“ bekämpfen muss, erklärte Wagner. Auch eine fehlende Zulassung der Anthelminthika für Ziegen sei ein Problem. Viele Medikamente müssten erst umgewidmet werden und es entstünden lange Wartezeiten. „Für die Bio-Betriebe verdoppelt sich die reguläre Wartezeit und das ist für viele Betriebe ökonomisch nicht tragbar“, sagte Wagner. Ebenfalls vergessen viele Tierärzte, die Dosierungsmenge, die für Ziegen doppelt so hoch ist wie für Schafe, auf dem Anwendungs- und Abgabebeleg anzupassen. Wagner betonte daher, wie wichtig eine gute Bestandsbetreuung und ein gutes Weidemanagement sei. Routinemäßige Kotprobenkontrollen und eine korrekte Dokumentation seien zwei wesentliche Maßnahmen für eine erfolgreiche Parasitenbekämpfung.
Weiterhin referierte er über die Möglichkeiten einer Parasitenresistenzzucht, um Tierverluste durch Parasiten zu minimieren. Um die tatsächliche Parasitenbelastung der Tiere zu reduzieren, sollte eine korrekte Bestandsuntersuchung durchgeführt werden. Dafür wird die Anzahl der Parasiteneier pro Gramm Kot ermittelt und dann eine planmäßige und gezielte Entwurmung durchgeführt. Wagner schlug vor, nicht immer die ganze Herde zu entwurmen, sondern sich auf die schwächsten Tiere zu beschränken. Auch Kotprobenkontrollen nach den Behandlungen trügen entscheidend zur Herdengesundheit bei.

Scrapie-Anerkennungsverfahren für Zuchtziegen in Hessen

Frau Dr. Mirjam Rohde vom Landesbetrieb hessischer Landeslabore (LHL) referierte über den Umgang mit der Tierseuche Scrapie. Scrapie oder auch Traberkrankheit genannt, gehört zur Gruppe der transmissiblen spongiformen Enzephalopathien (TSE) und ist damit anzeigepflichtig. In Deutschland seien 362 bestätigte Scrapie-Fälle zwischen 1990 und 2018 gemeldet worden, 25 davon in Hessen.
Die EU-Verordnung VO (EU) Nr. 999/2001 stellt die rechtliche Grundlage aller TSE-Untersuchungen dar und wurde 2013 verschärft. Danach ist die Verbringung von Schafen und Ziegen in/aus Drittländer/n nur mit gültigem Status erlaubt. Um den Eingangsstatus „kontrolliertes Risiko“ zu erreichen, muss die Einhaltung spezieller Anforderungen über drei Jahre hinweg gewährleistet sein. Beim „vernachlässigbaren Risiko“ sind es sieben Jahre. Für den Austausch und Kontakt von Tieren wird der jeweils gleiche Status benötigt. Auch müssen alle über 18 Monate alten, verendeten oder nicht zum menschlichen Verzehr geschlachteten Schafen und Ziegen auf TSE untersucht werden.

Um in Zukunft einen problemlosen Austausch von Zuchtziegen, die den gleichen Status besitzen, zu gewährleisten, stellte Rohde die Möglichkeit für ein Anerkennungsverfahren zum Erhalt des Status „Betrieb mit kontrolliertem Risiko“ für klassische Scrapie vor. Dieses Verfahren wurde 2008 in Hessen eingeführt und beinhaltet jährliche Kontrollen, die durch das Veterinäramt oder vom LHL durchgeführt werden. Rhode wies darauf hin, dass bis zu 80 % der Kosten von der hessischen Tierseuchenkasse übernommen werden, wenn die Kontrolle jährlich vom LHL zusammen mit der Pseudo-TBC-Untersuchung durchgeführt wird.

Am Nachmittag wurde „gemeckert“ – die praktische Arbeit am Tier

Am Nachmittag demonstrierte Wagner den richtigen Arzneimitteleinsatz an zwei Ziegenböcken. Besonders bei der oralen Verabreichung von Wurmmitteln passierten laut Wagner viele Fehler. „Man muss darauf achten, dass die Eingabespritze für das Wurmmittel bis über den Zungengrund geschoben wird, bevor dieses verabreicht wird“, erklärte der Tierarzt. Auch sollte die Dosierung nach Gewicht erfolgen. Wagner zeigte ebenfalls die korrekte Vorgehensweise und die optimalen Stellen für die Verabreichung von intramuskulären und subkutanen Injektionen. Abschließend demonstrierte er die richtige Applikation von „Pour-On“ Medikamenten. Hier sei es entscheidend, dass das Medikament auch wirklich Kontakt zur Haut bekäme.

Mit der Betriebsvorstellung von Tobias Groh, der seine ökologische Thüringer Wald-Ziegen-Zucht vorstellte, endete der 11. Hessische Ziegentag. Die Rasse gehört zu den bedrohten Ziegenrassen und dient neben der Milchgewinnung auch zur Fleischnutzung. Die alte Landrasse ist robust und genügsam und besitzt eine hohe Fruchtbarkeit mit guten Muttereigenschaften.

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