Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Schafe & Ziegen

Landes-Herdbuchschau für maedi-unverdächtige Schafzuchtbetriebe 2018

Der Hessischer Verband für Schafzucht und -haltung e.V. hat am 01.07.2018 eine Landesschau durchgeführt, für die ausschließlich Herdbuchtiere aus maedi-unverdächtigen Beständen gemeldet werden konnten. Die Landesschau war an das Mohnblütenfest auf dem schönen Festgelände am Eberstätdter Weg in Pohlheim-Holzheim angegliedert.

Betriebsstatus „maedi-unverdächtiger Betrieb“:

Die Hessische Landesregierung unterstützt seit vielen Jahren ein Untersuchungs- und Sanierungsprogramm, durch das Schafhalter in Folge regelmäßiger Blutuntersuchungen ihrer Tiere auf Antikörper gegen das Maedi-Visna-Virus und konsequentes Merzen aller positiven Reagenten den Status „maedi-unverdächtiger Zuchtbetrieb“ erreichen können. Die Anerkennung nach erfolgreicher Sanierung ist mit den Auflagen verbunden, beim Zukauf ausschließlich auf Tiere aus Herden zu zugreifen, die den gleichen hohen Gesundheitsstatus haben. Außerdem müssen die Statusbetriebe gewährleisten, dass Ihre Tiere zu keiner Zeit Kontakt haben mit Schafen oder Ziegen, deren Status schlechter oder zweifelhaft ist, was den Besuch von offenen Schaf- und Ziegenveranstaltungen extrem einschränkt. Deshalb sind die Maedi-Statusbetriebe ausschließlich auf Veranstaltungen mit entsprechend eingeschränkten Auftriebsbedingungen zu sehen, wie der Landesschau für maedi-unverdächtige Zuchtbetriebe in Pohlheim. Nähere Auskünfte zum Sanierungsverfahren in Hessen erteilt der Schafgesundheitsdienst der Landesverwaltung und der Hessische Verband für Schafzucht und –haltung e.V.

Das Maedi-Visna-Virus gehört zur Gruppe der „Lenti-Viren der Kleinen Wiederkäufer“ und ist nahe verwandt mit dem CAE-Virus („Caprine Arthritis-Enzephalitis“) der Ziegen, für das es ebenfalls ein Sanierungsprogramm gibt. Bei Schafen werden nach Infektion durch die Lenti-Vieren häufig chronische Lungenbeschwerden und Schädigungen des Zentralen Nervensystems ausgelöst. In der Schafhaltung wird eine starke Prävalenz bestimmter Rassen beobachtet (z.B. Ostfriesisches Milchschaf, Dorper, Texel) die häufig schwerere Verläufe zeigen. Bei Ziegen sind als Krankheitssymptome vorwiegend Gelenksentzündungen und ebenfalls Störungen des Zentralen Nervensystems und seltener auch Mastitiden (Euterentzündungen) zu beobachten. Die Untersiede in der Empfänglichkeit der Rassen ist bei Zeigen nicht deutlich. Beide Erkrankungen, Maedi und CAE gehören zu den „Meldpflichtigen Tierseuchen“. Für Menschen sind die Erreger ungefährlich.

32 Tiere aus fünf hessischen Zuchtbetrieben und drei verschiedenen Rassen wurden zur Landeschau aufgetrieben.

Dabei konnte Zuchtleiter Arnd Ritter den interessierten Besuchern drei besondere Schafrassen vorstellen. Drei Kollektionen der Rasse Dorperschaf wurden komplettiert durch je eine Gruppe Barbados Blackbellys und eine Auswahl Ostfriesischer Milchschafe.

Harte Konkurrenz auf hohem Niveau

Schafe
Zuchtberater Martin Steffens (im Bild rechts) beglückwünscht Züchterin Gertrud Klee, Pohlheim (Bild Mitte), zum besten Mutterschaf der Rasse Dorper. Im Bild links Eduard Scherer aus Ottrau mit der Siegerin der älteren Mutterschafe der Rasse Dorper. Sie überzeugte die Preisrichter durch eine hervorragend ausgebildete Bemuskelung und tadelloses Abhaarverhalten.

Der Zuchtleiter freute sich zusammen mit seinem Preisrichterkollegen, Martin Steffens aus Langgöns besonders über die Qualität der starken Dorper-Konkurrenz. Diese spezielle Veranstaltung bot die seltene Gelegenheit, die Zuchtarbeit dieser auch über die hessischen Landesgrenzen hinaus bekannten und aktiven hessischen Dorperzüchter direkt zu vergleichen. Frank Drössler aus Bad Arolsen-Mengeringhausen, die Lokalmatadoren Getrud und Karl-Heinz Klee und Eduard Scherer aus Ottrau lieferten sich einen spannenden Wettkampf um die begehrten Ehrenpreise. Familie Klee zeigte einen besonders wuchtigen zweieinhalbjährigen Zuchtbock der aus der konkurrierenden Zuchtstätte von Eduard Scherer stammt. Dieser schwere Bock stand beispielgebend für die hervorragenden Masteigenschaften und die Fleischfülle dieser Rasse. Allein die ungünstige Hornstellung bewog die Juroren dazu, diesen prächtigen Dorper-Bock auf den Ib-Rang zu stellen. Eduard Scherer selbst war mit einem selbstgezogenen, eineinhalbjährigen Jung-Bock mit einer sehr interessanten Abstammung am Start. Der Vater des gezeigten Zuchtbockes stammt aus einer Embryotransplantation und erblickte das Licht der Welt in Schweden. Die beiden genetischen Eltern des Vaters stammen aus einer namenhaften Zuchtstätte in Australien. Der vorgestellte Jungbock überzeugte die Preisrichter durch ein korrektes Fundament. Das Abhaarverhalten wurde mit der Bestnote 9 bewertet. Die leichte Unebenheit in der Rückenlinie des jungen Bockes führten jedoch in der äußerst starken Konkurrenz zur Rangierung auf den Ic-Platz.

Frank Drössler sicherte sich mit seinem Dorper-Bock „Inky“ aus der Zucht Petersen in Mecklenburg-Vorpommern den ersten Platz im Klassement. Der hornlose, knapp dreijährige Bock zeigte sich in hervorragender Schaukondition und überzeugte die Preisrichter durch sein tadelloses Haarkleid, korrektes Fundament und Gebiss, eine lange Rückenpartie und gute Bemuskelung.

Schafe
Zuchtleiter Arnd Ritter (im Bild links) vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) verleiht Dorper-Züchter Frank Drössler aus Bad Arolsen-Mengeringhausen die LLH-Preismünze in Bronze für die beste Sammlung und der Schau.
Die weiblichen Tiere der Rasse Dorper wurden in fünf Altersklassen bewertet. Hier zeigten sich die Stärken der drei beteiligten Zuchtstätten besonders gut. Die beiden Siegertiere der älteren Klassen aus dem Jahrgang 2013 und 2014 stellte Eduard Scherer aus Ottrau. Seine Auen bestachen durch ein gutes Abhaarverhalten, korrektes Exterieur und eine für weibliche Tiere enorme Bemuskelung. So konnte nicht überraschen, dass diese beiden Klassenersten im Anschluss, auch als Sieger und Reservesieger der älteren Klassen ausgezeichnet wurden.

Im mittleren Alterssegment überzeugte die Juroren ein sehr harmonisches, knapp vierjähriges Mutterschaf aus der Zucht Frank Drössler, welches sinnbildlich die Stärken der Zuchtstätte demonstrierte. Drössler führt die erste in Hessen registrierte Herdbuchzuchtstätte dieser Rasse und hat von Beginn an Wert gelegt auf gutes Abhaarverhalten, korrektes Fundament und eine harmonische Äußere Erscheinung.

Die jüngeren beiden Altersklassen der weiblichen Dorper dominierte Familie Klee aus Holzheim. Klees zeigten eine Auswahl ihrer Zuchtherde die in nächster Nähe zum Ausstellungsgelände graste. Beide Klassesieger überzeugten durch eine enorme Körperentwicklung und ausgezeichnete Körperkondition trotz guter Fruchtbarkeit bei laufender Säugeperiode. Mit Katalog-Nr. 21 wurde ein Mutterschaf der Zuchtstätte Klee im Anschluss als weibliche Gesamtsiegerin der Rasse erkoren und lies damit Katalog-Nr. 9, Siegerin der jüngeren Klassen aus dem Betrieb Scherer knapp hinter sich.

Das gleiche Bild einer engen Konkurrenz auf hohem Niveau zwischen den drei beteiligten Dorper-Zuchtstätten zeigte sich auch in der Konkurrenz um die beste Sammlung der Rasse. In einer knappen Entscheidung wurde die Züchtersammlung aus drei Mutterschafen und einem Bock aus der Zucht Frank Drössler mit dem Siegerpreis, der Preismünze des Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen in Bronze für besondere Erfolge in der Tierzucht ausgezeichnet. Letztendlich gab die beste Ausgeglichenheit dieser Zuchtkollektion dem Ausschlag für die Juroren bei der Wahl der Siegergruppe.

Schönheiten aus der Karibik in Pohlheim

Dagmar Meyer aus Schöffengrund zeigte die Produkte ihrer über die hessischen Grenzen hinaus engagierten Zuchtarbeit der eleganten Rasse „Barbados Blackbelly“, einer Haarschafrasse die, wie es der Name nahelegt, ihren Ursprung auf der Südseeinsel Barbados hat. Entsprechend selten ist die Rasse in Mitteleuropa. Der Veterinärmedizinerin ist diese hornlose Haarschafrasse mit der attraktiven zweifarbigen Äußeren Erscheinung ans Herz gewachsen und so rekrutiert sie weiter Liebhaber und Herdbuchzüchter der Rasse in Hessen und im Bundesgebiet. Mit der ausgestellten Kollektion an fünf weiblichen Tieren und einem jungen Zuchtbock demonstrierte die Züchterin ihre Erfolge bei der Erforschung und Konsolidierung des knappen Genpools in Deutschland und Mitteleuropa. Ihre weiblichen Tiere erfreuten die Juroren besonders im Hinblick auf die hervorragenden Euter- und Zitzenformen und ein ausgeglichenes glänzendes Haarkleid. Der ausgestellte Jungbock, Obsidian, dieser extensiven Landschafrasse, geboren im Februar 2017 zeigte trotz schneller Jugendentwicklung eine straffe Fesselung und glänzte durch seine gute Ausprägung der rassetypischen Gesichtszeichnung. Altersbedingt wirkte das Gesamtbild des „Teenies“ noch nicht vollkommen harmonisch, lies jedoch das Potential zu einer enormen Körpergröße erahnen.

Graziöse Multitalente aus Altenburg

Schafe
Aus der Gruppe der besten Mutterschafe der ausgestellten Schafrassen ermittelten die Preisrichter Matin Steffens und Arnd Ritter vom LLH „Mrs. Pohlheim“, das beste Schaf der Schau. Die Entscheidung fiel auf auf die Zuchtstätte Patricia Heilbronn aus Alsfeld-Altenburg mit dem gescheckten Milchschaf „Pita“ (Bild Mitte). Im Bild links, Damar Meyer mit der Siegerin der Rasse Barbados Blackbelly und im Bild rechts Karlheinz Klee mit seinem Siegerschaf der Rasse Dorper.
Patrica Heilbronn aus Altenburg bei Alsfeld ließ es sich nicht nehmen, die Tierschau für maediunverdächtige Zuchtbetriebe mit einer Kollektion ihrer bekannten Milchschafherde zu bereichern. Die Rasse „Ostfriesisches Milchschaf“, die Heilbronn schon seit vielen Jahren im Herdbuch züchtet, liefert neben der Schafwolle und dem Fleisch der Schlachttiere auch Schafsmilch für den menschlichen Verzehr. Die Züchterin verarbeitet die Milch ihrer Schafe in der hofeigenen Käserei zu schmackhaften Käsevarianten und Joghurt. Diese Molkereiprodukte, die auch von vielen Allergikern geschätzt werden, vermarktet der Betrieb über den eigenen Verkaufswagen zusammen mit Schafwollprodukten und Wurst- und Fleischkonserven aus der Milchschafhaltung auf Wochenmärkten in Mittelhessen. Zur Zeit stehen die Milchschafe voll in der Milchproduktion, was an der Körperkondition der älteren Mutterschafe der vierköpfigen Schaugruppe auch sichtbar war. Es gehört jedoch zum Zuchtziel der Rasse, so Zuchtleiter Arnd Ritter, dass diese „Umsatztypen“ die aufgenommenen Nährstoffe während der Melksaison vorwiegend in die Milchbildung stecken und nicht in den Aufbau von Körpersubstanz. Erst in der melkfreien „Trockenstehzeit“ vor der Lammung werden die Körperreserven der Milchschafe wieder aufgebaut für den nächsten Melkzyklus.

Schafe
Mr. und Mrs. Pohlheim im Siegerbild.Im Bild links Patricia Heilbronn mit Gesamtsiegerschaf „Pita“, Rasse Ostfriesisches Milchschaf und rechts im Bild Frank Drössler mit Siegerbock „Inky“ der Rasse Dorperschaf.
Umso erfreulicher fiel das Urteil der Juroren bei der Bewertung des zweijährigen Mutterschafes „Pita“ aus der Zuchtstätte Heilbronn aus, welches dem Farbschlag „Geschecktes Milchschaf“ angehört. Seine attraktive Erscheinung lag jedoch nicht nur in der bilderbuchhaften Scheckung begründet sondern den beiden Preisrichtern gefiel auch besonders die gute Körperkondition der große Rahmen, die gerade Rückenlinie und die tadellose Euteranlage inklusive der korrekten Zitzen, wie sie für die Milchproduktion gewünscht werden. Folglich wurde Pita zur Rassesiegerin erkoren und durfte im Schlusswettkampf der Einzeiltiere gegen die besten weiblichen Tiere der anderen Rassen um den Titel „Mrs. Pohlheim“ und die Verleihung der Siegerscherpe antreten.

Die weiteren Kandidatinnen in der Wahl um das beste Mutterschaf der Veranstaltung war Katalog-Nr. 40, dass Siegerschaf der Barbados Blackbellys aus der Zucht Meyer und die Siegerin der Rasse Dorper, Katalog-Nr. 21 aus der Zucht Klee. Preisrichter und Kommentator, Arnd Ritter nahm sich die Zeit, um in der Moderation der Endwettkämpfe nochmals die besonderen Eigenschaften der sehr unterschiedlichen Schafrassen der Schau hervorzuheben und die Vorzüge der Tiere in der Endausscheidung anzusprechen. Unter dem Beifall der interessierten Zuschauer wurde Pita, das Ostfriesische Milchschaf aus der Zucht Heilbronn mit der Siegerscherpe ausgestattet und zum besten weiblichen Tier der Schau erhoben.

Im Endwettkampf der Böcke um den Tietel „Mr. Pohlheim“ stand neben dem Dorper-Bock von Frank Drössler auch der Barbados Blackbelly-Bock aus der Zucht Meyer. Hier fiel die Wahl zum Mr. Pohlheim auf die Katalog-Nr. 1, den Dorperbock von Drössler, der sich aufgrund seiner besonderen Qualität schon innerhalb seiner Rasse gegen die weiteren Zuchtböcke der Rasse Dorper durchsetzen konnte.

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