Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Schafe & Ziegen

Wolf in Nordhessen gesichtet – So schützen Sie Ihre Weidetiere

Vor einigen Wochen wurde ein Wolf von einer Wildkamera in Söhrewald in Nordhessen fotografiert – ein Beweis, dass einzelne Wölfe Hessen durchstreifen. Da kleine Wiederkäuer in das Beuteschema des Wolfes passen, sind viele Schaf- und Ziegenhalterinnen bzw. -halter nun um ihre Tiere besorgt. Der beste Schutz ist das Aufstallen der Weidetiere während der Nacht. Das ist jedoch in vielen Betrieben bisher nicht vorgesehen und organisatorisch schwierig. Wir informieren hier, wie Sie Ihre Weidetiere dennoch vor Angriffen durch Wölfe schützen können.

Gute Elektrozäune schützen

„Elektrifizierte Schafnetze“ sind in der Schaf- und Ziegenhaltung weit verbreitet. Sachgerecht eingesetzt bieten sie einen guten Grundschutz für die Abwehr von Wolfsattacken.Weidezäune können Wolfsübergriffe abwehren. Erfahrungen aus den Wolfsregionen im Osten Deutschlands haben gezeigt, dass Elektrozäune einen guten Schutz bieten. Sie müssen jedoch bestimmte Kriterien erfüllen: So sollte der Schutzzaun mindestens 90 cm hoch sein und die Weide vollständig umschließen. Da Wölfe eher dazu neigen, durch Schwachstellen im Zaun zu schlüpfen oder Zäune zu untergraben, als darüber hinwegzuspringen, darf der Zaun keine Schlupflöcher aufweisen.

Wölfe lernen durch die schmerzhafte Erfahrung

Zum Elektrozaun gehören eine Spannungsquelle (über die eine elektrische Spannung [>2000 Volt] an den leitendenden Materialien des Zaunes anliegt) und eine Erdungsanlage. Bei Berührung des Zaunes durch ein Tier, wird der Stromkreis geschlossen und die Tiere bekommen einen spürbaren Stromschlag versetzt. Dieser löst in der Regel eine Fluchtreaktion aus. Die geschockten Tiere lernen aus der Erfahrung und meiden den Zaun zukünftig.

Herkömmliche Litzenzäune besser absichern

LitzenzaunViele Elektrozäune bestehen nur aus einer, zwei oder drei horizontalen Elektrolitzen. Der Schutz gegen das Ausbrechen der Weidetiere ist häufig ausreichend; gegen einen Wolf bieten solche E-Zäune in der Regel jedoch zu wenig Schutz. Die Angreifer nehmen diese Zäune möglicher Weise nicht als Barriere wahr, schlüpfen in hohem Tempo durch und bekommen nicht immer einen Stromschlag. Diese Zäune sollten Sie durch zusätzliche Leiterbahnen verdichten. Binden Sie außerdem Plastikstreifen (z.B. rot-weißes Baustellenabsperrband) ein, um die visuelle Wahrnehmung zu verbessern.

Nicht elektrifizierte Zäune regelmäßig auf Schwachstellen prüfen

Schwieriger ist es, Weidetiere zu schützen, die in nicht-elektrifizierten Zäunen gehalten werden. Spezielle Metallmaschenzäune, so genannte „Knotengeflechte“ genießen ebenfalls weite Verbreitung bei Weidetierhaltern. Die Abschreckungswirkung gegenüber Wölfen ist jedoch gering. Ein Zaun ohne elektrische Spannung muss absolut durchschlupfsicher für den Wolf sein und muss mindestens 120 cm hoch sein. Als Tierhalter/in sollten Sie den Zaun regelmäßig nach möglichen Schwachstellen absuchen und diese unverzüglich schließen. Einfache Weidetore, wie auch Mulden, Raine und Bachläufe im Bereich der Zaunlinie können Sicherheitslücken darstellen.

Nachträgliches fachkundiges Elektrifizieren von Zäunen kann eine Option sein

Viele Knotengeflechte können mit vertretbarem Aufwand nachträglich elektrifiziert werden. Sie bieten dann einen ähnlich guten Schutz, wie die verbreiteten Schaf-Elektronetze. Um den Wolf abzuhalten, werden auf der Zaunaußenseite mittels spezieller Langstiel-Isolatoren eine, besser sogar zwei, horizontal verlaufende Elektrolitzen oder massive Stahldrähte angebracht und an ein Zaungerät angeschlossen, das über eine Erdungsanlage verfügt. Das Knotengeflecht selbst bleibt weiterhin frei von elektrischer Spannung!

Der Wolf muss lernen, dass Weidetiere keine leichte Beute sind

Zaunprüfer HerdenschutzFür viele Tierhaltungsbetriebe bedeuten die Schutzmaßnahmen einen hohen finanziellen und zeitlichen Aufwand. Doch nur, wenn möglichst viele Nutztierherden durch die beschriebenen Präventionsmaßnahmen vor Wölfen geschützt werden, lernt der Wolf, dass die Weidetiere grundsätzlich keine leichte Beute sind. Er wird sich bei der Nahrungssuche wieder auf seine natürlichen Beutetiere wie Rehe und andere Wildtiere beschränken.
Sollten Wölfe aufgrund ungenügender Schutzmaßnahmen wiederholt erfolgreich Weidetiere reißen, wird der opportunistische Jäger die Nutztiere verstärkt ins Visier nehmen. Danach werden die Grundschutzmaßnahmen nicht mehr ausreichen. Die Betriebe müssten dann in höhere Elektronetze (sogenannte Wolfsabwehrnetze) investieren oder Herdenschutztiere in die Weidetierhaltung einführen. Beides bedeutet Kosten und Aufwand!

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