Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Schweine

Nachlese zur Fachtagung Schwein: Tierwohl & Klimaschutz

Unter dem Motto „Alternative Stallkonzepte“ hatte der Arbeitskreis Schweinehaltung des LLH Fritzlar und die Arbeitsgemeinschaft junger Schweinehalter am 30.01.2019 zur Fachtagung nach Niedenstein-Kirchberg eingeladen. Mehr als 90 Arbeitskreismitglieder lauschten interessiert den Referentinnen und Referenten aus verschiedenen Regionen und Arbeitsbereichen. Aktuelle Themen wie Tierwohl und Klimaschutz standen dabei im Mittelpunkt.

Herausforderungen und Konflikte einer nachhaltigen Tierhaltung

Die Schweinehaltung befindet sich derzeit in einer Dauerdiskussion zwischen Umweltschutz und Tierwohl. Dass diese beiden Themen sich durchaus verbinden lassen, zeigte Herr Christian Auinger von der Firma Schauer aus dem österreichischen Prambachkirchen in seinem Vortrag.

Er stellte den emissionsarmen Tierwohlstall NatureLine vor und referierte in diesem Zuge über Möglichkeiten der Kot-Harn Trennung. Er machte darauf aufmerksam, dass 90 % des produzierten Ammoniaks im ländlichen Bereich entstehen und davon 37 % der Stallhaltung zu geschrieben werden. Die Emissionen müssten deshalb bereits an der Quelle reduziert werden, so Auinger.

Durch die Trennung von Kot und Harn mittels einer Jaucherinne im Güllekanal wird der Ureaseprozess bereits im Kanal unterbunden und der Ammoniakgehalt im Stall kann bis zu 56 % reduziert werden. Ebenfalls verbessert die Trennung die Nährstoffnutzung sowohl bei der Feldausbringung des Wirtschaftsdüngers, sowie bei der Verwertung in der Biogasanlage. Ziel sei es, laut Auinger komplett auf einen Luftwäscher verzichten zu können. Ebenso sei ein intelligenter Oberflur-Schieber mit Hinderniserkennung für den Einsatz in Tierwohlställen in der Entwicklung.

Systemwechsel mit Zukunft

Auch der Referent Dr. Jens van Bebber, Landwirt und Diplom-Agraringenieur, vereint mit seinem Konzept „Offenstall“ Tierwohl und Umweltschutz miteinander. Um den natürlichen Grundbedürfnissen eines Schweines so nah wie möglich zu kommen, hat der Landwirt seinen konventionellen Stall mit 1.800 Mastplätzen, Zwangsbelüftung, Teilspaltenboden und einem Platzangebot von 0,75 m2 pro Tier in einen luftigen Offenstall mit Auslauf, einem Platzangebot von 1,6 m2 pro Tier und 1000 Mastplätze umgebaut.
Unter dem Motto „Weniger ist mehr“ tauschte er den Massenmarkt gegen einen Nischenmarkt. Mit dem Wechsel der Genetik und einer eigenen Marke „Duke of Berkshire“ ist ihm der Ausstieg aus der konventionellen Massentierhaltung gelungen. Durch das neue Stallsystem und die Einteilung in Funktionsbereiche können Emissionen deutlich reduziert werden. Auch die Bodenfütterung und der neue Einfluss der Außenreize trügen zur Beschäftigung bei und erlaubten eine Mast mit 100 % Ringelschwänzen, so van Bebber weiter.

Umsetzung und Praxiserprobung innovativer Maßnahmen

Otto Findling
LLH-Berater Otto Findling referierte über die Wirtschaftlichkeit verschiedener Haltungssysteme
Nach dem Mittagessen wurden die praktischen Erfahrungen aus den MuD-Betrieben diskutiert. Ziel der Modell- und Demonstartionsvorhaben Tierschutz sei es, durch Praxisprojekte die Lücke zwischen Tierhalter und Tierschutz zu schließen, so LLH-Beraterin Nadja Böck. Sie berichtete über die Netzwerke 3 und 4 („Aufzucht und Haltung unkupierter Schweine“), die noch bis zum 30.11.2019 laufen. Es gibt viele verschiedene Faktoren, die Schwanzbeißen beeinflussen. So sei bereits bei einem geringen Platzangebot im Stall durch eine Zusammenlegung von mehreren Buchten eine bessere Buchtenstrukturierung und eine optimale Trennung der Funktionsbereiche möglich. Auch hob Böck die EU-Empfehlung für den Einsatz von Beschäftigungsmaterial und Beschäftigungsfutter vor, um Schwanzbeißen vorzubeugen.

Darauffolgend stellte LLH-Beraterin Mareike Albert im Rahmen der Modell- und Demonstrationsvorhaben Tierschutz das seit 2018 laufende Projekt „Praxiserprobung der chirurgischen Ferkelkastration unter Betäubung und postoperativen Schmerzausschaltung in der ökologischen Ferkelerzeugung“ vor.
Auf insgesamt sieben Öko-Betrieben würden derzeit die Vor- und Nachteile von Ferkelkastration mittels Injektionsnarkose mit Azaperon und Ketamin und Inhalationsnarkose mit Isofluran getestet. Das Ziel sei es, erklärte Albert, durch das Testen der beiden Verfahren unter Praxisbedingungen eine individuelle Lösung für die einzelnen Betriebe zu ermitteln.

Als Abschluss der Tagung informierte LLH-Mitarbeiter Otto Findling über die Wirtschaftlichkeit verschiedener Haltungssysteme. Dabei ging er besonders auf die Kosten für das Gesamtbetriebliche Haltungskonzept Ringelschwanz ein. So beliefen sich die Mehrkosten bei einer Haltung mit Ringelschwanz auf 0,2 € – 0,3 € pro kg Schlachtgewicht. Wichtig sei, dass man bei der Investitionsplanung auch kleinere Nebenbaukosten im Blick habe, Finanzierungsfehler vermeide und sich gegebenfalls auch gegen die Investition entscheide, betonte Findling.

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