Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Tierwohl

Schonendes Enthornen von Kälbern

Milchkühe werden heute überwiegend in Laufställen gehalten, in denen sie sich frei bewegen und ihre artgemäßen Verhaltensweisen ohne stärkere Einschränkungen ausüben können. Das enspricht weitestgehend den heutigen Anforderungen an eine artgemäße Rinderhaltung. Nachteilig ist jedoch ein deutlich höheres Verletzungsrisiko für Mensch und Tier durch Hornstöße.Hornlose Rinder
In Betrieben mit Laufstallhaltung werden Kälber daher in der Regel frühzeitig gegen Hörnerbildung behandelt. Im Tierschutzgesetz wurde ein Ausnahmetatbestand definiert: Ein Veröden der Hornanlage bei Kälbern unter 6 Wochen ist auch ohne Betäubung zulässig, wenn es im Einzelfall für die vorgesehene Nutzung und zu dessen Schutz oder zum Schutz anderer Tiere unerlässlich ist. Von Teilen der Gesellschaft wird diese Praxis der Enthornung in den letzten Jahren zunehmend kritisch hinterfragt.

Eckpunkte der Vereinbarung

Am 26.02.2015 wurde in Hessen eine freiwillige Vereinbarung unterzeichnet, in der sich neben dem Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, dem Kuratorium und dem LLH unterschiedliche Verbände und Vereine aus Landwirtschaft, Tiermedizin und Tierschutz auf folgende wichtige Eckpunkte bei der Enthornung von Kälbern verständigt haben:

  • Weiterhin verstärkter Einsatz von Hornlos-Genetik
  • Aufklärung über die besten verfügbaren Techniken und Verfahren der manuellen Enthornung in Ausbildung und Beratung
  • In Hessen werden Kälber nur noch zumindest mit gleichzeitiger Sedierung (Beruhigung) und Schmerzbehandlung enthornt. Die Anwendung dieser Medikamente kann nach tierärztlicher Behandlungsanweisung durch den Tierhalter erfolgen.

Hessen als Vorreiter

Die vereinbarte gleichzeitige Verabreichung eines Beruhigungs- und eines Schmerzmittels kann als beispielgebend in Deutschland bezeichnet werden. Wissenschaftliche Untersuchungen und Feldstudien belegen eine deutlich geringere Ausschüttung des Stresshormons Cortisol bei den Kälbern, die nach diesem Verfahren behandelt wurden. Gleichzeitig erleichtert dieses Verfahren auch dem Tierhalter die Arbeit ganz erheblich und vermindert das Verletzungsrisiko, weil Abwehrbewegungen des Kalbes ausge­schlossen sind.

Hintergrund

In 2014 hatte das Kuratorium für das landwirtschaftliche und gartenbauliche Beratungswesen und sein Fachausschuss Tierproduktion Institutionen aus Landwirtschaft, Veterinärmedizin und Tierschutz sowie einzelne sachverständige Landwirte und Tierärzte zu einem offenen Diskussionsprozess zu dem Thema Enthornen von Kälbern eingeladen. Ziel war es dabei, diesen Eingriff am Tier mit allen Aspekten zu diskutieren und einen möglichst breiten fachlichen und gesellschaftlichen Konsens in dieser Frage zu erzielen.

Die beiden Sitzungen der „AG Enthornung“ zeichneten sich durch eine offene und vertrauensvolle Diskussion aus, in der die unterschiedlichen sowie gemeinsamen Positionen klar herausgearbeitet wurden. Am Ende des Prozesses stand dann eine freiwillige Vereinbarung zur Enthornung von Kälbern in Hessen, wie sie oben beschrieben wurde.

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