Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Tierwohl

„Hand in Hand“ – Betriebsportraits des MuD Tierschutz Schwein

„Ich probiere gerne Neues aus“, sagt Betriebsleiter Heiko Ranft aus Felsberg. Er nimmt mit seinem Betrieb am Modell- und Demonstrationsvorhaben Tierschutz (MuD) teil, einem vom Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung geförderten Projekt, welches die Verbindung zwischen Wissenschaft und Praxis schafft.

Ranft Schweine
Der Betrieb der Familie Ranft hält 500 Sauen mit angeschlossener Ferkelaufzucht
Der Betrieb der Familie Ranft hält 500 Sauen mit angeschlossener Ferkelaufzucht. Die Läufer liefert er an einen festen Abnehmer: an den Lindenhof Volke in Fritzlar. Auch dieser Betrieb ist Teil des MuD-Netzwerks „Einsatz von Automatisierungstechniken zur Verbesserung tierschutzrelevanter Haltungsbedingungen in der Ferkelaufzucht und Schweinemast“. Familie Volke betreibt neben der Schweinemast mit ca. 1400 Mastplätzen einen Hofladen, wo die selbst hergestellten Produkte vermarktet werden. „Aus der Verantwortung als Tierhalter gegenüber unseren Tieren wollen wir eben diesen das Optimum an Tierwohl bieten“, so Martin Volke, über die Motivation an diesem Projekt teilzunehmen.

Beide Betriebe liegen in Nordhessen und arbeiten sehr eng zusammen. Die Abstimmung von Maßnahmen und die Absprache bei etwaigen Problemen im Bestand gehen Hand in Hand. Ziel der Betriebsleiter ist es, im MuD erfolgreich unkupierte Tiere halten und nachhaltig das Tierwohl in ihren Ställen verbessern zu können. Daher ist der enge Austausch zwischen dem Ferkelaufzüchter und dem Mäster besonders wichtig. Damit die Haltung unkupierter Tiere erfolgreich umgesetzt werden kann, steht ihnen das Beratungsteam des LLH (Tierschutz-Kompetenzzentrum) fachkundig zur Seite.

Unkupierte Schweine: Eine wachsame Betriebsleitung als Erfolgsfaktor

Aus bisherigen Versuchen wissenschaftlicher Einrichtungen ist bekannt, dass es kein Patentrezept gegen Schwanzbeißen gibt. Jedoch wird aus den Erfahrungen der MuD-Betriebe klar, dass durch eine gezielte Optimierung von Schwachstellen, z.B. hinsichtlich Fütterung und Tränke, Lüftung, Buchtenstruktur aber auch Beschäftigung oder Genetik, die erfolgreiche Haltung unkupierter Tiere möglich ist. Der jedoch wichtigste Faktor bleibt der Betriebsleiter. „Die Haltung unkupierter Tiere fordert vom Betriebsleiter ein besonders wachsames Auge“, betont Dr. Katharina Mees, LLH Beraterin der MuD-Betriebe.

Volke_Schweine
Die Haltung unkupierter Tiere fordert vom Betriebsleiter ein besonders wachsames Auge
Die beiden nordhessischen Betriebe möchten verschiedene Maßnahmen zur Optimierung ihrer Schweinehaltung umsetzen. Familie Ranft plant unter anderem eine bessere Strukturierung der Buchten, damit die Schweine die Funktionsbereiche wie Aktivitäts- und Fressbereich, Ruhebereich und Kotbereich besser einhalten. Hierfür werden Kontaktgitter zur Nachbarbucht in die Buchtenwände eingelassen. Durch das natürliche Territorialverhalten der Schweine wird der Kot vor allem am Kontaktgitter abgesetzt und die anderen Funktionsbereiche sauber gehalten.
Als weitere wichtige Maßnahme wird die Hygiene der Wasserleitungen überprüft und den Schweinen Wasser in offenen Tränken angeboten. Genügend unbedenkliches Wasser – frei von Biofilmen und Ablagerungen –  ist essentiell für die Haltung von (unkupierten) Schweinen. Außerdem ist der Einsatz einer automatisierten Raufuttervorlage wie Heu und Stroh zur Befriedigung des Beschäftigungstriebes der Tiere geplant. Aber auch die Tierkontrolle, die Fütterung und das Stallklima werden über verschiedene Optimierungsmöglichkeiten angepasst.

Darmgesundheit & Wohlbefinden gegen Schwanzbeißen

Volke_Raufutter
Raufuttervorlagen wie Heu und Stroh befriedigen den Beschäftigungstrieb der Tiere
Ähnliche Schritte möchte auch der Lindenhof Volke umsetzen. Volke setzt besonders auf die Buchtenstrukturierung, auf planbefestige Flächen statt Spaltenböden und auf größere Buchten die mehr Möglichkeiten für Funktionsbereiche bieten. Aber auch die Fütterung im Maststall ist für Volke ein wichtiger Baustein, um die Tiere gesund zu erhalten, denn: „Ist der Darm gesund, geht’s dem ganzen Tier gut“. Hierfür hat sich der Einsatz von Urgesteinsmehl und Pflanzenkohle bewährt.
Um einen noch besseren Blick für seine Tiere zu entwickeln und über Tiersignale frühzeitig dem Schwanzbeißen vorbeugen zu können, setzt Volke eine Wärmebildkamera ein. Diese zeigt dem Betriebsleiter sowohl Schwachstellen der Lüftung, der Wasserversorgung (in Leitungen stehendes Wasser wird warm) als auch Fieber oder Entzündungen bei den Tieren an.

In diesen und anderen Maßnahmen sehen die Betriebsleiter Heiko Ranft und Martin Volke die Chance, das Tierwohl in ihren Ställen langfristig zu verbessern und anderen Landwirten Tipps und Einblicke in ihre Ställe zu geben, damit auch sie unkupierte Tiere erfolgreich halten können.

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