Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

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Tierwohl im Fokus der Landwirtschaftlichen Woche

Die 70. Landwirtschaftliche Woche Nordhessen lenkte Ihren Blick auf die Ansprüche der Gesellschaft an die heutige Nutztierhaltung und wie man in der Kommunikation damit umgehen kann.

Die zwei Seiten des Verbrauchers

Die Landwirtschaft befindet sich in einem Spannungsfeld zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Der Verbraucher sieht die Diskussionsfelder um die Nutztierhaltung meist durch eine schwarz-weiß Brille, da er die vielfältigen Zusammenhänge nicht kennt und nicht erfassen kann. Gleichzeitig entscheidet er sich wider besseren Wissens für das Falsche, da es aktuell angenehmer für ihn ist. HR Moderator Thomas Ranft sagt in seinem Vortrag, dass viele am liebsten nur Bio konsumieren würden, aber umgekehrt dafür nichts zahlen möchten. Der Verbraucher kann jedoch sprichwörtlich nicht aus seiner Haut. Dies liegt nach Aussage des Moderators an der Art und Weise wie der Mensch Entscheidungen trifft. Das Limbische System, im Gehirn verantwortlich für Emotionen, ist dem Entscheidungszentrum vorgeschaltet. Deshalb sollte die Strategie in der Kommunikation sein, den Verbraucher erst auf der emotionalen Seite zu erreichen. Ist diese Annäherung erfolgreich, dann könnten auch Sachargumente durchdringen.

„Warum“ –  Baustein zu einer besseren Kommunikation

Die Kommunikationsarbeit ist langwierig und fordert Durchhaltevermögen. Hier macht der Moderator eine Stärke der sogenannten „Gutmenschen“ aus, die trotz Rückschlägen immer wieder für Ihre Sache kämpfen und appelliert gleichzeitig an die Bauern in Ihrer Kommunikationsarbeit nicht zu verzweifeln. Wichtig sei es beim vermitteln landwirtschaftlicher Botschaften, das „Warum“ vorneweg zu stellen. In Hinblick auf die Nutztierhaltung bedeutet es, über das Warum einen Zugang zum Verbraucher aufzubauen, der schließlich auch in eine höhere Zahlungsbereitschaft mündet. Eine fortwährend die Verhältnisse beklagende Haltung sollte nicht verfolgt werden, da „keiner gerne bei jemandem kauft der jammert“ erklärt Ranft.

Tierschutz und Tiergesundheit in der öffentlichen Diskussion

Die Diskussion, um die heutige Form der Tierhaltung, wird meist von den Schlagworten einer sogenannten „Massentierhaltung“ oder „industrialisierten Tierhaltung“ begleitet. Aus Sicht von Herrn Dr. Joachim Lübbo, Fachtierarzt für Rinder, liegt genau in dieser Art der Tierhaltung die Chance zu mehr Tierschutz und Tiergesundheit. Es liegt in seinen Augen in der Sichtweise, wie wir Entwicklung beurteilen und welchen Ausgangspunkt gewählt würde. Die zurückliegende Industrialisierung, zu Beginn des 19. Jahrhunderts, wurde trotz der damaligen Kritik nicht umgekehrt. Veränderungen der Arbeitsprozesse haben im Laufe der Zeit jedoch zu einem angenehmeren Arbeitsumfeld für Angestellte geführt. In der Tierhaltung zeigen sich für den Referenten Parallelen zu dieser Entwicklung. Wichtig ist in der öffentlichen Diskussion, dass es eine klare Abgrenzung gibt. Derzeit würde der Tierschutz durch unklare Begriffe wie Tierwohl ersetzt, die dann als Aufhänger für andere Themenfelder wie Umweltschutz und Klimawandel missbraucht würden. Die im Tierschutzgesetz festgehaltene Verantwortung für Pflege und Haltung der Tiere schließe auch betriebliche Eigenkontrollen mit ein, die auch zum Nachweis auch dokumentiert werden müssen.

Prozesskontrolle führt zur besseren Tiergesundheit

Die Merkmale für einen gesunden Tierbestand, werden meist an Grenzwerten von Krankheitshäufigkeiten festgemacht. Aus Sicht von Lübbo ist dies der falsche Ansatz, da damit nur eine Ergebniskontrolle erfolgt. Er appelliert für ein System der Prozesskontrolle, bei dem Gesundheitsparameter kontinuierlich über einen Soll / Ist Abgleich kontrolliert werden. Diese Vorgehensweise entspreche einer Arbeitspraxis, die in der Industrie Gewohnheit wäre. Mit Hilfe der Sensor Technik, die in vielen Betrieben bereits Einzug gehalten habe, könnten die Tierhalter im Ergebnis zu einer besseren Tiergesundheit kommen.