Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

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Wohin entwickelt sich die Landwirtschaft und wie schnell?

Beim diesjährigen Forum Landwirtschaft Schwalm Eder in Fritzlar wurde die Geschwindigkeit, mit der sich die Landwirtschaft verändert, behandelt und kritisch hinterfragt. Unter dem Titel „Landwirtschaft auf der Überholspur – Globalisierung, Digitalisierung und was noch?“, wurde über die Chancen aber auch Risiken von Precision Farming sowie volatilen Märkten diskutiert.

Nicht Mechanik, sondern Informatik gehört die Zukunft

Wie andere Branchen unterliegt auch die Landwirtschaft einem kontinuierlichen Wandel. In der Landtechnik wurde bisher mit zunehmender Arbeitsbreite, Motorleistung und Maschinengewicht auf diesen Strukturwandel reagiert. Diese Entwicklung kommt nun, wie Professor Thomas Herlitzius von der Technischen Universität Dresden behauptet, an seine Grenzen, da Vorgaben der Straßenverkehrsordnung sowie die Vermeidung von Schadverdichtung des Bodens weiteres Wachstum verhindern.

Eine Möglichkeit wäre, die zunehmende Verwendung von Leichtbaumaterialien an Stelle von Stahl, was von Professor Herlitzius aus Kostengründen als wenig realistisch eingeschätzt wird. Er plädiert für einen Konzeptwechsel, hin zu kleineren, leichteren und autonom arbeitenden Maschinen. Gesellschaftliche Anforderungen nach hoher Produktqualität und verbesserter Prozessqualität könnte dadurch auch entsprochen werden, wie es z.B. bereits heute mit computergestützten Pflanzenschutzgeräten möglich ist, bis zu 80 % des Mitteleinsatzes zu reduzieren, so der Wissenschaftler.

Der Mobilfunkstandard 5G ermöglicht zukünftig durch schnellere Datenübertragung autonomes Fahren. Mehrere Maschineneinheiten kommunizieren untereinander und werden von einer Hauptmaschine kontrolliert. Der Landwirt würde bei einer solchen Entwicklung zum einfachen Bediener heruntergestuft, äußerte sich Kritik aus dem Publikum.  Auch Herlitzius sieht hier eine Herausforderung für die Automatisierung, denn er befürchtet, dass es bei zu umfangreicher Automatisierung zum Verlust von Wissen kommen kann.

Landwirtschaftliche Strukturen im Umbruch

Michael Kopmann, Leiter Research und Volkswirtschaft der DZ Bank AG, erläuterte, welche Auswirkungen Globalisierung, Niedrigzins und Kapitalmarkt für die Landwirte haben. Die Globalisierung der Märkte sei für die deutsche Landwirtschaft vorteilhaft, so Kopmann, da auf diesem Wege Überkapazitäten wie z.B. beim Schweinefleisch abgesetzt werden können. Der nationale Markt für Lebensmittel im Gegenzug stagniert und entwickelt sich nach seinen Äußerungen zunehmend in Richtung ökologischer Landwirtschaft.

Schwankende Erzeugerpreise haben die Investitionsbereitschaft jedoch nicht gemindert und so konnte die deutsche Landtechnik den Umsatz in den letzten 10 Jahren verdoppeln. Zurückzuführen ist dieser Anstieg zum Teil auf mehr verkaufte Maschinen, technischen Fortschritt aber auch höhere Preise, was nach Analyse des DZ Bankers die Hälfte des Umsatzplus ausmacht.

Nach Prognosen der DZ Bank werden 2040 nur noch ein Drittel der derzeitig 275.000 Betriebe übrigbleiben. Das daraus resultierende Wachstum der verbleibenden Betriebe, wird mit der langfristigen Abkehr vom bäuerlichen Familienbetrieb in Verbindung gebracht. Die verbleibenden landwirtschaftlichen Betriebe werden überdurchschnittlich von der Digitalisierung profitieren können.

Eigenes Handeln hinterfragen

Zum Abschluss der Veranstaltung referierte der Kapuzinermönch Bruder Paulus vom Kloster Liebfrauen in Frankfurt. Mit seinem Vortrag „Macht euch die Erde … untertan? – Von der Freiheit anders handeln zu können!?“, ermutigte er die anwesenden Landwirte sich immer wieder die Zeit zu nehmen um das eigene Handeln zu hinterfragen. Schließlich sei die Lebensgrundlage auf dem Betrieb nicht selbst geschaffen, sondern übergeben von Generationen. In Bezug auf die zunehmende Digitalisierung regte der Mönch an, stets zu hinterfragen „dient es noch mir, oder diene ich ihm?“.
 

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