Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Biorohstoffnutzung

3. Bioschmierstoff-Tagung – Noch läuft es nicht wie geschmiert

Trotz guter Umwelteigenschaften und mittlerweile sehr guter technischer Performance knirscht es, abgesehen vom Forstbereich, bei der Akzeptanz von Bioschmierstoffen immer noch im Getriebe. Diesem Problem nimmt sich die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR) seit zwei Jahren wieder verstärkt an.
Denn, im Zuge der Erstellung des FNR-Themenheftes II „Nachwachsende Rohstoffe im Einkauf – Öffentliche Grünflächen & Forst“ durch das Kompetenzzentrum HessenRohstoffe (HeRo) e. V., wurde weiterer Handlungsbedarf in diesem Bereich deutlich. So fand am 6. und 7. Dezember 2016 in Neuss die 3. Bioschmierstoff-Tagung der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) e. V. statt. Die rund 70 Veranstaltungsteilnehmer/innen stammten vornehmlich aus den Bereichen der Herstellung, Lieferung, Anwendung, aus Hochschulen und Institutionen. Während der zweitägigen Veranstaltung berichteten Experten über die derzeitige Marktsituation und bestehende Rahmenbedingungen, über aktuelle Forschungs- und Entwicklungsvorhaben sowie über Ergebnisse aus der Praxis. Abgerundet wurde der erste Tag mit einer Betriebsbesichtigung der in Neuss ansässigen Ölmühle und Pflanzenölraffinerie C. Thywissen GmbH, einem der bedeutendsten deutschen und europäischen Produzenten unterschiedlicher Pflanzenöle, sowohl für die Lebensmittelverarbeitung als auch für spezifische chemische und technische Zwecke. Darüber hinaus ist das Unternehmen gleichzeitig bedeutsamer Vermarkter der innerhalb der Prozesse entstehenden Koppelprodukte, wie Futtermittel, Lecithin und Glycerin.

Fortschritte trotz Hemmschuh

HydraulikInsgesamt wurde deutlich, dass der Bioschmierstoff-Einsatz, ebenso wie auch in den vergangenen Jahren, insgesamt auf niedrigem Niveau stagnierend ist.
Wesentliche Gründe hierfür sind:

  • die meist um den Faktor 3 bis 5 liegenden höheren Preise,
  • ein mitunter mangelndes technisches Vertrauen seitens der Anwender sowie
  • die nach Auffassung der Branche nicht ausreichenden gesetzlichen Vorgaben hinsichtlich kontinuierlicher Schmiermittelverluste von Maschinen in der Umwelt.

Gleichwohl geht die Entwicklung von hocheffizienten, biobasierten Schmierstoffen weiter. Neben der spezifischen Fettsäureanpassung im Rahmen der Raffinationsprozesse liefert neuerdings der Anbau von High-Oleic Sonnenblumen- und Rapssorten-Züchtungen Pflanzenöle mit von Anbeginn an idealen Fettsäuremustern für chemische und technische Anwendungen. Da im Vergleich zu den Landpflanzen photosynthetische Mikroalgen bis zu 10-fach höheren Biomasseerträge bringen, laufen weiterhin derzeit Forschungen im Rahmen der industriellen Biotechnologie zur großmaßstäblichen Erzeugung von Algen mit hohen Lipidanteilen.

Die Branche muss sich an die eigene Nase fassen

Wesentlicher Punkt des zweitens Tages waren zwei parallele Gesprächsrunden zu den Themen „Bioschmierstoffe im öffentlichen Sektor“ sowie zur „Normierung und Zertifizierung“. Für den LLH bzw. das Kompetenzzentrum HessenRohstoffe (HeRo) e. V. nahm Fachreferent Klaus Diehl an der Podiumsdiskussion I teil. Neben den bereits genannten Hemmnissen stellten seiner Erfahrung nach auch die gegensätzlichen Berichte von Herstellern, Anwendern und Behörden sowie eine mitunter fragwürdige Transparenz und Auskunftsbereitschaft der Bioschmierstoffbranche grundlegende und weitreichende Hemmschuhe für potenzielle Anwender dar. In diesem Zusammenhang appellierte er daher für einen konstruktiven fachlichen Austausch mit Multiplikatoren auf Augenhöhe zur Beseitigung von Widersprüchen und Fehlinformationen.

Arbeitsaufträge an die FNR

Raupe GewässerWeiterhin stellte Diehl die Frage, inwieweit die FNR mit ihrer 25 %-Hürde bzgl. der Bezeichnung als „Bioschmierstoff“ dem Thema einen Gefallen tut, während auf der anderen Seite bereits ein 2-prozentiges Rapsöladditiv zu Asphalt- oder Dachbitumenmischungen als „Rapsbitumen“ oder „Rapsasphalt“ deklariert würden. Letztlich besäßen mittlerweile Hochleistungsmotorenöle bereits aus technischen Gründen nennenswerte biogene Anteile unterhalb der 25 %-Schwelle, ohne dass diese als solches deklariert würden. Eine niederschwelligere Kennzeichnung könne möglicherweise dazu beitragen, das technische Vertrauen in biobasierte Schmierstoffe verbraucherseits zu erhöhen.

Nach einer Sammlung der besonders für den Bioschmierstoffeinsatz zu fokussierenden Bereiche, darunter auch insbesondere die Landwirtschaft, kam die Gesprächsrunde zum Ergebnis, dass neben dem Aspekt der öffentlichen Beschaffung auch die Aspekte des Bioschmierstoffverwendung im Rahmen öffentlich ausgeschriebener Bau- und Landschaftspflegeleistungen sowie die Möglichkeiten der Platzierung von abbaubaren Schmierstoffen Bereichen wie Eingriffsregelung, in umweltrelevanten Satzungen oder Schutzgebietsverordnungen verstärkt beleuchtet werden sollten. Die Betrachtung dieser Aspekte wurden bereits erstmalig seitens HeRo 2013 / 2014 bei der Erstellung des FNR-Themenheftes II, Nachwachsende Rohstoffe im Einkauf – Öffentliche Grünflächen & Forst, angestoßen. Auf diese Weise könnte nach einheitlicher Auffassung der Diskussionsteilnehmer er Einsatz von Bioschmierstoffen im kommunalen Bereich effizienter und darüber hinaus unabhängig des oft schwierigen Weges der eigenen Beschaffung gesteigert werden.

Neue positive Praxiserfahrungen wären das Rezept, damit es künftig mit den Bioschmierstoffen etwas geschmierter läuft.

Informationen der FNR zum Thema Bioschmierstoffe erhalten Sie hier:
Bioschmierstoffe

Spezifische Informationen der FNR zum Einsatz von Bioschmierstoffen im Bereich Grünflächen, GaLa-Bau und Forst erhalten Sie hier:
Themenheft II „Öffentliche Grünflächen & Forst“ aus dem Handlungsleitfaden „Nachwachsende Rohstoffe im Einkauf“