Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Biorohstoffnutzung

Zu Besuch im größten Strohkraftwerk Deutschlands

Außenansicht des BEKW Emlichheim.Jährlich können deutschlandweit ca. 30 Mio. t Getreidestroh als Koppelprodukt der Getreideproduktion geborgen werden. Zur Energetischen Nutzung stehen davon nach Schätzungen ca. 13 Mio. t zur Verfügung. Seit vielen Jahren wird ein kleiner Teil dieses Strohs zur Erzeugung von Wärme verwendet. Bundesweit gibt es geschätzt ca. 100 Strohheizheizanlagen unterschiedlicher Größe. Um das im Brennstoff enthaltene Potential voll auszuschöpfen, lässt sich bei größeren Anlagen neben Wärme in Kraftwärmekopplung auch noch Strom produzieren.

Im niedersächsischen Emlichheim ist seit 2013 Deutschlands größtes Strohkraftwerk mit 49,8 MW Wärmeleistung und 11,5 MW Stromleistung am Netz. Das BEKW Bioenergiekraftwerk Emsland GmbH & Co. KG wurde Anfang November 2016 von Fachleuten aus Hessen und Nordrhein-Westfalen besucht.

Der Strohballen-Stapelbereich des BEKW Emlichheim.Jährlich werden im BEKW Emlichheim ca. 70.000 t Stroh angeliefert und verbrannt. Täglich sind dies im Schnitt 15 – 20 LKW-Ladungen. Das Stroh kommt von Landwirten aus dem Umfeld, die auch Anteile am Kraftwerk halten, wird aber auch von anderen Vertragspartnern aus einem etwas größeren Umkreis angeliefert. Das ausschließlich in Quaderballen angelieferte Stroh wird gewogen, auf Restfeuchte geprüft und dann mit einem Hoflader entladen. Der Weitertransport des Strohs erfolgt dann über eine automatisierte Fördereinrichtung, die den Heizkessel nach Bedarf füttert. Das Stroh muss frei von groben Fremdstoffen sein und darf maximal 22 % Feuchte aufweisen. Nicht geeignetes Stroh wird zurückgewiesen. Es werden zurzeit durchschnittlich 80 €/t (netto) vergütet.

Der Standort im Industriegebiet Emlichheim ist auf Grund der Vielfalt der Nutzungsmöglichkeiten für die erzeugte Energie ideal:

  • Die erzeugte Wärme wird in ein ca. 30 km langes Nahwärmenetz eingespeist und kann so für die Versorgung der Anwohner (200 Haushalte) genutzt werden. Hierfür steht ein Pufferspeicher von 3000 m3 Volumen zur Verfügung.
  • Der Dampf wird mit 520 °C und 110 bar Druck erzeugt, der eine Turbine zur Stromerzeugung mittels eines Generators antreibt, der bis zu 11,5 MW Stromleistung erzeugen kann. Bis zu 10 MW davon werden nach EEG eingespeist, der Rest wird im eigenen Betrieb für den Prozessablauf verbraucht.
  • Außerdem wird Dampf (mit 14 bar Druck) zur benachbarten Emslandstärke GmbH – einem Betrieb der jährlich etwa 50.000 t Erbsen und 100.000 t Kartoffeln verarbeitet – als Prozessdampf geliefert.

Die Anlage ist nach 4. BImSchV genehmigt und unterschreitet die vorgegeben Höchstwerte deutlich.
Jährlich wird so außerdem eine Menge von 80.000 t CO2 eingespart und somit sehr umweltfreundlich Strom und Wärme produziert.