Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Biorohstoffnutzung

Nachlese zum Seminar: „Kalkputze und Kalkfarben – modern, natürlich und praxisgerecht“

Kalk wird von vielen Handwerkern und Bauherren als historischer Baustoff wahrgenommen. Dabei ist Kalk in unserem Leben allgegenwärtig. Er bildet auch heute die Grundlage für verschiedenste Bauprodukte, wie Kalksandstein, Zement, Mörtel oder Putze und viele Anstriche. Doch in der modernen Bauindustrie werden die genannten Bauprodukte mit Zusatzstoffen modifiziert, um bestimmte technische Eigenschaften zu erzielen. Nicht immer sind die Endprodukte dann noch diffusionsoffen, schadstofffrei oder einfach zu entsorgen.

Anwendung natürlicher Putze

Am 25.10.2018 organisierte der LLH-HeRo in Kooperation mit dem Freilichtmuseum Hessenpark GmbH ein Praxisseminar zur natürlichen Kalkputzanwendung. Die Fachwerkscheune aus Gottstreu am Marktplatz des Hessenparks bot für das Seminar ausreichend Platz und einen angemessenen Rahmen für die praktischen Übungen. Insgesamt nahmen 16 Malermeister und ~gesellen, Bauhandwerker, Baustoffhändler, Berufsschullehrer sowie Gebäudeeigentümer teil.

Seminar
Alle Teilnehmer hatten ihren eigenen Arbeitsplatz und mehrere Probetafeln.
Seminar
Mit ein wenig Übung klappt die Technik.
Im Praxisseminar ging es nach einem kurzen Theorieteil um die praktische Anwendung von reinem Kalkputz. Diese Art von Putzen ist diffusionsoffen und damit besonders geeignet für die Beschichtung aller natürlichen Bau- und Dämmstoffe (z.B. Holz, Lehmsteine, Ziegelsteine, Natursteine, Naturfaserdämmung, Gipsfaserplatten). Zusätzlich ist das Material hoch basisch, so dass ein Algen- oder Schimmelbefall unterbunden wird. Kalkputze und Kalkanstriche (ohne organische Modifikation) bieten daher innen und außen eine hohe Sicherheit für ein schadstofffreies Raumklima und eine ausgeglichene Raumluftfeuchte.

Der Fachberater Uwe Szielasko von HAGA Naturbaustoffe AG und der Kooperationspartner Dieter Brauch vom NetzwerkLehm e.V. erläuterten die Handhabung der Putzwerkzeuge und Materialien, damit jeder die gewünschten Effekte auch praktisch erzielen konnte. Es ging ja nicht nur um das Üben nach dem Motto „Putz an die Wand bringen und glatt streichen“, sondern auch um bestimmte Farbeffekte oder das Glätten der Oberflächen. Damit kann zum Beispiel eine Wandoberfläche erzeugt werden, die abwischbar ist und trotzdem ihre Diffusionsoffenheit nicht verliert. Auch die farblichen Effekte wie „wolkig“ über „ganz gleichmäßig“ und „durchgefärbt“ oder mit Glitzereffekten fanden großes Interesse.

Weitere Seminare sind sowohl in Witzenhausen als auch im Hessenpark geplant, wo das Praxisseminar noch durch eine bautechnische Führung durch entsprechende historische Gebäude ergänzt werden soll.

Wissenswertes zur Entstehung von Kalken und deren Aufbereitung als Baustoff

Der Begriff „Kalk“ ist eigentlich eine vereinfachte Sammelbezeichnung für den natürlichen Rohstoff und viele kalziumhaltige chemische Verbindungen. In der Natur kommt der Rohstoff Kalziumkarbonat als Kalkstein vor und ist überwiegend durch Ablagerungen von kalkhaltigen Resten aus Lebewesen (z.B. Mikroorganismen, Muscheln, Schnecken, Korallen) im Wasser entstanden. Über die Jahrmillionen und den Druck der späteren Erdschichten wurden die Kalkablagerungen verfestigt. Tektonische Verschiebungen sorgten dafür, dass es heute ganze Gebirgszüge aus Kalkstein gibt und wir den Kalkstein normalerweise im Tagebau abbauen können.

Für Mörtel, Putze und Farben nutzt man bestimmte Kalksteinsorten, die entsprechend aufbereitet werden. Kalziumkarbonat (CaCO3) wird unter Abgabe von CO2 gebrannt, das Produkt heißt Kalziumoxid bzw. Branntkalk (CaO). Der Branntkalk wird mit Wasser zu Kalziumhydroxid, Sumpfkalk bzw. Löschkalk „gelöscht“ (Ca(OH)2). Erst damit erhält man ein Material, das mit Wasser versetzt plastisch oder flüssig anwendungsbereit ist. Im Trocknungsprozess (Wasserabgabe) reagiert der Löschkalk mit dem CO2 aus der Luft wieder zu Kalziumkarbonat (CaCO3) als haltbares und wasserbeständiges Material.

Seminarangebot des LLH-HeRo

Für Planer, Energieberater, Baubetriebe, Maler, Maurer, Ausführende von Vollwärmeschutz, Zimmerer, Stuckateure, Restauratoren, Baustoffhändler, Baubegleiter, Gebäudeeigentümer Immobilienverwalter sowie kommunale und kirchliche Bauverantwortliche bietet der LLH-HeRo Seminare zu verschiedenen Themen des nachhaltigen Bauens und Sanierens an. Hier die Vorschau der bereits feststehenden Veranstaltungen. Weitere Seminare sind in Planung.

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