Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Marktinformation

Deutscher Weizen im Export kaum konkurrenzfähig

Das Umfeld am Weizenmarkt bleibt vorerst schwierig. Gerste wird am europäischen Markt rege nachgefragt. Der Preissturz beim Palmöl und den übrigen Pflanzenölen belastet den Rapsmarkt.

Markt für Weizen

Die hohen Lagerbestände und der schwache Export belasten die Kurse am europäischen Terminmarkt. Derweil sieht der Prognose-Dienst FAS den europäischen Weizenexport in 2017/18 nur noch bei 27,5 Mio. t und somit um 1 Mio. t niedriger als im letzten USDA-Bericht (28,5 Mio. t). Ein wesentlicher Grund für diese Korrektur ist der anhaltende Konkurrenzdruck aus der Schwarzmeerregion. Russland hat eine Rekordernte von 83 Mio. t am Markt unterzubringen und fährt daher an den Exportmärkten eine aggressive Preisstrategie. Dabei hat die EU das Nachsehen. Bis zum jetzigen Zeitpunkt exportierte Russland in dieser Saison bereits 16 Mio. t und damit 25% mehr als im Vorjahr. Für das gesamte WJ 2017/18 rechnet das USDA mit einem russischen Weizenexport von 33 Mio. t. Damit wäre Russland im Ranking erneut Exportweltmeister. Innerhalb der EU führen Frankreich (2,45 Mio. t), Rumänien (2,12 Mio. t) und Lettland (0,85 Mio. t) derzeit die Exportstatistik an. Der deutsche Weizenexport beläuft sich bislang lediglich auf 0,76 Mio. t. Im Vorjahr waren es zum gleichen Zeitpunkt bereits 1,8 Mio. t. Marktexperten sehen für den deutschen Weizen bei dem jetzigen Preisniveau (169 EUR/fob Hamburg) kaum Chancen im Export. So dürfte Deutschland auch bei dem laufenden Weizentender aus Saudi Arabien (495.000 t) erneut leer ausgehen und das Exportziel von 5 Mio. t in dieser Saison verfehlen. Allerdings ist die Messe noch nicht gelesen: Sollte der Euro wieder etwas an Wert verlieren und Russland seinen Export im Winter drosseln, wird auch deutscher Weizen noch seine Chance bekommen. Damit rechnen zumindest die Händler. Insgesamt bleibt das Marktumfeld aber dennoch schwierig. Das gilt v.a. für das Geschäft mit Qualitätsweizen. Die Mühlen sind momentan nur sporadisch am Markt und signalisieren nur geringes Kaufinteresse. Der Handel mit Brotgetreide ist infolgedessen unterentwickelt, was Mengen und Preise anbelangt. Auch Neugeschäfte mit Brotweizen für das neue Jahr 2018 sind derzeit kaum in den Büchern. Es ist nicht weiter verwunderlich, dass die Preise für Qualitätsweizen in diesem Umfeld nicht nach oben gelangen. Brotweizen wird in Hessen frei Erfasser aktuell mit 147,30 EUR/t bewertet. Das sind immerhin 5 EUR/t weniger als zu Beginn der Ernte. Zwar konnte sich der Qualitätsweizen mit 151 EUR/t etwas besser behaupten, aber auch dieser bleibt hinter den Erwartungen zurück. Unterstützung für die Preise kommt zum jetzigen Zeitpunkt einzig aus der Futtermittelindustrie: Durch das Mengendefizit beim Körnermais wird in den Veredelungsregionen zunehmend auf Futterweizen ausgewichen. Dies stützt die Preise zumindest ein wenig. In den letzten zwei Monaten konnte der Futterweizen in Hessen immerhin um ca. 5 EUR/t auf 141,42 EUR/t zulegen.

Prognose Weizen

Der Markt bleibt in dieser Saison fundamental gut versorgt. Russland wird die Exportmärkte, u.a. auch in Nordafrika, vorerst weiter dominieren und die Preise damit unter Druck setzen. Zudem verteuert der feste Eurokurs Ausfuhren aus der EU, was die Wettbewerbsfähigkeit einschränkt. Im Laufe dieser Saison könnten Meldungen über Auswinterungsschäden oder Wetterextreme (La Nina) dennoch Argumente für Preissteigerungen liefern. Auch dürften die Prämien wieder höher ausfallen, wenn die Mühlen Anschlusskäufe tätigen. Am Ende bleibt das Preispotenzial – unserer Ansicht nach – aber nach oben hin gedeckelt. Kurzfristige Preisausschläge bzw. günstige Marktkonstellationen sollten sie nutzen, um Restpartien zu vermarkten.

Markt für Gerste

Im Gegensatz zum Weizenmarkt ist die Versorgungsbilanz am Gerstenmarkt in 2017/18 tendenziell angespannt. Australien ist mit 8 Mio. t wieder „back to normal“ (Vj. 13 Mio. t), zudem fielen die Überhänge der alten Ernte deutlich geringer aus als erwartet. Infolge der erheblichen Ertragseinbußen in Spanien holten auch die Landwirte in der EU insgesamt 1 Mio. t weniger Gerste von den Feldern als im Vorjahr. Mit 18 Mio. t fallen die globalen Lagerbestände in 2017/18 um 6 Mio. t, was die Verfügbarkeit am Markt mengenmäßig einschränkt. Besonders das Angebot an Braugerste dürfte in dieser Vermarktungsperiode geringer ausfallen. In der EU fehlen aufgrund mangelnder Qualität derzeit schätzungsweise 200.000 – 300.000 t Braugerste. Infolgedessen können sich die Qualitätsprämien in diesem schwierigen Marktumfeld relativ stabil bei 50 – 75 EUR/t halten. Im Großhandel wird die Braugerste an der Produktenbörse Mannheim aktuell mit 224,50 EUR/t bewertet. Futtergerste geht hingegen mit ca. 150 EUR/t in die Bücher. Am hessischen Kassamarkt erzielt die Futtergerste einen mittleren Erzeugerpreis von 135 EUR/t (frei Erfasser) und bewegt sich damit langsam in einen Aufwärtskanal hinein. Kurz vor Beginn der Ernte 2017 wurde Futtergerste in Hessen noch für ca. 125 EUR/t gehandelt. Die stetigen Ergänzungskäufe der Mischfutterindustrie sowie fehlende Verladekapazitäten im LKW-Transport und der Binnenschifffahrt stützen aktuell die Preise. Aus dem Export kommt derzeit hingegen wenig Unterstützung. Zwar liegt der EU-Gerstenexport laut Exportstatistik mit 2,12 Mio. t über dem Vergleichswert des Vorjahres (1,73 Mio. t). Im Jahr 2015/16 waren es zum gleichen Zeitpunkt allerdings bereits 5 Mio. t. Jüngst hat Saudi-Arabien jedoch 732.000 t Gerste europäischer Herkunft geordert, die allerdings zum Großteil aus Frankreich kommen dürfte.

Prognose Gerste

Gerste ist am europäischen Markt gefragt und das dürfte vorerst auch so bleiben. Stetige Ergänzungskäufe der heimischen Mischfutterindustrie werden das Preisniveau nach unten absichern. Zusätzliche Impulse aus dem Exportgeschäft mit Saudi Arabien könnten den Preisen für Futtergerste in den nächsten Wochen sogar leichten Auftrieb geben. Auch Malz wird am internationalen Markt weiter nachgefragt. Infolgedessen ist davon auszugehen, dass sich die Qualitätsprämien für Braugerste stabil halten. Der Braugerstenanbau dürfte langfristig attraktiv bleiben.

Rapsmarkt

Üppige Ernten bei der Sojabohne und den Sonnenblumen führen zu einem Lagerbestandsaufbau im Ölsaatenkomplex. Nach der letzten Schätzung des USDA könnte der Lagerbestand in 2017/18 mit 109,32 Mio. t um ca. 1 Mio. t höher ausfallen als in der Vorsaison (108,54 Mio. t). Alleine 98 Mio. t davon gehen dabei auf das Konto der Sojabohne, die den Weizenanbau in den USA immer weiter verdrängt. Diese Betrachtung darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Rapsbilanz in der EU weiterhin eng gestrickt ist. Zwar haben die Landwirte in der EU in 2017 mit 21,7 Mio. t etwa 2 Mio. t mehr von den Feldern geholt als im Vorjahr. Durch den Verbrauchsanstieg auf 25,16 Mio. t wird die EU aber auch in dieser Saison geschätzte 4 Mio. t Raps aus Drittländern importieren müssen, um Versorgungslücken zu schließen. Ein Großteil der Rapsimporte kommt dabei aus Australien, Kanada und der Ukraine. Derzeit bedient die Ukraine etwa 79% der Importe. Beobachter schätzen, dass Australien in dieser Saison max. 2,5 Mio. t Raps am Weltmarkt unterbringen kann. Ob Kanada seiner Rolle als Residualversorger in diesem Fall gerecht wird, bleibt abzuwarten. Im Moment zeigt sich der Rapsmarkt noch völlig unbeeindruckt von diesen Gedankenspielen. Während der Kurs in Paris Anfang November noch über die Marke von 386 EUR/t kletterte, wurde am heutigen Tag (Stand 11.12.2017) bereits zeitweilig die Unterstützungslinie von 362 EUR/t getestet. Mehrere Gründe sind hierfür verantwortlich: Die Bestände an Pflanzenölen scheinen sich weltweit zu erholen, wodurch Knappheit beim Rapsöl durch Substitute ausgeglichen werden kann. Der Preis für Palmöl in Malaysia ist seit Anfang November um ca. 17% gefallen. Sojaöl in Chicago im gleichen Zeitraum immerhin um 5%. Weiterhin kommen aus dem Biodieselsegment momentan keine Impulse für höhere Preisforderungen. Zum einen ist bei der Biodieselproduktion in der EU eine Stagnation zu beobachten, zum anderen könnten bald größere Mengen an Sojamethylester aus Argentinien die heimische Produktion verdrängen. Schließlich korrigierte das USDA seine Schätzung für die EU-Rapsproduktion im letzten November-Report um ca. 7% nach oben, was den Kursen nicht gerade Aufwind gab. Im Großhandel an der Produktenbörse in Mannheim werden aktuell Kurse zwischen 372 – 374 EUR/t aufgerufen. Am hessischen Kassamarkt wird der Raps vom Landhandel durchschnittlich mit 353 EUR/t franko bewertet. Laut unserem CASH!-Preisspiegel erzielen einige Erzeuger auch Verkaufspreise von über 360 EUR/t.

Prognose Raps

Vorerst ist am Rapsmarkt noch von einer Seitwärtsbewegung der Kurse auszugehen. Wenn jedoch die Importe aus Australien deutlich geringer ausfallen als in der vergangenen Saison und die Verarbeiter zudem Anschlusskäufe tätigen, hätten die Notierungen wieder mehr Luft nach oben. Davon ist jedoch erst im Januar/Februar 2018 auszugehen. Aber auch in diesem Fall bleibt der Preisspielraum durch die großen Sojavorräte nach oben begrenzt. Aber: Sollten Wetterextreme in Gestalt von La Nina in Südamerika tatsächlich eintreten, wäre eine Preisralley im Soja-Komplex möglich, was den Rapspreis sicherlich stützen würde. Diese Unbekannte ist bei den Voraussagen mit zu berücksichtigen.

Weizenkurs, Euronext Paris, Fronttermin in EUR/t

Quelle:  www.saatbau.com, Stand 11.12.2017.