Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Marktinformation

Große Mengen an Futtergetreide, B-Weizen knapp

Aufgrund der schwierigen Witterungsverhältnisse in der Ernte wird der Anteil an Futterweizen in dieser Vermarktungssaison deutlich höher ausfallen als im Vorjahr.

Der ungünstige Witterungsverlauf hat in dieser Kampagne dazu geführt, dass ein Großteil des Weizens aufgrund niedriger Fallzahlen und Hektolitergewichte nur noch als Futterweizen vermarktet werden kann. Deutschlandweit rechnet der Handel nach jetzigem Sachstand nur noch mit ca. 50% Anteil an Brotweizen. In Hessen berichteten die Vertreter der Mühlen und Landhändler bei der diesjährigen Erntebesprechung sogar von einem Futterweizenanteil in Höhe von 70-75%. Den Berichten zufolge erreichten die Partien aber häufig nicht einmal Futterweizenqualität und müssen daher in Biogasanlagen energetisch verwertet werden.

Fehlende Knappheitssignale

Infolge der fehlenden Knappheitssignale haben die Preise für Futterweizen jüngst deutlich nachgegeben. An der Hamburger Warenbörse bewerten Händler den Futterweizen aktuell mit 161,50 EUR/t. Im Vormonat notierte der Futterweizen noch in der Spitze bei 175 EUR/t. Der Spread zwischen B- und C-Weizen beträgt in Hamburg derzeit etwa 2 EUR/t. Auch am hessischen Kassamarkt geben die Erzeugerpreise weiter nach. Frei Erfassungslager werden für den Futterweizen in Hessen derzeit etwa 138,67 EUR/t geboten. Kurz vor Erntebeginn lag der Mittelwert für Hessen noch bei 151,64 EUR/t. Brotweizen ging in der laufenden Woche mit durchschnittlich 147,31 EUR/t in die Bücher. Der Preisabstand ist bei den Erzeugerpreisen mit ca. 10,00 EUR/t also deutlich größer als im Großhandel. Es muss allerdings darauf hingewiesen werden, dass es sich mangels Handelsaktivität häufig um nominelle Preise handelt, da die Landwirte aktuell kaum als Verkäufer am Markt sind.

Bodenbildung bei den Preisen?

Trotz der üppigen Versorgung rechnen Händler vorerst nicht damit, dass der Futterweizen weiter an Boden verliert. Tatsächlich würde mit dem Futterweizen eine Preisuntergrenze markiert, die zunächst halten sollte. Für den B-Weizen seien die Prämien auf Matif hingegen weiter gestiegen, so die Berichte der Händler. Dies stützt die Vermutung, dass Qualitätsweizen in dieser Vermarktungssaison knapp werden könnte. Allerdings  dürften es die Weizenpreise kurzfristig schwer haben, sich zu erholen. Der Chicago-Weizen befindet sich derzeit im freien Fall und zieht die Kurse in Paris mit nach unten. Hinzu kommt, dass Frankreich mit 36,4 Mio. t eine gute Weizenernte eingebracht hat und der vergleichsweise feste Euro EU-Ware verteuert. Infolgedessen läuft der Export mit Handbremse. Mit nur 1,5 Mio. t hat die EU in diesem Wirtschaftsjahr bislang deutlich weniger Weizen exportiert als in den beiden Jahren zuvor. Aus dem Export kommen daher keine preisstabilisierenden Impulse.

 Prognose

Aufgrund des Mengendrucks aus der Schwarzmeerregion und der fehlenden Impulse aus dem Export ist der Preisspielraum bis zum Jahresende begrenzt. Dann könnte Qualitätsweizen jedoch knapp werden und der EU-Export wieder anziehen. Vorerst sollte mit der Vermarktung daher gewartet werden, da aus jetziger Sicht Lagerrenditen möglich sind. Der Markt ist global gut versorgt, regional aber durchaus knapp. Bei genauer Betrachtung lässt sich feststellen, dass der Lagerbestand bei den größten Exportländern in dieser Saison wohl um fast 10 Mio. t von 72 Mio. t auf 62 Mio. t fallen wird.