Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Marktinformation

Weizen jetzt vermarkten oder einlagern?

Die Preisentwicklung wird in den kommenden Wochen sehr volatil bleiben. Günstige Marktverläufe gilt es zu nutzen, um Teilmengen am Markt zu platzieren. Einen Teil des Qualitätsweizens sollten die Landwirte einlagern und erst am Jahresende vermarkten.

Momentan kommen am Getreidemarkt nur selten neue Abschlüsse in die Bücher. Die Vermarktung bleibt ohne Impulse, die Preise stagnieren etwa auf dem Niveau der Vorwoche. Dies ist nicht zuletzt der Unsicherheit geschuldet, die mit den häufigen Ernteunterbrechungen einhergeht. Dabei kam vor Erntebeginn noch richtig Bewegung in die Preise. Meldungen über die Hitzewelle in wichtigen Anbaugebieten der USA führten an der Börse in Minneapolis zu einem regelrechten Kursfeuerwerk. Durch Positionsbereinigungen der Fonds kletterte der Weizenkurs an der MGEX innerhalb eines Zeitraums von nur vier Wochen um 280 $/bushel (!) auf ein Kursniveau von 810 $/bushel. Unter dem Einfluss dieses Wettermarktes legten auch die Kurse in Chicago und Paris kräftig zu. Zeitweise notierte der Dezemberkontrakt für den Weizen in Paris nur noch knapp unter der Marke von 190 EUR/t. In der Folge zogen  auch die Großhandelsnotierungen deutlich an. In Hamburg wurde während der Preishausse ein Preisband von 183 bis 184 EUR/t registriert.

Preiskurve beobachten

In der aktuellen Situation lässt jede weitere Wettermeldung die Getreidepreise in die eine oder andere Richtung ausschlagen. Mit den Regenfällen in den USA scheint die Party an den Warenterminbörsen zumindest vorerst vorbei zu sein. In Paris notierte der Fronttermin für den Weizen gestern wieder auf einem deutlich niedrigeren Niveau von 163,50 EUR/t. Die schwachen Vorgaben aus den USA, der feste Euro und die erwartete Rekordernte in Russland liegen wie Blei auf den Kursen. Gleichwohl rechnen Marktkenner in dieser Ernte nicht mit einem vergleichbaren Preisverfall wie im Vorjahr.

  • Nach den Prognosen des Internationalen Getreiderats (IGC) wird die weltweite Getreideernte gegenüber dem Vorjahr wohl um ca. 70 Mio. t sinken. Daraus könnte sich – global betrachtet – eine Versorgungslücke von 34 Mio. t ergeben.
  • Von den weiterhin üppigen Weizenvorräten lagern große Mengen in Indien und China (ca. 45%). Da diese Mengen dem Weltmarkt entzogen werden, ist das Sicherheitspolster de facto gar nicht so groß, wie häufig dargestellt.
  • Die Weizenexporte aus der EU könnten mit 26,5 Mio. t gegenüber dem Vorjahr um 2 Mio. t zulegen, liegen damit jedoch immer noch unter dem Niveau des Jahres 2015/16 (32 Mio.t).
  • Trotz einer gegenüber dem Vorjahr um 4 Mio. t höheren Weizenerzeugung werden die Lagerbestände in der EU auf ein historisch niedriges Niveau von 10,8 Mio. t sinken.

Die skizzierten Randbedingungen dürften in der laufenden Vermarktungssaison die Grundlage für ausgeprägte Preisbewegungen bilden.

Russland dominiert den Export

Die Konkurrenz wird härter im Export. Russland wird aller Voraussicht nach etwa 120 Mio. t Getreide und davon alleine 72 Mio. t Weizen einbringen. Da überdies größere Mengen aus dem Vorjahr in den Silos lagern, dürfte der Export in 2017/18 auf 30 Mio. t steigen. Russland wäre in diesem Fall erneut Weltmeister im Weizenexport. Auch Argentinien wird am Weltmarkt weitere Marktanteile hinzugewinnen. Nach den Reformen unter Präsident Macri wurden die Exportsteuern sukzessive gesenkt und für einige Kulturen sogar gänzlich abgeschafft. Hinzu kommt die Freigabe des Wechselkurses für den argentinischen Peso. In der Folge wurde die Weizenfläche um fast ein Drittel ausgeweitet und die Exporte in 2017/18 auf 12 Mio. t gesteigert. Es ist davon auszugehen, dass die EU im Export Marktanteile an Russland und Argentinien verlieren wird.

Vermarktungsmengen splitten

Möglicherweise werden die Preise mit der ersten Verkaufswelle am Kassamarkt weiter nachgeben. Aufgrund des Mengendrucks aus Russland, der Ukraine und Argentinien ist zudem davon auszugehen, dass das Preisniveau am Weltmarkt sinkt. Wenn jedoch im Spätherbst der Mengendruck nachlässt und die aufnehmende Hand Anschlusskäufe tätigt, sind wieder deutliche Aufgelder möglich. Es empfiehlt sich daher, einen Teil des Qualitätsweizens einzulagern, um entsprechende Lagerrenditen zu erzielen. Allerdings sollten sie die Preiskurve permanent im Blick behalten und kurzfristige Preisausschläge nach oben für den Verkauf nutzen. Die Preisentwicklung wird in den nächsten Wochen sehr volatil bleiben. Meldungen zu den Erntemengen und Aussaatbedingungen können die Anlageentscheidungen der spekulativen Kapitalanleger an den Börsen maßgeblich beeinflussen. Die Kurssprünge in Minneapolis haben gezeigt, wie schnell der Markt aus dem Stand wieder nach oben drehen kann. Entsprechend günstige Marktverläufe gilt es zu nutzen, um Teilmengen der Ernte am Markt zu platzieren.