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Marktinformation

Getreidemarkt: Hart verhandeln und Kontrakte genau prüfen!

Für Getreidekontrakte gelten bislang keine einheitlichen Standards, was die Vergleichbarkeit erschwert. Entscheidend ist nicht nur der Grundpreis, sondern die Konditionen.

Im Raps- und Getreidehandel herrscht ein ausgeprägter Verdrängungswettbewerb. Einige Erfasser gehen daher bei einseitiger Fokussierung auf den Grundpreis gerne dazu über, an der „Konditionenschraube“ zu drehen. Zwar gibt es seit über 90 Jahren die Einheitsbedingungen (EHB) im deutschen Getreidehandel. Diese gelten aber nicht automatisch, sondern nur dann, wenn sie ausdrücklich vereinbart wurden. Maßgeblich sind die AGB der Erfasser.

Bei Kontraktabschluss beachten

Führen Landwirt und Händler telefonisch Kaufverhandlungen, kommt zunächst kein wirksamer Kaufvertrag zustande. Etwas Anderes kann ggf. gelten, wenn in einem Telefonat bereits feste Konditionen vereinbart wurden (vgl. DLG-Merkblatt 421). Sie sollten sich in jedem Fall folgende Vertragsinhalte schriftlich bestätigen lassen:

  • Grundpreis
  • Qualitätsparameter
  • Transportkosten
  • Trocknungskosten
  • Schwundfaktoren
  • Abzug für Besatz
  • Kosten für Ein- und Auslagerung
  • Zahlungsziel

Qualitätsparameter

Es empfiehlt sich, bei der Probenahme anwesend zu sein und bei größeren Partien ggf. selbst eine Probe zu ziehen. Übermäßig hohe Abzüge bei geringfügiger Unterschreitung von Fallzahl und Protein sollten Sie nicht akzeptieren. Beispiel: Preisabzug 10 EUR/t für E-Weizen mit Fallzahl 277 (Kontrakt: 280). Auch ist darauf zu achten, dass die Abzüge nicht auf Basis der ungereinigten Bruttomenge, sondern auf Basis der Nettomenge erfolgen!

Trocknungskosten

Interne Auswertungen der LWK Niedersachsen zeigen, dass die Höhe der abgerechneten Trocknungskosten häufig in keinem logischen Zusammenhang mit dem Heizölpreis steht. So wurden z.B. im Jahr 2017 (Heizölpreis: 0,45 EUR/l) für die Trocknung von Weizen und Körnermais in vielen Fällen höhere Gebührensätze verlangt als im Jahr 2014 (Heizölpreis: 0,66 EUR/l). Zudem überstiegen die Trocknungsgebühren in einigen Fällen den üblichen Satz um mehr als das Doppelte. Erscheinen Ihnen die Trocknungskosten zu hoch, sollten Sie auf jeden Fall nachhaken und eine Anpassung des Vertrags verlangen.

Schwundfaktoren

Der Schwundfaktor errechnet sich nach der Formel: (Fa – Fe) x 100 / (100 – Fe), wobei Fa die Anfangsfeuchte und Fe die Endfeuchte markiert. Die Mehrzahl der Erfasser weist den verwendeten Schwundfaktor i.d.R. nicht offen aus. Versuche zeigen, dass bei Weizen, Gerste und Roggen ein Schwundfaktor von 1,2 plausibel ist. Ein Faktor von 1,3 ist bei der Abrechnung akzeptabel, wenn auf weitere Abzüge für Besatz, Staub etc. verzichtet wird. Schwundfaktoren von 1,4 oder sogar 1,5 sind hingegen unverhältnismäßig hoch.

Abzug für Besatz

In der Regel gilt das Getreide bis zu einer Grenze von 2% Besatz (Fremdbestandteile) als marktfähig. Sofern der Besatz in einer Partie unter dieser Besatzgrenze liegt, sollten keine Abzüge für die Reinigung vorgenommen werden. Wichtig: Die ersten 2% bleiben üblicherweise abzugsfrei, selbst wenn die Partie einen höheren Besatz aufweist. So verringert sich das Liefergewicht bei einem Besatz von 2,5% lediglich um 0,5%.

Kosten für die Ein- und Auslagerung

Sofern Sie über keine eigenen Lagerkapazitäten verfügen und Ihre Ernte einlagern, sollten Sie zunächst in Erfahrung bringen, ab wann Lagergeld anfällt. Als Daumenregel gilt, dass das Lagergeld für Getreide nicht höher als 1,50 EUR/t und für Raps nicht höher als 2,00 EUR/t ausfallen sollte. Hinzu kommen häufig noch Zusatzkosten für die Einlagerung und Auslagerung, wenn das Getreide nicht an den Landhändler vermarktet wird. Überdies stellen die Erfasser Ihren Kunden auch noch Abzüge für Lagerschwund in Rechnung. Wird Ihnen bei einem Einlagerungsgeschäft z.B. pauschal 1% der Liefermenge als Lagerschwund abgezogen, bekommen Sie pro Anhänger bei 10 t bereits 1 dt nicht vergütet. Die Kosten der Einlagerung können von Erfasser zu Erfasser sehr unterschiedlich sein. Ein Vergleich lohnt daher in jedem Fall.

Zahlungsziel

Gemäß § 271 BGB ist der Kaufpreis in einem Schuldverhältnis normalerweise „Zug um Zug“ bei der Lieferung zu entrichten. Zumindest, wenn nichts Abweichendes vereinbart wurde. In der betrieblichen Praxis werden jedoch zwischen den Vertragsparteien in aller Regel Fälligkeitszeitpunkte vereinbart. Diese sollten im Handel mit Getreide nicht wesentlich weiter als 30 Tage in der Zukunft liegen. Denn ein Zahlungsziel ist nichts anderes als ein Lieferantenkredit, der das Konto Ihres Erfassers schont und Ihres belastet.

Fazit

Für Getreidekontrakte gelten bislang keine einheitlichen Standards, was die Vergleichbarkeit von Angeboten erschwert. Die Erlösunterschiede zwischen den einzelnen Landhändlern fallen daher häufig größer aus als die regionalen Preisunterschiede. Im Ergebnis ist nicht alleine der Grundpreis entscheidend, sondern auch die Zu- und Abschläge. Sie sollten Ihre Konditionen daher bereits vor der Lieferung genau aushandeln und Ihre Abrechnungen sorgfältig prüfen.

Wichtige Hinweise

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