Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Marktinformation

Höhere Preise für Düngemittel

Mangelnde Liquidität und fehlende Lagerkapazitäten hemmen das Düngergeschäft. Indessen haben die Hersteller Ihre Preislisten für die kommende Saison nach oben angepasst. Fraglich ist, ob sich die höheren Preise auf Dauer auch durchsetzen lassen.

Dünger wird zunehmend zum Ladenhüter. Im Vergleich zum Vorjahresquartal entwickelten sich die Zukäufe an stickstoffhaltigen Düngemitteln in 2018 rückläufig. Nach der aktuellen Düngemittelstatistik pendelte der Inlandsabsatz im Zeitraum Januar bis März 2018 bundesweit etwa um 33% zurück. Insgesamt wurde damit eine avisierte Menge von 344.755 t kontrahiert.

Mangelnde Liquidität und volle Läger

Angesichts der Wetterkapriolen und schwachen Erträge in diesem Jahr dürften sich bei der Düngebedarfsermittlung zudem hohe Reststickstoffmengen im Boden ergeben. Die Obergrenze von 60 kg/ha Gesamt-N setzt dabei die Limits nach oben. Welcher Effekt daraus auf die Nachfrage nach Düngemitteln resultiert, ist derzeit noch unklar. Hinzu kommt die mangelnde Liquidität in vielen Betrieben, die den Handlungsspielraum beim Zukauf von Düngemitteln weiter einschränkt. Da die Marktteilnehmer überdies auf weitere Preissteigerungen an den Getreidemärkten spekulieren, steht in vielen Fällen nicht genügend Lagerraum zur Verfügung. Dies betrifft v.a. die Lagerkapazitäten des Landhandels. Vor dem Hintergrund dieser Faktorenkombination bleibt das Düngergeschäft derzeit vernachlässigt.

Weltmarkt für Kali ist überversorgt

Umso erstaunlicher ist es, dass die Hersteller ihre Preislisten gegenüber 2017 bereits kräftig nach oben angepasst haben. So kostete 60er-Kornkali in Hessen im Vorjahresmonat 2017 noch 294 EUR/t. In diesem Jahr müssen die Landwirte bei einem Schwerpunktpreis von 318 EUR/t bereits deutlich tiefer in die Tasche greifen. Nach der neuen Preisliste von K + S dürfte Kali in den kommenden Monaten sogar noch teurer werden. Und dies, obwohl objektiv kaum Gründe für derartige Preissteigerungen auszumachen sind. Der Weltmarkt für Kali ist mit ca. 85 Mio. t nahezu  überversorgt, weitere Minen in Kanada und dem Ural gehen bis zum Jahresende in Betrieb. Deutlich enger ist die Versorgungsbilanz hingegen beim Harnstoff. Höhere Ausfuhrzölle und schärfere Umweltauflagen führten dazu, dass die chinesischen Hersteller ihre Produktion in den letzten Monaten drosselten. Nach der offiziellen Außenhandelsstatistik platzierten die chinesischen Exporteure im 1. Quartal 2018 fast 25% weniger Harnstoff am Weltmarkt.

Harnstoff knapp und teuer

Größere Harnstoffkäufe Indiens verschärften das Mengendefizit zusätzlich. Ende Juli kamen schließlich erste Harnstofflieferungen in den deutschen Seehäfen an. Die Preise für granulierte Ware (46% N) bewegen sich in Hessen seither auf einem Niveau von 292 EUR/t, was einen Aufschlag von 50 EUR/t bzw. 20% gegenüber dem Vorjahr bedeutet (242 EUR/t). Harnstoff ist knapp und wird daher höher bewertet. Auch für Kalkamonsalpeter (KAS) sind die Preise zuletzt deutlich gestiegen, was sich mit dem reduzierten Mengenangebot erklären lässt. Typischerweise fahren die Hersteller ihre Anlagen zum Saisonende herunter, um Wartungsarbeiten durchzuführen. Frei Hof wird KAS derzeit in Hessen mit 215 EUR/t gehandelt. Das sind immerhin 27 EUR/t bzw. 14% mehr als noch im Vorjahr (188 EUR/t). Demgegenüber sind die Preise für Ammoniumnitrat-Harnstoff-Lösungen (AHL) an den großen Handelsplätzen nur unwesentlich gestiegen. In Hessen verteuerte sich AHL im Vergleich zum Vorjahresmonat mit 168 EUR/t frei Hof allerdings dennoch um 7%. Auch Phosphat-Dünger tendieren aufgrund der verteuerten Stickstoffkomponente deutlich fester. Im Vorjahresmonat August 2017 wurde Diammonphosphat (DAP) gemäß APH-Preisspiegel noch mit 361 EUR/t bewertet. Zum jetzigen Zeitpunkt (Stand: 06.08.2018) müssen die hessischen Landwirte bereits 448 EUR/t anlegen, was einem satten Preisaufschlag von 24% entspricht.

Stickstoff-Preisindex klettert auf 146,5

In Anbetracht des umfangreichen Zahlenmaterials stellt sich die Frage, wie das derzeitige Preisniveau generell einzuordnen ist. Aufschlussreich kann hier die Betrachtung eines Stickstoffdünger-Preisindex sein, der die Einkaufspreise sämtlicher N-Dünger zu einer Messzahl zusammenfasst. Bei Betrachtung der Kurvenverläufe zeigt sich, dass die N-Dünger in Hessen mit einem Indexwert von 146,5 aktuell zwar teurer sind als im Vorjahr (135,2), gegenüber früheren Jahren aber immer noch eine Preisvorzüglichkeit gegeben ist. So nahm der vom LLH berechnete Dünger-Index etwa im Monat August 2014 noch einen Wert von 200 Punkten an. Rückläufige Rohölpreise und die allgemeine Preisschwäche an den Getreidemärkten führten in den darauf folgenden Jahren dazu, dass sich die Düngemittel verbilligten.

Den Marktverlauf zunächst abwarten

Nach jetzigem Sachstand ist in der kommenden Saison eine eher feste Preistendenz zu erwarten. Niedrigwasserzuschläge aufgrund der sinkenden Pegelstände in den Flüssen verteuern die Partien zusätzlich. Fraglich ist allerdings, ob sich die neuen Preislisten der Hersteller am Ende durchsetzen lassen. Mangelnde Lagerkapazitäten und fehlende Liquidität hemmen die Nachfrage. Vermutlich ist die Preisfindungsphase unter den Marktbeteiligten noch nicht ganz abgeschlossen. Den weiteren Marktverlauf abwarten und günstige Marktphasen nutzen, könnte eine Strategie sein.

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