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Marktinformation

Milchmarkt: Dunkle Wolken am Horizont

Infolge der gestiegenen Erzeugerpreise nimmt das Milchaufkommen weltweit an Fahrt auf. Deutliche Preiskorrekturen an den Produktenmärkten lassen darauf schließen, dass der Markt diese Mengen nicht aufnehmen kann.

Der Milchmarkt konnte sich in 2017 bei reduziertem Rohstoffaufkommen wieder erholen. Laut AMI-Preistrend stiegen die Milchpreise in Deutschland für Lieferungen im Oktober gegenüber dem Vormonat nochmals um 0,57 Cent/kg. Inzwischen deuten jedoch zahlreiche Frühindikatoren eine Trendumkehr am Markt an.

Milchmengen expandieren wieder

Infolge der gestiegenen Erzeugerpreise ist weltweit ein erhöhtes Milchaufkommen zu beobachten. Anreize für eine Produktionsexpansion gehen weiterhin von den niedrigen Futtermittelpreisen und der guten Grundfutterausstattung aus. Während die Molkereierfassung in Deutschland noch bis Ende August deutlich unter der Vorjahreslinie lag, kletterte das Rohmilchaufkommen Ende November mit 577.000 t inzwischen wieder auf das Niveau von 2015. Zwar wurde in 2017 bislang immerhin noch 1,2% weniger Milch angeliefert als im Referenzzeitraum 2016. Zum jetzigen Zeitpunkt liegt die Milchanlieferung bundesweit allerdings schon wieder 4,5% über dem Niveau des Vorjahres. Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) mahnt angesichts dieser Entwicklung zur Vorsicht: „Wir müssen schleunigst auf die Bremse treten, sonst melken wir uns den Milchpreis kaputt“, so ein Sprecher. Unter den EU-Mitgliedsstaaten zählen Deutschland und Frankreich noch zu den wenigen Ländern, in denen die kumulierte Milchmenge zumindest unter dem Vorjahresniveau liegt. Andere EU-Länder, darunter z.B. Irland, verzeichnen bereits wieder steigende Mengen zum Vorjahres-Referenzzeitraum (Jan.–Nov.). Nach den Schätzungen der EU-Kommission dürfte das Milchaufkommen in der EU bis zur Jahresfrist um 1% höher ausfallen als in 2016. Auch die globale Milchproduktion ist wieder auf dem Vormarsch. Sowohl in den USA (+1,8%), als auch in Neuseeland (+1,9%) und Australien (+2,7%) wird in 2017 ein Mengenwachstum erwartet.

Weltmarktpreise pendeln zurück

Noch im zweiten Quartal dieses Jahres erreichten die Exportpreise an der internationalen Handelsplattform Global-Dairy-Trade neue Höchststände. Über alle Produkte hinweg markierte der Preisindex im Juni mit 1.096 Zählern seinen höchsten Stand seit 24 Monaten. Unter dem Einfluss des steigenden Milchaufkommens und der rückläufigen Nachfrage am Weltmarkt wurden die Preise aber schließlich deutlich nach unten korrigiert. Seit Juni verlor der Index etwa 12% seines Wertes, wobei die Korrekturen im Fettsegment am stärksten waren. Diese Entwicklung lässt darauf schließen, dass der Markt nicht mehr im Gleichgewicht ist.

Butterpreise im freien Fall

Über weite Strecken hinweg konnte die Nachfrage nach Butter von den fünf größten Exporteuren in 2017 kaum gedeckt werden. So musste die Butterproduktion in der EU im Zeitraum Jan. – Sept. laut AMI um 3,5% eingeschränkt werden, da die erforderlichen Mengen an Rohmilch fehlten. Die Preise spiegelten diese Knappheit wieder. An der EEX in Leipzig erreichte der Butterkurs im Monat August mit knapp 7.000 EUR/t seinen höchsten Stand seit Auflage des Kontrakts. Seither hat der Butterkurs allerdings wieder über 40% an Wert verloren. Der amtliche Kurs notierte am heutigen Handelstag (Stand 27.12.2017) an der EEX nur noch bei 4.066 EUR/t. Auch im Großhandel wurden die Butterpreise deutlich zurückgenommen, wobei Blockware eine noch schwächere Preistendenz aufwies als abgepackte Ware. Mit einem aktuellen Preisband von 4,00 – 4,35 EUR/kg ist Blockbutter in Kempten bereits 2,65 EUR günstiger als im August des laufenden Jahres (Stand 20.12.2017). Auch die Preise für Milchpulver haben sich insgesamt schwach entwickelt, was u.a. den hohen Interventionsbeständen geschuldet ist. Zwar besteht laut ZMP momentan größeres Interesse an Exportware. Der anhaltend starke Wettbewerb aus den USA und Neuseeland drücke allerdings auf die Preise. Im Ergebnis bleibt festzuhalten, dass sich die finanziellen Verwertungsmöglichkeiten der Rohmilch wieder verschlechtert haben.

Und die Spotmarktpreise?

Die Preise am Spotmarkt für den Handel von Rohmilch zwischen den Molkereien sind ein erster wichtiger Frühindikator für die weitere Preisentwicklung am Milchmarkt. Die rückläufigen Preise lassen darauf schließen, dass die Molkereien mit Rohmilch momentan gut versorgt sind und keine Knappheit besteht. Mit 16,90 Cent/kg kostet Rohmilch am Spotmarkt derzeit etwa 24 Cent/kg weniger als noch im August dieses Jahres (41 Cent/kg).

Molkereien reagieren

Der Kieler-Rohstoffwert für Milch ab Hof folgte im November mit 32,9 Cent/kg weiter einem abnehmenden Trend. Damit bleibt der Rohstoffwert bereits deutlich hinter dem mittleren Erzeugerpreis von 39 Cent/kg (AMI, Stand November) zurück. Erfahrungsgemäß folgen die Erzeugerpreise dem Rohstoffwert mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung, um den finanziellen Verwertungsmöglichkeiten Rechnung zu tragen. Daraus folgt, dass beim Milchgeld in 2018 ein deutlicher Rückgang zu erwarten ist. Einige Molkereien haben für das erste Quartal 2018 bereits Preisrücknahmen von bis zu 5 Cent/kg angekündigt. Betrachtet man den Kieler-Börsenmilchwert, so rechnen die Marktbeteiligten ab Januar sogar nur noch mit einem durchschnittlichen Milchpreis von 27,1 Cent/kg (Stand 22.12.2017). Dass sich diese Markterwartung in der Form erfüllt, ist eher unwahrscheinlich. Bislang haben die Vorstände der großen Molkereien, darunter z.B. Hochwald und DMK, noch überwiegend gleichbleibende Milchpreise im Dezember beschlossen. Die Ankündigung von FrieslandCampina, den Milchpreis im Januar um 4 Cent auf 37,5 Cent/kg zu senken, zeigt jedoch, in welche Richtung der Markt dreht. Sollten die Milchmengen weiter steigen, ist die nächste Milchpreiskrise vorprogrammiert.

Mengenabzüge und Festpreismodelle

Friedrich Ostendorff (Bündnis90/Die Grünen) forderte die Molkereiunternehmen vehement dazu auf, Maßnahmen der Mengensteuerung zu ergreifen, wie sie von FrieslandCampina (FC) jüngst beschlossen wurden. Mit Wirkung vom 21.11.2017 hat der Mitgliederrat von FC dem Vorschlag des Vorstands zugestimmt, die Auszahlungspreise vorübergehend zu kürzen, wenn sich ein Ungleichgewicht zwischen Milchangebot und Verarbeitungskapazität ergibt. Dabei hängt die Aktivierung der Maßnahme vom Umfang und der Dauer des Ungleichgewichts ab. Der Milchauszahlungspreis soll in diesem Fall für jeden zusätzlichen Liter um 90% reduziert werden. Maßgeblich ist die Referenzmenge für einen Vergleichszeitraum in 2017. Die Abzüge sollen wiederum über Quersubventionierungen denjenigen Erzeugern zufließen, die keine Übermengen anliefern. Für den Fall, dass ein Erzeuger die Vorjahreslinie mengenmäßig unterschreitet, sieht die Maßnahme sogar einen Milchgeld-Zuschlag von bis zu 10 Cent/kg vor. Es handelt sich also gewissermaßen um ein „Bonus-Malus-System“ mit Steuerungsfunktion. Andere Molkereien arbeiten hingegen an Festpreismodellen, die Preisschwankungen glätten sollen. So informierte Peter Manderfeld, Vorstandsvorsitzender der Hochwald eG, beim 4. Zukunftsforum über ein Festpreismodell, das auf Preissicherungen an der Warenterminbörse basiert. Die Umsetzung ist für 2018 geplant, Landwirte können sich an dem System freiwillig beteiligen. Auch das Deutsche Milchkontor (DMK) arbeitet offenbar an einem Festpreismodell, wie Thomas Stürtz gegenüber top agrar bestätigte. Das Pilotprojekt soll bereits in 2018 starten. Wann die Einführung erfolgt, ist derzeit noch unklar. Ausgangspunkt der Überlegungen ist ein börsennotierter Festpreis, der mit geringen Abschlägen an die teilnehmenden Landwirte weitergereicht wird. Entsprechende marktkonforme Lösungen zur Neugestaltung der Lieferbeziehungen fordert der Deutsche Bauernverband (DBV) bereits seit geraumer Zeit.

Abb.: Auszahlungspreise ausgewählter Molkereien (4% Fett, 3,4 % Eiweiß, EUR/100kg)

Abb.: Auszahlungspreise ausgewählter Molkereien (4% Fett, 3,4 % Eiweiß, EUR/100kg)

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