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Marktinformation

Ölsaaten: Rapsschrot überrascht in schwierigem Marktumfeld

Im Windschatten des Sojamarktes kann der Rapsmarkt seinen Abwärtstrend vorerst stoppen. Schwache Palmölnotierungen, mehr Biodiesel aus Argentinien und ein zunehmender Importdruck aus Drittländern machen eine nachhaltige Trendwende jedoch unwahrscheinlich. Kontraintuitiv kann sich das Rapsschrot weiterhin gut behaupten.

Die Preisentwicklung am Rapsmarkt enttäuscht in dieser Kampagne auf ganzer Linie. Hierfür sind mehrere Einflussfaktoren (Driving Forces) verantwortlich:

Palmölnotierungen

Infolge der schwächeren internationalen Nachfrage und höheren Lagerbestände haben die Preise für Pflanzenöle deutlich nachgegeben. Da damit die Schlaglöhne der Ölmühlen sinken, wird derzeit kaum Ware kontrahiert. In der Folge haben die Mühlen ihre Prämien auf Matif sogar wieder zurückgenommen. Ganz allgemein ist zu beobachten, dass der Rapspreis mit den Palmölnotierungen eine deutlich stärkere Korrelation aufweist als mit dem Rohölpreis.

Verkaufspreise Pflanzenöl

Mehr Biodiesel aus Argentinien

Auf Empfehlung der WTO musste die EU ihre Einfuhrzölle auf argentinischen Biodiesel im September 2017 deutlich senken. Typischerweise handelt es sich dabei um Sojamethylester, der in der Verwendung ungleich günstiger ist als heimisches Rapsöl. Expertenschätzungen zufolge könnten die Biodieselimporte in 2018 durch diese Maßnahme auf bis zu 2,6 Mio. t steigen. Hier ist allerdings noch nicht berücksichtigt, dass Indonesien ebenfalls ein Klageverfahren gegen die EU gewonnen hat und zusätzlich größere Mengen Palmölmethylester zu erwarten sind. Bleibt zu hoffen, dass die EU im Rahmen eines Antidumpingverfahrens zeitnah tarifäre Maßnahmen verhängt, die den heimischen Markt schützen.

Importe aus Australien und der Ukraine

Die EU ist mit einem Gap von ca. 3,5 Mio. t zwischen Produktion und Verbrauch auf Einfuhren aus Drittländern angewiesen. Aufgrund des starken Euros haben sich zahlreiche Ölmühlen längst umfangreich mit Ware aus der Ukraine und Australien eingedeckt.  Mit 2,38 Mio. t bewegen sich die Importe zum jetzigen Zeitpunkt in dieser Saison bereits auf einem höheren Niveau als in 2016/17 (2,1 Mio. t). Das Kaufinteresse an heimischer Ware ist auf den vorderen Positionen vor diesem Hintergrund noch limitiert. Sollte der Angebotsdruck aus dem Ausland wieder nachlassen, könnten Anschlusskäufe getätigt werden.

EU-Rapsimporte; Quelle: EU-Kommission

Rapsschrot kann sich abkoppeln

Eine Kuriosität zeigt sich indessen am Markt für Ölschrote. Trotz der niedrigen Erzeugerpreise für die Rapssaat kann sich das Rapsschrot dem Abwärtstrend weitgehend entziehen. Mit 240 EUR/t kostet Rapsschrot in Hessen zwar immer noch weniger als zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr (249 EUR/t). Im Lichte des Preisverfalls am Rapsmarkt ist hier aber ein erstaunlich stabiles Preisniveau zu konstatieren. Zum Vergleich: In Hessen erzielt der Raps derzeit einen mittleren Erzeugerpreis von nur 326 EUR/t. Zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr waren es noch 403 EUR/t! Die AMI erklärt diese Besonderheit mit der Angebotsknappheit am Markt, die wiederum auf die geringen Erlösmöglichkeiten der Ölmühlen zurückzuführen ist.

Rapspreise Hessen

Schlussfolgerungen

Von allen Kulturen hat der Raps in dieser Saison das geringste Preispotenzial. Die genannten Gründe: schwache Preisentwicklung am Markt für Pflanzenöle, steigende Biodieselimporte und Importe von Rohware aus Drittländern setzen die Limits nach oben. Ein Kursfeuerwerk wie im vergangenen Jahr würden in dieser Saison selbst ausgemachte Optimisten nicht erwarten. Immerhin konnte der Raps seinen Abwärtstrend unter dem Einfluss der festeren Sojapreise vorerst stoppen. Für einen nachhaltigen Kursanstieg müssten allerdings preisstabilisierende Impulse aus dem pflanzenbaulichen Bereich kommen. Aufgrund des milden Winters in der EU sind derzeit aber wohl kaum nennenswerte Auswinterungsschäden zu erwarten.

Vermarktungsempfehlung

In dieser Saison dürfte der Rapspreis nach oben hin gedeckelt bleiben. Es ist gleichwohl nicht auszuschließen, dass Spekulationen über Auswinterungen kurzfristig gewisse Preisausschläge hervorrufen und der Sojakomplex stützt. Günstige Marktphasen sollten Sie nutzen, um sich von Ihren Restpartien zu trennen. Doch warten Sie nicht zu lange. Die Restbestände in den Silos gelangen irgendwann auf den Markt, um Platz für die neue Ernte zu schaffen. Steigt das Mengenangebot, sind weitere Preisrücknahmen nicht ausgeschlossen.


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