Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Marktinformation

Vermarktung: Getreideabrechnungen genau prüfen!

Für Getreidekontrakte gelten bislang keine einheitlichen Standards bei der Abrechnung, was die Vergleichbarkeit von Angeboten erschwert. Entscheidend ist nicht alleine der Grundpreis, sondern die Konditionen der jeweiligen Erfasser.

Seit über 90 Jahren werden nunmehr die Einheitsbedingungen (EHB) im deutschen Getreidehandel verwendet. Dabei handelt es sich jedoch nicht um ein Gesetz, sondern um Regeln, die den Geschäftsverkehr erleichtern sollen. Was häufig nicht bekannt ist: Die EHB gelten keineswegs automatisch, sondern nur dann, wenn sie ausdrücklich zwischen den Vertragsparteien vereinbart wurden. Häufig geschieht dies unter Einbeziehung der AGB im Kontrakt. Daraus folgt, dass die Landhändler bestimmte Vertragsinhalte frei bestimmen können, sofern diese nicht gegen die guten Sitten verstoßen. Entscheidend ist also nicht alleine der Grundpreis, sondern ebenso die Lieferkonditionen.

Bei Kontraktabschluss beachten

Führen Landwirt und Händler telefonische Kaufverhandlungen, kommt zunächst kein wirksamer Kaufvertrag zustande. Etwas Anderes kann jedoch gelten, wenn in einem Telefonat bereits feste Konditionen vereinbart werden, die dann bindend sind. Sie sollten sich in jedem Fall folgende Vertragsinhalte schriftlich bestätigen lassen:

  • Grundpreis
  • Qualitätsparameter
  • Transportkosten
  • Trocknungskosten
  • Schwundfaktoren
  • Abzug für Besatz
  • Kosten für Ein- und Auslagerung
  • Zahlungsziel

Qualitätsparameter

Es empfiehlt sich, bei der Probenahme anwesend zu sein und bei größeren Partien ggf. selbst eine Probe zu ziehen. Übermäßig hohe Abzüge bei geringfügiger Unterschreitung von Fallzahl und Protein sollten Sie nicht akzeptieren. Beispiel: Preisabzug 10 EUR/t für E-Weizen mit Fallzahl 277 (Kontrakt: 280). Auch ist darauf zu achten, dass die Abzüge nicht auf Basis der ungereinigten Bruttomenge, sondern auf Basis der Nettomenge erfolgen.

Trocknungskosten

Interne Auswertungen der Landwirtschaftskammern zeigen, dass die Höhe der abgerechneten Trocknungskosten nicht immer in einem klaren Zusammenhang mit dem Heizölpreis steht. So wurden z.B. im Jahr 2017 (Heizölpreis: 0,45 EUR/l) für die Trocknung von Weizen und Körnermais vielfach höhere Gebührensätze verlangt als im Jahr 2014 (0,66 EUR/l). Zudem überstiegen die Trocknungsgebühren in einigen Fällen den üblichen Satz um mehr als das Doppelte. Erscheinen Ihnen die Trocknungskosten zu hoch, zögern Sie nicht nachzuhaken und verlangen Sie ggf. eine Anpassung des Vertrags.

Schwundfaktoren

Der Schwundfaktor errechnet sich nach der Formel: (Fa – Fe) x 100 / (100 – Fe), wobei Fa die Anfangsfeuchte und Fe die Endfeuchte notiert. In aller Regel wird der Schwundfaktor nicht offen ausgewiesen.  Praxisversuche zeigen, dass bei Weizen, Gerste und Roggen ein Schwundfaktor von 1,2 plausibel ist. Ein Faktor von 1,3 ist bei der Abrechnung akzeptabel, wenn auf weitere Abzüge für Besatz, Staub etc. verzichtet wird. Schwundfaktoren von 1,4 oder sogar 1,5 sind hingegen unverhältnismäßig hoch.

Abzug für Besatz

Üblicherweise gilt das Getreide bis zu einer Grenze von 2% Besatz (= Fremdbestandteile) immer noch als marktfähig. Sofern der Besatz in einer Partie unter dieser Grenze liegt, sollten keine Abzüge für die Reinigung vorgenommen werden. Für den Fall, dass die Partie einen höheren Besatz aufweist, bleiben die ersten 2% normalerweise abzugsfrei!  So verringert sich beispielsweise das Liefergewicht bei einem Besatz von 2,5% lediglich um 0,5%.

Kosten für die Ein- und Auslagerung

Sofern Sie über keine eigenen Lagerkapazitäten verfügen und Ihre Ernte einlagern, sollten Sie zunächst in Erfahrung bringen, ab wann Lagergeld anfällt. Als Daumenregel gilt, dass das Lagergeld für Getreide nicht höher als 1,50 EUR/t und für Raps nicht höher als 2,00 EUR/t ausfallen sollte. Hinzu kommen häufig noch Zusatzkosten für die Einlagerung und Auslagerung, wenn das Getreide nicht an den Landhändler vermarktet wird. Überdies stellen viele Erfasser Ihren Kunden noch Abzüge für Lagerschwund in Rechnung. Wird Ihnen bei einem Einlagerungsgeschäft z.B. pauschal 1% der Liefermenge als Lagerschwund abgezogen, bekommen Sie pro Anhänger bei 10 t bereits 1 dt nicht vergütet. Die Kosten der Einlagerung können von Erfasser zu Erfasser sehr unterschiedlich sein. Ein Vergleich lohnt daher in jedem Fall.

Zahlungsziel

Gemäß § 271 BGB ist der Kaufpreis in einem Schuldverhältnis normalerweise „Zug um Zug“ bei der Lieferung zu entrichten. Zumindest, wenn nichts Abweichendes vereinbart wurde. In der betrieblichen Praxis werden jedoch zwischen den Vertragsparteien in aller Regel Fälligkeitszeitpunkte vereinbart. Diese sollten im Handel mit Getreide nicht wesentlich weiter als 30 Tage in der Zukunft liegen. Denn ein Zahlungsziel ist nichts anderes als ein Lieferantenkredit, der das Konto des Käufers schont und das Konto des Verkäufers belastet.

Konditionen im Blick behalten

Für Getreidekontrakte existieren bislang keine einheitlichen Standards, die automatisch gelten, was die Vergleichbarkeit von Angeboten erschwert. Entscheidend ist nicht alleine der Grundpreis, sondern die Abrechnungskonditionen in Gestalt von Zu- und Abschlägen. Sie sollten Ihre Konditionen daher bereits vor der Lieferung genau aushandeln und Ihre Abrechnungen sorgfältig prüfen.

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