Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Marktinformation

Analyse: Rohstoffwert Milch klettert auf 40 Cent/kg

Die finanzielle Verwertung der Rohmilch hat sich das dritte Mal in Folge verbessert. Das Preistal scheint überwunden, die Preisvolatilität bleibt jedoch bestehen.

Nach Angabe des Kieler Instituts für Ernährungswirtschaft (ife) ist der Roh-stoffwert der Rohmilch im Monat Juli um 1,7 Cent auf 40 Cent/kg gestiegen (frei Hof). Damit hat sich die finanzielle Verwertung der Milch das dritte Mal in Folge verbessert. Grund ist eine regel-rechte Preisralley am Buttermarkt, die zu höheren Erlösen in der Wertschöp-fungskette führt. Nach moderaten Preisaufschlägen im Monat Juli ist der Preis für Blockbutter an der Süddeut-schen Butter- und Käsebörse in Kemp-ten bei der letzten Auktion am 02.08 wieder kräftig um 15 Cent auf 6,30 bis 6,50 Euro/kg gestiegen. Geformte Ware in 250 g-Verpackungseinheiten konnte bei einem Preisband von 6,06 bis 6,26 Euro/kg gegenüber der Vorwo-che immerhin um 2 bis 12 Cent/kg zulegen. Offenbar ist der Butterabsatz im Einzelhandel ungeachtet der Ferien-zeit vergleichsweise stabil.

Nachfrage am Weltmarkt intakt

Auch am Weltmarkt führte das knappe Butterangebot und der Nachfragesog in den vergangenen Wochen zu beträchtlichen Kursgewinnen. Allerdings erzielte die Butter an der Internationalen Handelsplattform Global Dairy Trade (GDT) bei der letzten Auktion am 01.08 nur noch einen Preis von 5747 $/t und verzeichnete damit einen Preisrückgang von 4,9%. Marktexperten gehen jedoch davon aus, dass es sich lediglich um eine kurzfristige Preiskorrektur handelt.

Markt bleibt aufnahmefähig

Der Markt bleibt weiterhin aufnahme-fähig. Nach Einschätzung des USDA kann die Nachfrage von den fünf gro-ßen Erzeugerländern momentan kaum gedeckt werden. Entsprechendes fließt in die Preisfindung an der Warenterminbörse mit ein. An der EEX in Leipzig erreichte der September-Kontrakt der Butter mit 6750 Euro/t am gestrigen Handelstag einen historischen Höchststand. Demgegenüber konnten die Preise am Magermilchpulvermarkt nur moderat zulegen. Zu groß sind die Restbestände aus der Intervention. Zudem erschwert der starke Euro das Exportgeschäft. Auch die Ferienzeit ist bedeutend für den weiteren Marktverlauf. Offenbar konzentrieren sich die Werke momentan vornehmlich auf die Erfüllung bestehender Kontrakte. Die EU-Kommission beabsichtigt in nächster Zeit eine weitgehend marktneutrale Auslagerung der Interventionsbestände. Wie die Fachzeitschrift Agra-Europe in der Ausgabe Nr. 32 vom 07. August berichtet, soll das Pulver innerhalb der Mitgliedsstaaten verkauft oder verwertet werden, um Bedürftigen zu helfen.

Prognose

Die Nachfrage nach Milchprodukten ist weiterhin intakt, der Markt bleibt aufgrund des knappen Rohmilchangebots aufnahmefähig. Durch die Preistransmission von den Produktenmärkten zu den Molkereien haben die Erzeugerpreise jüngst weiter zulegen können. Im laufenden Quartal dürften wieder Milchpreise von 40 Cent/kg drin sein. Der Molkereiriese Friesland Campina setze seinen Garantiepreis im Monat August bereits auf einem Niveau von 38,50 Euro/kg fest. Auch die übrigen Molkereien folgen diesem Preistrend, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Das Preistal ist überwunden, die Preisvolatilität bleibt bestehen.

Abb.: Butternotierung in EUR/t, EEX Leipzig, September-Termin
Abb.: Butternotierung in EUR/t, EEX Leipzig, September-Termin; Quelle: www.barchart.com