Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Marktinformation

Spotmarktpreise geben mit 42,5 Cent die Richtung vor

Der Börsenmilchwert (42,10 Cent/kg) und die Spotmarktpreise (42,50 Cent/Kg) liegen noch immer deutlich über den Erzeugerpreisen. Vor diesem Hintergrund ist zu erwarten, dass die Molkereien das Milchgeld im Herbst weiter erhöhen.

Die Spotmarktpreise für Rohmilch gelten als wichtiger Frühindikator für die weitere Preisentwicklung am Milchmarkt. In Deutschland erreichten die Spotmarktpreise Anfang September ein Niveau von 42,5 Cent/kg und liegen damit bereits über der 40 Cent-Marke. Grund für diese Preishausse sind die Rekordpreise für Butter und Käse im Großhandel, womit sich die finanzielle Verwertung der Milch in den vergangenen Wochen deutlich verbessert hat. So erzielte die abgepackte Butter an der Süddeutschen Butter- und Käsebörse in Kempten bei der letzten Auktion in der Spitze mit 6,26 Euro/kg inzwischen ein Allzeithoch. Edamer und Gouda notieren mit ca. 3,60 Euro/kg sogar wieder auf dem Niveau der Hochpreisphase in 2014.

Kieler Rohstoffwert bei 40,8 Cent

Aufgrund der knappen Verfügbarkeit ist davon auszugehen, dass die Großhandelspreise in nächster Zeit weiteren Spielraum nach oben haben. Die rege Nachfrage aus den südeuropäischen Ländern dürfte zu einem stabilen Marktverlauf beitragen. Infolge der besseren Verwertungsmöglichkeiten ist der Kieler Rohstoffwert im Monat August nochmals um 0,8 Cent gegenüber dem Vormonat gestiegen. Mit 40,8 Cent/kg lag der Wert der Rohmilch im August damit bereits ca. 13 Cent/kg über dem korrespondierendem Wert des Vorjahres (August 2016: 27,5 Cent). An der EEX in Leipzig können sich die Landwirte und Molkereien derzeit sogar einen Preis von 42,10 Cent/kg absichern, was ungefähr dem Preisniveau am Spotmarkt entspricht.

Molkereien ziehen nach

Typischerweise sind die Preisausschläge an der Börse und am Spotmarkt erheblich größer als die Schwankungen der Erzeugerpreise. Dennoch lässt sich an etwaigen Abweichungen gut beurteilen, ob die Erzeugerpreise noch Spielraum nach oben haben. Ein direkter Vergleich zeigt, dass die Auszahlungspreise der Molkereien zwar sukzessive gestiegen sind, aber noch nicht an das Niveau am Spotmarkt heranreichen. So betrug der von der BLE zuletzt für Juni berechnete durchschnittliche Erzeugerpreis für Milch mit 4% Fett und 3,4% Eiweißgehalt noch 33,97 Cent/kg. Preisinformationen für die Monate Juli und August veröffentlichte die BLE bislang nicht. Gemäß den Zahlen der Agrarmarkt-Informations-Gesellschaft (AMI) mit Sitz in Bonn, die regelmäßig Vergleichspreise für 90 Molkereien erhebt, betrug der Mittelwert für diese Stichprobe im Monat Juli bereits 36,1 Cent/kg. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass die Preisunterschiede zwischen den Molkereien beträchtlich sein können. So zahlt Friesland-Campina für Lieferungen im August 2017 immerhin 38,50 Cent/kg, während Hochwald aufgrund langer Kontraktlaufzeiten mit 33,32 Cent/kg noch am unteren Ende des Preisbands rangiert. Das Unternehmen hat für den Monat September jedoch eine Milchpreiserhöhung von 2 Cent/kg beschlossen.

 Milch mit Tierschutzlabel im LEH

Interessante Entwicklungen zeichnen sich indessen im Einzelhandel ab. Wie der Discounter Aldi mitteilte, wird das Unternehmen ab September Milch mit dem anerkannten Label „Für Mehr Tierschutz“ vermarkten. Dabei erfüllen die zertifizierten Milchprodukte je nach Erzeugerregion eine Einstiegs- oder Premiumstufe. Hauptlieferant ist die Molkerei Gropper, über die etwa 70 Betriebe an dem Programm teilnehmen.

Prognose

Die Nachfrage nach Milchprodukten wie Butter und Käse ist weiterhin sehr stabil, der Markt bleibt vorerst aufnahmefähig. Da der Börsenmilchwert und die Spotmarktpreise noch deutlich über den Erzeugerpreisen notieren, ist zu erwarten, dass die Molkereien ihre Auszahlungspreise weiter erhöhen. Zumindest Molkereien mit einem hohen Anteil an Butter und Käseverwertungen dürften im Herbst 2017 die 40 Cent-Marke erreichen.