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Marktinformation

USDA-Bericht zieht Rapsnotierungen nach unten

Der gestrige USDA-Bericht sorgte für Klarheit am Sojamarkt: Die Hitzewelle hat den Beständen in den USA nicht geschadet, es werden 3,3 Mio. t mehr Soja erwartet.

Der am gestrigen Tag herausgegebene WASDE-Report belastet die Kurse. Aufgrund der jüngsten Hitzewelle im mittleren Westen der USA hatten Marktanalysten im Vorfeld mit einer deutlichen Abwärtskorrektur der Maisproduktion um ca. 10 Mio. t gerechnet. Tatsächlich senkte das USDA die Ernteerwartung für die USA aber lediglich um 2,5 Mio. t. Die US-Weizenernte schätzten Analysten hingegen um etwa 1 Mio. t niedriger. Auch hier blieb das USDA mit -0,5 Mio. t hinter den Erwartungen zurück. Für klare Verhältnisse sorgte das USDA schließlich bei der Sojabohne. Angesichts der Trockenheit  wurde für die USA eine Abwärtskorrektur von knapp 2 Mio. t erwartet. Die Beamten aus Washington sehen die US-Sojabohnenernte aber nun bei 119,23 Mio. t, was einem Plus von 3,3 Mio. t entspricht.

Höhere Soja-Endbestände

Die weltweiten Vorräte dürften damit um ca. 3,8 Mio. t auf 97,8 Mio. t steigen, da der Verbrauch gleichzeitig um ca. 2 Mio. t nach unten korrigiert wurde. Allerdings dürfte China laut der letzten Einfuhrprognose mit 94 Mio. t immer noch große Mengen an Soja nachfragen. Die Versorgungssituation am Weltmarkt für Soja wird in 2017/18 aber unterm Strich komfortabel bleiben. Infolgedessen wurden auch im gesamten Ölsaatenkomplex die Lagerbestände angehoben. In seiner jetzigen Prognose rechnet das USDA über alle Ölsaaten hinweg mit einem Lagerbestand von 109 Mio. t (+4,5 Mio. t).

EU-Rapsbilanz weiterhin eng

Weltweit gehen die Experten aus Washington von einer Rapsproduktion in Höhe von 72,7 Mio. t aus. Gegenüber 2016/17 wäre dies ein Plus von 3,5 Mio. t. Der Lagerendbestand wird durch den Verbrauchsanstieg mit 4,8 Mio. t aber sogar leicht unter das Niveau der Vorsaison fallen (5 Mio.t). Für die EU rechnet die Kommission in Ihrem aktuellen Bericht in dieser Kampagne mit einer Rapsproduktion, die ca. 21,6 Mio. t erreichen könnte und damit fast 2 Mio. t über der Vorjahreslinie liegt. Dessen ungeachtet wird sich der Endbestand mit 1,06 Mio. t aber dennoch etwa auf dem Niveau des Vorjahres bewegen (1,03 Mio. t). Da der Verbrauch die Produktion mit 24,6 Mio. t wohl wieder deutlich übersteigen wird, muss dieses Mengendefizit über Importe aus Australien, Kanada und der Ukraine ausgeglichen werden.

Rapspreise geben wieder nach

Ungeachtet der limitierten Versorgungsbilanz in der EU geben die Rapspreise unter dem Einfluss des USDA-Berichts aktuell wieder nach. Während der Raps in Paris noch am Mittwoch auf einem Niveau von 372,50 EUR/t schloss und damit die Kursverluste der vergangenen Wochen wieder wett machte, zogen Anleger ihre Gelder nach den  bärischen Fundamentaldaten aus den USA kurzfristig wieder ab. Dadurch bedingt korrigierte der Raps am gestrigen Handelstag auf 368,50 EUR/t und verlor damit binnen eines Tages etwa 4 EUR/t an Wert. Die erwarteten Rekordernten bei der Sojabohne liegen wie Blei auf den Notierungen.

Prognose

Wenngleich der Sojakomplex die Rapspreise momentan mit nach unten zieht, könnten andere Fundamentaldaten den Rapsmarkt mittelfristig wieder stützen. Die Notierungen für Palmöl erreichen in Kuala Lumpur aktuell Höchststände. Auch die Preise für Sojaöl konnten jüngst kräftig zulegen. Marktrelevant könnte zudem sein, dass die US-Ölreserven aktuell überraschend stark zurückgependelt sind. Dies dürfte den Rohölpreis stützen und über Kreuzpreiseffekte auch den Rapskursen gut tun. Die Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Biodieselnachfrage wieder anspringt. Betrachtet man die Zahlen der UFOP, ist der Verbrauch im Zeitraum Januar bis Mai dieses Jahr um ca. 7% gesunken. Sollte der Flugverkehr in die Treibhausgasminderungspflicht (THG) mit einbezogen werden, dürfte der Biodieselabsatz einen Schub erfahren. Fazit: Der Rapskurs ist im Moment noch auf Richtungssuche. Mit der Vermarktung sollten Sie deshalb – wenn möglich – noch abwarten.